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Solingen
Zahl der Gastfamilien bereitet Probleme

Solingen: Zahl der Gastfamilien bereitet Probleme
Beim Besuch von Gastkindern aus Belynitschi hat das Willkommensfest am Engelsberger Hof zum Auftakt des vierwöchigen Aufenthaltes in Solingen Tradition. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Bis zu 84 Kinder hat der Verein "Kinder von Tschernobyl / Solinger Hilfe für Minsk" bei Kurfahrten einladen können. Dieses Jahr sind es 33. Von Daniel Schlemper

Unbeschwert spielt der elfjährige Daniel auf dem Engelsberger Hof und tobt sich aus. Er schwingt auf einer großen Reifenschaukel oder klettert an der Lokomotive "Schnaufi" herum. Zusammen mit 32 anderen Kindern aus Weißrussland macht er bis zum 24. Juli Ferien in Deutschland.

Seit 1991 organisiert der Verein "Kinder von Tschernobyl / Solinger Hilfe für Minsk" Kurfahrten für Kinder aus dem strahlenverseuchten Gebiet Belynitschi. Schon 1990 waren mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) Nahrungstransporte für die Stadt organisiert worden. Um Spendenbescheide ausstellen zu können, gründeten schließlich mehr als 30 Solinger den Hilfsverbund.

"Die radioaktive Wolke, die durch das Reaktorunglück in Tschernobyl entstanden ist, wurde kontrolliert abgeregnet - genau über Belynitschi", erklärt die weißrussische Betreuerin Sinaida Baerova, die seit 1994 bei dem Projekt mitwirkt. Die Strahlungsbelastung sei in den Gebieten teilweise noch so hoch, dass sich Folgeschäden nicht ausschließen lassen. Geschichten von leukämiekranken Kindern, die teilweise in Deutschland behandelt werden konnten, sind laut Baerova keine Seltenheit.

1430 Kinder aus den Gebieten rund um Belynitschi besuchten in den vergangenen 26 Jahren Solingen und wurden "aufgepäppelt", wie Familie Butz es beschreibt. Christian, Friedhelm und Renate Butz sind seit über 22 Jahren dabei und organisieren die Kurfahrten. Zwölf Familien haben sich dieses Jahr bereit erklärt, Jungen und Mädchen aufzunehmen. "Über Spenden können wir kaum klagen, aber die Gastfamilien werden immer weniger", bedauert Alex Visser, im Verein zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Bis zu 84 Kinder konnte früher jährlich empfangen werden. Aufgrund des Mangels an Gastfamilien wurden es immer weniger.

"Die meisten Kinder sind froh, einmal wirklich Ferien in den Ferien zu haben", erzählt Renate Butz. So hatte es einmal ein Junge selbst formuliert, der an dem Programm teilgenommen hatte. Aufgrund einer anhaltenden Lebensmittelknappheit in ihrem Heimatgebiet betreiben viele Familien Landwirtschaft - wenn nötig auch im eigenen Garten. In den Ferien müssen die Kinder mit ihren meist zahlreichen Geschwistern auf den Feldern helfen.

Bis zu drei Kinder kommen bei den Gastfamilien unter - je nachdem, wie viel Platz diese zur Verfügung stellen können. Der Rest übernachtet am Theegarten im Naturfreundehaus Solingen, das der gleichnamige Verein kostenlos zur Verfügung stellt.

Einen Monat verbringen die Kinder mit ihren Betreuern in Solingen. Dabei sind viele der Tage mit Aktivitäten verplant. So besuchten sie kurz nach ihrer Anreise eine Kleiderbörse, wo sie sich mit Shirt, Hosen oder Schuhen eindecken konnten. Beim Willkommensfest am Engelsberger Hof stellten sich die Kinder vor und begrüßten ihre zugeteilten Gastfamilien. Im weiteren Verlauf stehen Besuche verschiedener touristischer Ziele wie Schloss Burg oder Phantasialand auf der Liste. Treff- und Abreisepunkt ist dabei immer das Clubhaus des Solinger SC, das ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Auf seiner Internetseite informiert der Verein über das Projekt. Dort sind auch die Stationen während der Kur aufgelistet sowie Spendenbescheide erhältlich.

www.belynitschi-aktuell.de

Quelle: RP
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