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Solingen
Zahl der Hartz-IV-Empfänger steigt an

13 Fakten zu Hartz IV
13 Fakten zu Hartz IV FOTO: dpa, Oliver Berg
Solingen. In Solingen sind nach wie vor viele Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Da Experten mit einer Zunahme rechnen, will das Jobcenter nun gegensteuern. Von Martin Oberpriller

Trotz guter Konjunktur und anhaltend positiver Daten vom Arbeitsmarkt - in Solingen bewegt sich die Zahl der Menschen, die in relativer Armut leben, seit Jahren auf einem hohen Niveau. So waren Mitte 2015 rund 15.000 Männer, Frauen und Kinder auf Hartz IV angewiesen. Das entspricht einem Anteil von knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung - wobei die Verantwortlichen bei der Stadt sowie beim kommunalen Jobcenter davon ausgehen, dass die Zahl im laufenden Jahr weiter steigt.

"Wir rechnen mit einer Zunahme unserer Kunden um etwa zwölf Prozent", sagt zum Beispiel Mike Häusgen, seit zwei Monaten Leiter des Solinger Jobcenters an der Kamper Straße in Ohligs. Damit vergrößert sich die sogenannte Unterversorgung mit Arbeit - abseits der offiziellen Statistik - noch einmal deutlich. Zumal Häusgen und seine Mitarbeiter wegen des Zuzugs von Flüchtlingen in die Klingenstadt bis Ende des Jahres zusätzlich mit ungefähr 900 neuen Bedarfsgemeinschaften kalkulieren, also mit Haushalten, die beim Lebensunterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Grund genug für das Jobcenter, in den nächsten Monaten die Anstrengungen zur Integration der Menschen auf dem Arbeitsmarkt einmal mehr spürbar nach oben zu fahren. Knapp 9,5 Millionen Euro stehen inzwischen für Eingliederungsleistungen zur Verfügung. Das sind über eine Millionen Euro mehr als 2015 - wobei auf die Flüchtlinge mit 730.000 Euro aber nur eine vergleichsweise geringe Summe entfällt.

Die meisten Fördermittel werden - wie schon in den Vorjahren - auch 2016 wieder für junge Menschen unter 25 Jahren sowie für Langzeitzeitarbeitslose verwandt. Denn jenseits der momentanen Flüchtlingsproblematik bereiten diese Gruppen den Arbeitsvermittlern von der Kamper Straße nach wie vor die größten Sorgen.

Immerhin befinden sich unter den knapp 11.000 erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern (Stand Juli 2015) rund 9300 Personen, die einer dieser zwei Gruppen oder gleich beiden angehören. Zwar stehen von allen Solinger erwerbsfähigen Jobcenter-"Kunden" wiederum nur 5700 als Arbeitslose dem Arbeitsmarkt faktisch zur Verfügung. Doch gleichzeitig machen die Hartz-IV-Empfänger mit zwei Dritteln den sprichwörtlichen Löwenanteil unter sämtlichen Arbeitslosen aus - so dass weiter Handlungsbedarf besteht.

Dabei stehen die Chancen, über Maßnahmen des Jobcenters den Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden, entgegen der landläufigen Meinung gar nicht schlecht. "Ungefähr 65 bis 69 Prozent der Menschen schaffen auf diese Weise dauerhaft, also länger als ein Jahr, den Sprung zurück auf den ersten Arbeitsmarkt", betont die für Integration zuständige Abteilungsleiterin des Jobcenters Solingen, Anke Svensson.

Gemeinsam mit ihrem Chef Mike Häusgen sowie Sozialdezernent Jan Welzel präsentierte Svensson gestern das "Integrationsprogramm 2016", das angesichts der in den zurückliegenden Jahren gemachten Erfahrungen einmal mehr darauf setzt, den Betroffenen mit möglichst individuellen Maßnahmen zu helfen.

Denn die Voraussetzungen, die die arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher mitbringen, sind sehr verschieden. Vom Jugendlichen ohne Schulabschluss über Menschen mit psychischen oder Suchtproblemen bis hin zu Arbeitslosen, die schon seit vielen Jahren keinen Job mehr hatten - oft müssen die Mitarbeiter des Jobcenters in einem ersten Schritt zunächst einmal die grundlegenden Voraussetzungen zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt schaffen.

Lediglich fünf Prozent aller Jobcenter-"Kunden" verfügen über ein sogenanntes Marktprofil, was bedeutet, dass sie kurzfristig vermittelbar sind. Auch darum will das Jobcenter das eigene Personal im laufenden Jahr aufstocken. So sollen zu den heute bereits etwas mehr als 200 Mitarbeitern noch einmal 20,5 befristete Planstellen geschaffen werden.

Diese Neuzugänge werden bis auf Weiteres überwiegend zur Betreuung der Flüchtlinge eingesetzt, die -wie berichtet - schnell mit dem deutschen Arbeitsalltag vertraut gemacht werden sollen. Gleichzeitig ist es den Verantwortlichen des Jobcenters aber wichtig, dass dies nicht zulasten der anderen Arbeitslosen geht. "Wir engagieren uns für alle Hilfsbedürftigen", betont Jobcenter-Chef Häusgen.

Quelle: RP
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