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Tönisvorst
29 Schinken bekamen die Höchstnote

Tönisvorst: 29 Schinken bekamen die Höchstnote
Ein angenehmer Termin für die Jury, sie konnte Schinken nach Lust und Laune probieren. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Tönisvorst. Zur Schinkenprüfung hatte die Fleischerinnung des Kreises Viersen eingeladen. Die Produkte wurden nach verschiedenen Kriterien benotet. 45 Schinken standen zur Verkostung, der Sieger kam aus Kempen Von Willi Schöfer

"Das ist immer ein sehr schöner Termin", sagte schmunzelnd die FDP-Politikerin Irene Wistuba. Sie ließ sich gerade die Scheibe eines zarten gekochten Schinkens schmecken und war so eine Art Probandin. Nebenwirkungen blieben allerdings aus. Denn Wistuba nahm in einer Jury gerade an einer öffentlichen Schinkenprüfung teil, zu der einmal mehr die Fleischer-Innung des Kreises Viersen eingeladen hatte. "Hm, lecker...", das war an den Tischen des Restaurants "Tafelsilber" in Vorst oft zu hören.

Auch der frühere Bundestagsabgeordnete Walter Schöler ließ es sich schmecken. Ihm brachte gerade ein Jurymitglied einen Kochschinken mit einem Pesto- und Parmesanrand. Schöler saß in der Jury gemeinsam mit dem Leiter des Kreis-Veterinäramtes, Dr. Helmut Theißen, und mit dem Ehren-Obermeister Jürgen Heck (Willich). Sie schauten sich erst einmal den äußeren Zustand des Schinkens an: die Rauchfarbe war gleich, nicht schmierig, nicht zu dunkel, nicht zu hell, nicht zu fest oder zu feucht. "Der Schinken darf nicht zu nass sein, er muss eine Träne weinen, aber nicht gleich heulen...", kommentierte dazu lächelnd Obermeister Jakob Kohnen (60), der seine Metzgerei in Vorst vor 38 Jahren aufgebaut hatte.

Kohnen war sehr zufrieden. Denn 13 Betriebe hatten ins Vorster "Tafelsilber" insgesamt 45 Produkte gebracht, darunter Schinkenspeck, Roh- und Kochschinken. Im vergangen Jahr waren es nur 27 Produkte gewesen. Die Metzger kamen von überall, unter anderem aus Kall (Eifel), aus Aachen und Neuss. Zum ersten Mal machte der Vorster Markus Helbig (45) mit, der auch regelmäßig mit seinen Waren auf dem St. Töniser Wochenmarkt steht. Aus Oedt hatte Simon Heiss (27) aus der Fleischerei seines Vaters Ernst den gekochten Schinken, den Schwarzwälder Schinken und den luftgetrockneten Uda-Schinken mitgebracht. Aus Kempen waren Klaus Gerlach und Michael Fander dabei.

Die Jury wusste nicht, wer den jeweiligen Schinken hergestellt hatte. Die Wurstwaren waren anonymisiert, trugen Nummern, denen man hinterher nach der Punktevergabe die Verarbeiter zuordnen konnte. Maximal 50 Punkte konnten vergeben werden. Mängel, wie zu starke Rauchentwicklung, fischiger Geschmack, nicht abgestimmte Würzung waren äußerst selten. 29 der 45 Produkte bekamen dann auch die Höchstnote.

Und unter den 29 wurde dann noch einmal der Beste ermitteln. Mit seinem Kochschinken war dies Klaus Gerlach, der seine Fleischerei auf dem Concordienplatz in Kempen hat und schon zahlreiche Auszeichnungen für seine Waren erhalten hatte. Wie übrigens auch Jakob Kohnen: Diesmal nahm er mit drei Produkten am Wettbewerb teil und dreimal gab es die Höchstbewertung. Es fehlte eigentlich nur noch der Spargel dazu. Da muss man sich noch wenige Wochen gedulden. Die Jurymitglieder, darunter waren Obermeister aus anderen Innungen, Vertreter vom Fleischerverband NRW und von der Freiwilligen Selbstkontrolle, waren nicht ganz unter sich. Denn auch Gäste im "Tafelsilber" konnten anschließend mit dem Chef des Hauses, David Lünger, probieren. 18 machten mit. Auch sie vergaben Noten, ermittelte so einen Sieger. Den "Publikumspreis" holte sich die Mönchengladbacher Metzgerei Baumann. Die Besten erhalten noch bei einer gesonderten Veranstaltung ihre Urkunden und Pokale: am Mittwoch, 6. April, ab 19.30 Uhr, wieder im "Tafelsilber". Jedenfalls hat die Fleischer-Innung mit den angeschlossen Metzgermeistern damit wieder eine gute Werbung für ihre Produkte gemacht.

Wäre das doch nur bei den jungen Leuten, die einen Ausbildungsplatz im Fleischereihandwerk suchen, genauso. Jakob Kohnen kann von der "guten alten Zeit" leider nur noch träumen. Er macht den Nachwuchsmangel an der rapide gesunkenen Zahl der Metzgereien deutlich: "Hatten wir vor etwa 30 Jahren noch 80 Betriebe in der Innung des Kreises Viersen, sind es jetzt nur noch 34."

Quelle: RP
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