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Solingen
Zeugin: Hanaa S. versteckte sich vor Familie

Solingen. Am gestrigen Verhandlungstag in dem Prozess um die spurlos verschwundene Frau sagte eine Polizistin aus. Von Alexander Riedel

Die Verteidiger der fünf Angeklagten ließen nicht locker: Immer wieder hakten sie gestern bei der Aussage jener Polizistin nach, die im Frühjahr 2015 die Vermisstenanzeige für die spurlos verschwundene Irakerin Hanaa S. aufgenommen hatte. Darin hatte die Beamtin vermerkt, dass die 35-jährige Jesidin sich vor allem vor der Familie ihres Ex-Ehemannes gefürchtet und in ihrer Solinger Wohnung versteckt gehalten habe. Der Mann, seine Schwester, zwei seiner Brüder und ihr eigener Sohn müssen sich wegen Mordes vor der dritten Strafkammer am Wuppertaler Landgericht verantworten.

Sie sollen laut Staatsanwaltschaft gemeinsam beschlossen haben, Hanaa S. zu töten. Ihr Motiv soll die Wiederherstellung der Familienehre gewesen sein, nachdem sich die junge Frau von ihrem Ehemann getrennt hatte. Mit dem soll sie bereits als Jugendliche verheiratet worden sein und unter sehr strengen Regeln gelebt haben.

Diese hätten ihr zuletzt nicht einmal mehr erlaubt, allein zum Einkaufen die Wohnung zu verlassen, berichtete die als Zeugin geladene Polizistin unter Berufung auf den neuen Lebensgefährten des mutmaßlichen Mordopfers und zwei weitere Bekannte. Die Verteidigung monierte hingegen, die Zeugin habe bei der Aufnahme der Vermisstenanzeige eine Bewertung vorgenommen, die in erster Linie die Rolle des Ehemannes und seiner Familie in der Tragödie beleuchte. Unklar bleibe hingegen, wie Hanaa S. zu ihren eigenen, offenbar ebenfalls konservativ orientierten Blutsverwandten stehe. Auch ihre Eltern im Irak soll die junge Frau, die zeitweise auch in Frauenhäusern gelebt hatte, zuletzt nicht mehr über ihren Aufenthaltsort informiert haben, aus Angst, diese könnten die Daten an den Ehemann weitergeben. Die Zeugin verteidigte ihr Vorgehen: Sie habe bei der Anzeige lediglich die Berichte der drei besorgten Antragsteller notiert, um erste Anhaltspunkte über den Verbleib der 35-jährigen Frau zu erhalten. Zuvor hatte bereits eine ehemalige Nachbarin von Hanaa S. von jenem Tag berichtet, als die junge Frau verschwand. Zwei Männer hätten sehr hastig einen zusammengerollten und offenbar schweren Teppich aus dem Haus getragen, erklärte die Zeugin. Kurze Zeit später sei ein Lieferwagen mit Düsseldorfer Kennzeichen schnell davon gefahren. Geräusche aus der Wohnung des Opfers, die auf einen Kampf hindeuten, habe sie wegen Kinderlärms in der Umgebung nicht gehört.

Das Verfahren wird heute fortgesetzt. Insgesamt sind für den Prozess fast 50 Prozesstage terminiert, in denen dutzende Zeugen aussagen sollen. Die Leiche der Frau suchen die Ermittler bislang vergeblich.

Quelle: RP
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