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Solingen
Zu Besuch im Puppen-Museum

So sieht es im Puppen- und Bärenmuseum in Solingen aus
Solingen. In ihrem Museum arbeiten Hannelore Aulmann und Heide-Marie Lange als Puppendoktor und Künstlerin Hand in Hand. Von Laura Mertens

Zwischen Exemplaren von Kestner, Heubach, Schildkröt und Steiff wird die Geschichte der Puppen und Bären von 1880 bis in die 1960er Jahre erzählt. Im Erdgeschoss ihres Hauses stellt Heide-Marie Lange alte und selbst kreierte Exemplare aus. In liebevoll dekorierten Stuben sitzen die Puppen beieinander.

Seit 15 Jahren öffnen Heide-Marie Lange und Puppendoktor Hannelore Aulmann jeden ersten Mittwoch im Monat ihre Türen für Besucher. Dabei sehen diese nicht nur Puppen verschiedener Marken über ein Jahrhundert hinweg, sondern erfahren auch Einiges über die Geschichte der Spielzeuge. "Sie spiegeln in gewisser Weise die Gesellschaft von damals wieder. Das erkennt man schon an der unterschiedlichen Kleidung und Haltung", erklärt Aulmann.

# Heide-Marie Lange (Foto) führt zusammen mit Hannelore Aulmann das kleine Museum an der Rölscheider Straße. FOTO: Martin Kempner

Seit 20 Jahren repariert sie die Puppen von Besuchern. Mal sind es einfache Fälle, wo nur die Arme neu aufgezogen werden müssen. "Es ist am schwierigsten, wenn Teile zerbrochen sind oder fehlen. Manchmal können wir gar nicht mehr reparieren", sagt Aulmann. Ersatzteile bekommt der Puppendoktor bei der Firma Schildkröt oder im Internet. Schon als kleines Mädchen hat Aulmann sich für Technik und Handwerk interessiert. "Ich habe die Puppen lieber auseinander genommen, anstatt damit zu spielen", sagt die Mittsechzigerin und lacht.

Kennengelernt hat sie Heide-Marie Lange bei einem Modellierkurs. Sie ist für das Kreative zuständig. Seit etwa 30 Jahren stellt sie ihre Kreationen bei sich zuhause aus. "Ich wollte eine Puppe nach meinen Vorstellungen kreieren", erzählt Lange. Besonders die alten Puppen haben es ihr angetan. "Mich interessiert die Entwicklung der Mode im vorigen Jahrhundert". Im Modellieren konnte Lange all ihre Interessen vereinbaren: Töpfern, Nähen und Gestalten. Gerne setzt sie die Puppen in Szene - zum Beispiel als Indianer oder Clown. Das reine Modellieren kann dabei von zwei Tagen bis zu zwei Wochen dauern. "Ich mache das nach Gefühl."

FOTO: Kempner Martin

Neben dem Modellieren liegt der Fokus aber auch auf dem Nähen und Ausstatten. "Heide-Marie Lange macht die weichen Sachen und ich die harten", erklärt Aulmann schmunzelnd. 360 Puppen und 120 Bären beherbergen die beiden Frauen. Die älteste Puppe stammt aus dem Jahr 1880. Das Reparieren und Modellieren stellt einen schönes Ausgleich zum Alltag der Rentnerinnen dar. "Die Beschäftigung füllt mich aus", sagt Lange und Aulmann ergänzt: "Manchmal artet es in richtige Arbeit aus".

Zum Arbeiten bedarf es allerhand an Materialien: Zangen, Modelliermasse, flüssiges Celluloid, Schmiergelpapier, von Hand gemischte Farben und Klebestoff - genug, um die kleinen Lieblinge wieder auf Vordermann zu bringen. Denn für viele Kunden hängt ein großes Stück Kindheit an den Puppen. Darum ist der Besuch für viele auch so besonders. "Es ist eine Reise zurück in die Kindheit. Sie erkennen Puppen wieder, mit denen sie früher selbst gespielt haben. Da kommen Erinnerungen hoch", sagt Aulmann.

Aber es steckt noch mehr dahinter. "Ich möchte Zeit- und Kunstgeschichte darstellen", erklärt Heide-Marie Lange. Die große Zeitspanne aus der die Exponate stammen und die verschiedenen Marken machen die Ausstellung so vielseitig. "Da ist für jeden etwas dabei", betont Aulmann.

Quelle: RP
 
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