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Solingen
Zahl der Einbrüche steigt dramatisch an

Schieben Sie Einbrechern den Riegel vor
Schieben Sie Einbrechern den Riegel vor FOTO: GDV, gms
Solingen. Im ersten Halbjahr 2015 nahm die Zahl der Einbrüche und Einbruchsversuche um fast 50 Prozent zu. In den nächsten Monaten ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen. Die Polizei plant zurzeit keine Großaktionen gegen die Szene. Von Martin Oberpriller

Die Entspannung war nur von kurzer Dauer. Nachdem die Polizei im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückgang feststellen konnte, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche und der -einbruchsversuche in Solingen im ersten Halbjahr 2015 erneut dramatisch in die Höhe geschnellt. Allein zwischen Januar und Juni dieses Jahres schlugen die zumeist auswärtigen Täter insgesamt 212 Mal zu. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg um 48 Prozent.

Eine neue Offensive gegen die oftmals in Banden organisierten Einbrecher ist indes nicht vorgesehen. "Wir planen zurzeit keine Großaktionen", sagte gestern eine Sprecherin des auch für Solingen zuständigen Polizeipräsidiums Wuppertal. Zwar werde es auch in Zukunft Schwerpunktkontrollen geben, hieß es aus Polizeikreisen. Doch die genaue Strategie gegen die Täter könne aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht öffentlich gemacht werden. Und zudem liege ein weiterer Fokus nach wie vor auf der Einbruchsprävention, soll heißen der Beratung von potenziellen Einbruchsopfern.

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger

Ob solche Maßnahmen allerdings ausreichen, um den Negativtrend der zurückliegenden Monate abzubremsen oder gar umzukehren, bleibt einstweilen unklar. Zwar sucht die Polizei neuerdings unter anderem das Gespräch mit der Wohnungswirtschaft. Das Ziel: Die Gesellschaften sollen den Wohnungsbestand möglichst einbruchssicher machen und ihren Mietern gleichzeitig gestatten, die eigenen vier Wände auch individuell zu schützen. Doch andererseits zeigt die Erfahrung zum einen, dass die Fallzahlen mit Beginn der dunklen Jahreszeit weiter steigen. "Wir merken das immer mit dem Datum der Zeitumstellung. Dann haben die Täter eine Stunde mehr ", sagte jetzt ein Beamter des Wuppertaler Einbruchskommissariats. Und zum anderen bewegt sich die Aufklärungsquote bei Einbruchsdelikten inzwischen auf einem historisch niedrigen Niveau.

So konnten im ersten Halbjahr 2015 gerade einmal noch acht Prozent aller Wohnungseinbrüche beziehungsweise -einbruchsversuche in Solingen aufgeklärt werden. Das bedeutet im Verhältnis zum ohnehin bereits schlechten Gesamtjahr 2014 einen weiteren Rückgang um rund sieben Prozent und den Tiefststand in der jüngeren Vergangenheit. Zum Vergleich: 2011 waren noch 12,7 Prozent aller Fälle mit der Ermittlung eines Tatverdächtigen abgeschlossen worden.

So schrecken Sie Urlaubs-Einbrecher ab FOTO: gms

Tatsächlich sind die Fahnder der Kriminalpolizei darauf angewiesen, die Einbrecher auf der sprichwörtlich frischen Tat zu erwischen. Denn sind die Diebe erst einmal wieder verschwunden, ist es fast unmöglich, ihrer später noch habhaft zu werden.

Entsprechend dünn sind auch die Erkenntnisse, die die Polizei über die Einbrecherszene hat. Experten gehen davon aus, dass ein nicht unerheblicher Anteil aller Taten auf das Konto von Banden geht, die häufig aus Südosteuropa stammen und nach ihren Diebeszügen in Solingen über die nahen Autobahnen schnell wieder aus der Stadt entwischen.

Eine Vermutung, die zumindest von der offiziellen Statistik gestützt zu werden scheint. Diese weist einen Anteil der Täter ohne deutschen Pass unter allen ermittelten Tatverdächtigen von immerhin rund 30 Prozent aus.

Quelle: RP
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