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Solingen
Zwischen Kirche und Kirmeskarussell

Solingen. "Klein, aber fein": Unter diesem Motto spielte Roland Winkler beim Solinger Orgelpunkt.

Das Beste kommt zum Schluss. So lautet nicht nur ein Filmtitel, das wusste auch schon Beethoven, wenn er das Wesentliche eines Werkes in den letzten Takten auf den Punkt bringt. Und es gilt auch für Konzerte. Nachdem sich die Musiker an den großen Werken abgearbeitet haben, kann unbeschwert aufgespielt werden: Mal virtuos, mal populär, mal kurios und immer publikumswirksam kommt die Zugabe daher. So dachte sich Roland Winkler, dass man doch auch einmal direkt zu Schluss kommen könne. "Klein, aber fein!", lautete der Titel des Konzerts in der Reihe "Solinger Orgelpunkte" im Konzertsaal. Von Händel bis in die Moderne gab es Zugabenstücke.

"Normalerweise organisiere ich diese Konzertreihe und lade Gastorganisten ein. Heute spiele ich selber: Schön, dass sie trotzdem gekommen sind", sagt Winkler, der informativ durch das Programm des gut besuchten Abends führte. Und so bunt wie die Orgelpfeifen angestrahlt wurden, waren auch die Werke. Besonders eindrucksvoll konnte Winkler die vielfältigen Möglichkeiten der großen Klais-Orgel demonstrieren: vom Barock über die Romantik bis in die Gegenwart.

Ein Ohrwurm alleine ist schon Händels "Einzug der Königin von Saba". Über typischen Pedalwiederholungen perlt das Thema dahin. Fein akzentuiert wird die Fuge g-Moll BWV 578 gestaltet mit ihrem eingängigen und doch markanten Thema. Zum sanften Zwiegespräch auf zwei Manualen und einer dezenten Pedalbegleitung wird Mendelsohns Trio F-Dur, bevor Winkler dann kraftvoll zugreifen kann: Mendelssohns sehr britisches Allegro maestoso C-Dur. Dann führt die Reise ins Frankreich des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit wenig bekannten Komponisten. Im federnden Lauf und mit dramatischer Steigerung kommt die Toccata d-Moll von Albert Renaud daher. Kontrastreich setzt Winkler die impressionistisch angehauchten "Elfen" von Joseph Bonnet dagegen. Lieblingskomponist des Organisten ist Alexandre Guilmant. "Er versteht es, pfiffige Ideen in seine Stücke einzubauen." Das wird praktisch vorgeführt mit dessen Caprice B-Dur, eine Klangpracht irgendwo zwischen Kirche und Kirmeskarussell. Jazzige Klänge entlockt Winkler der Orgel mit "Toccata in seven" von John Rutte. In eine ganz andere Welt führt der putzige "A song of sunshine" von Alfred Hollins: pittoresk und verspielt und immer hart an der Grenze zum Kitsch.

Nochmal alle Möglichkeiten ausschöpfend, stellt Roland Winkler "Fanfare, Cantabile und Finale" des belgischen Komponisten Jacques-Nicolas Lemmes ans Ende. Das Konzert zeigt, dass die 2008 von Winkler kuratierte Konzertreihe ein begeistertes Publikum findet.

(crm)
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