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Solingen
Wo sich Lotte und Lasse Gute Nacht sagen

Solingen. Arbeit mit Kindern und Behinderten: Mit einem besonderen Konzept betreibt Kathy Greuel die Reitanlage in Höhrath. Von Jan Crummenerl

Die Reise geht ans Ende der Welt. Die Häuser werden spärlicher, die Straße holpriger. Wiesen und Äcker rechts und links. Am Ende des Weges wartet der Wald. Dahinter kommt nur noch die Sengbachtalsperre, die mit ihren Wassermassen eine Barriere bildet. Gut, Ende der Welt ist vielleicht übertrieben, aber man ist am letzten Zipfel von Solingen angekommen - dort, wo das idyllische Höhrath in pure Natur übergeht. Also genau an dem Ort, an dem sich in der Abenddämmerung im Wald "Fuchs und Hase Gute Nacht sagen".

Füchse gibt es hier tatsächlich, wie Kathy Greuel weiß. "Aber wir haben auch Rehe, Waschbären und Marder in der Wildnis." Letztere sind bei den Hühnern gar nicht beliebt, da von diesen Gesellen gelegentlich mal ein Ei stibitzt wird. Und Hasen gibt es natürlich auch. Zusammen mit ihren Meerschweinchen-Kollegen leben sie in einem geräumigen Gehege des großen Pferdestalls.

"Anfangs hatten wir zwei Meerschweinchen", sagt Kathy Greuel. "Sie halten die Ratten fern." Denn die hohen Pfeiflaute, mit denen sich die Meerschweinchen verständigen, mögen ihre rattigen Vettern nicht. Hier sind alle Nager nach den Figuren aus "Lukas der Lokomotivführer" benannt. In den Boxen nebenan schauen wiederum Zwergschafe und Schweine neugierig herüber. Sie sind alle mit Namen aus den Romanen von Astrid Lindgren bedacht. Und dann gibt es auch noch die 15 Pferde: vom putzigen Pony bis zum kolossalen Kaltblüter. Dass das kein gewöhnlicher Reit- und Bauernhof ist, merkt man sofort. Die 33-jährige Dortmunderin Greuel hat sich mit ihrem künftigen Ehemann einen Lebenstraum erfüllt, als sie vor rund eineinhalb Jahren die Anlage gepachtet hat. "Ich bin auf dem elterlichen Hof aufgewachsen, und Landwirtschaft wollte ich seitdem immer machen."

Dabei ist es aber eine ganz besondere Landwirtschaft, die die Waldorf-Erzieherin und Motopädagogin in Höhrath betreibt. Die Tiere sind besonders ausgebildet, so dass man mit ihnen mit Kindern und Behinderten arbeiten kann. Rund 50 Kinder tummeln sich wöchentlich auf dem Hof, spielen mit den Hasen, kuscheln mit den Schweinen. Die älteren dürfen reiten - und die neugierigen Schafe sind sowieso immer dabei.

Daneben gibt es Wochenendangebote inklusive Kindergeburtstagen und ein Ferienprogramm. Auch eine Mutter-Kind-Gruppe und Angebote für Schulklassen gehören zu den Möglichkeiten, die Kathy Greuel und ihre pädagogischen Mitarbeiter betreuen. "Viele möchten einfach mal raus aus der Stadt und mit ihren Kindern Landluft schnuppern."

Der Umgang mit den Tieren fördere besonders die sozialen Kompetenzen der Kinder, sagt Greuel. "Denn ein Tier geht ganz wertfrei auf den Menschen zu." Bei ihnen spielen Aussehen, Größe und Besonderheiten keine Rolle. Therapeutisch wohltuend sei überdies der Umgang der Vierbeiner mit Behinderten, die zum Teil von der Lebenshilfe Wermelskirchen auf den Hof kommen. Mit einer speziellen Hebevorrichtung können Behinderte sogar aufs Pferd gesetzt werden. Kathy Greuel: "Ein an spastischer Lähmung erkrankter Mann kommt regelmäßig zum Reiten. Er sagt mir, dass er sich nach 20 Minuten auf dem Pferd noch tagelang entspannt fühlt."

Auf der Koppel des Hofes sind noch zwei Mädchen mit den Pferden unterwegs. "Das sind meine Mädels", sagt Greuel liebevoll über die pferdebegeisterten Jugendlichen, die ehrenamtlich bei den Tieren und im Stall helfen und dafür reiten dürfen. Ein wenig Immenhof-Atmosphäre kommt da am letzten Ende Solingens auf. Reitunterricht für ältere Kinder gibt es auch, "aber unter einem bewegungstherapeutischen Aspekt". Spielerisch sollen die Kinder erst einmal Spaß am Pferd bekommen, bevor es später auf dessen Rücken geht. "Der Reitunterricht geht hier ganz ohne Leistungsdruck", sagt Kathy Greuel. "Denn davon haben die Kinder in der Schule schon genug." Ob sich hier "Fuchs und Hase Gute Nacht sagen", sei dahingestellt. Aber zumindest werden Zwergschaf Lasse und Hofkatze Lotte sowie die anderen Bewohner auf der Reitanlage es bestimmt so halten.

Quelle: RP
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