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Solingen
Zwei Fußgänger starben 2015 bei Unfällen

Solingen. Die Gruppe der Senioren über 65 Jahren bereitet der Polizei Kopfzerbrechen. Die Zahl der Unfallfluchten steigt weiter an, wie die gestern von der Polizei vorgestellte Verkehrsunfallstatistik zeigt. Erfreulich: weniger verunglückte Kinder. Von Günter Tewes

Eigentlich gibt es bei den tödlichen Verkehrsunfällen keine Regelmäßigkeiten. Weder kann die mangelnde Erfahrung junger Fahranfänger noch das Wetter oder zu schnelles Fahren grundsätzlich als Unfallursache herhalten. Gleichwohl sticht eine besorgniserregende Charakteristik bei der gestern im Wuppertaler Polizeipräsidium vorgestellten Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr hervor: Alle sechs im bergischen Städtedreieck mit Solingen, Wuppertal und Remscheid bei Unfällen Getöteten waren Fußgänger - und alle waren Senioren im Alter von über 65 Jahren. In Solingen starben zwei Fußgänger, 2014 war ein Mensch bei einem Verkehrsunfall getötet worden.

Sechs getötete Verkehrsteilnehmer seien immer noch sechs zu viel - 2014 habe es neun Todesopfer gegeben, bilanzierte Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher und ergänzte: "Senioren bereiten uns Kopfzerbrechen." Sie appellierte insbesondere an Fußgänger, helle Kleidung zu tragen, einen Schirm mit Reflektor in der Hand zu halten und möglichst bei Fußgängerüberwegen die Fahrbahn zu überqueren.

"Wir haben nach wie vor mehr Verkehrsunfall-Tote als Menschen, die durch Verbrechen zu Tode kommen." Die Polizeipräsidentin sieht denn auch die Aufgabe, die Straßen noch sicherer zu machen. Beispielsweise durch Präventionsmaßnahmen. Hier zeigen die jetzt im fünften Jahr durchgeführten Crash-Kurse an Schulen, bei denen Jugendliche mit drastischen Bildern auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden, offensichtlich positive Auswirkungen. Nach den Worten von Stefan Kronenberg, Leiter der Polizeidirektion Verkehr im Städtedreieck, ist bei den Unfallzahlen junger Fahrer ein "markanter Rückgang" bemerkbar.

Wie Kronenberg angesichts der Jahresbilanz unterstrich, sind "Fußgänger die Hochrisikogruppe". Die Kreispolizeibehörde Wuppertal nimmt bei den Fußgängerunfällen nur den 44. Platz von 47 vergleichbaren Landesbehörden ein. 2015 verunglückten 99 Fußgänger auf Solinger Straßen, vier mehr als im Vorjahr. Erfreulich ist indes, dass die Straßen für Kinder sicherer geworden sind. Die Zahl der verunglückten Mädchen und Jungen hat einen Allzeit-Tiefstwert erreicht. So verletzten sich in Solingen 58 Kinder, neun weniger als noch im Vorjahr.

Rasen im Straßenverkehr ist aber ein Problem. "Geschwindigkeit ist Killer Nummer eins", unterstrichen Polizeipräsidentin Radermacher und Kronenberg mit Blick auf die Konsequenzen bei Unfällen und angesichts von insgesamt 54.000 Geschwindigkeitsverstößen - eine Steigerung um mehr als zehn Prozent. Rekordhalter im negativen Sinne war in der Klingenstadt ein Fahrer, der im Oktober 2015 auf der Viehbachtalstraße mit 214 Stundenkilometern von der Polizei geblitzt wurde. Und innerorts raste nachts im Januar vergangenen Jahres jemand mit Tempo 120 über die Konrad-Adenauer-Straße.

Besorgniserregend entwickeln sich die Unfallfluchten in NRW und auch im Bergischen. "Die Zahlen sind stark gestiegen", so Kronenberg. Für ihn zeigt dies auch, aber nicht nur, eine sinkende Moral im Straßenverkehr. 1296 Mal entfernten sich 2015 in Solingen Verkehrsteilnehmer vom Ort des Geschehens, in 40 Fällen sogar bei Unfällen mit Verletzten. Kommen Personen zu Schaden, können drei von vier Verursachern von der Polizei ermittelt werden. Ansonsten konnten mit rund 40 Prozent weniger als die Hälfte der Unfallfluchten ermittelt werden.

Quelle: RP
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