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Tönisvorst
90. Geburtstag mit Überraschungsgästen

Tönisvorst. Das Geschenk, ein bequemer Fernsehsessel mit einer großen Schleife, hat ihr kleiner Hund, ein Pinscher-Mischling, direkt in Beschlag genommen. Gestern konnte Ruth Hänsel ihren 90. Geburtstag feiern. Und Familie, Freunde, Nachbarn und ehemalige Mieter vom Nebenhaus waren gekommen, um der 90-Jährigen zu gratulieren. 1958 war Ruth Hänsel mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach St. Tönis gekommen, um dort auf einem großen Grundstück zu bauen - wie andere etliche Vertriebene in der Nachbarschaft auch. Heute ist das Ursprungshaus vermietet, im neuen Haus wohnt sie mit Tochter und Schwiegersohn Tür an Tür. Von Heribert Brinkmann

Geboren ist Ruth Hänsel in Altraden in der Provinz Posen. Dort lebten sie auf einem Hof. 1951 wurde die deutsche Familie von den Polen ausgewiesen. So kamen sie an den Niederrhein. Acht Jahre lebten sie zur Miete in Pfalzdorf, heute ein Stadtteil von Goch. Ihr Mann, ein gelernter Stellmacher in der Landwirtschaft, suchte einen Arbeitsplatz in der Industrie. Und so entschied sich die Familie, nach St. Tönis zu ziehen, um dort zu bauen. Nachdem ihr Mann relativ früh verstarb, arbeitete sie zuerst in einer Gärtnerei und in einer Baumschule, später als Näherin in der Gardinenabteilung von "Massa" (heute "Real") in St. Tönis. Das Nähen ist neben dem Garten ihre große Leidenschaft geworden. Wenn man den tollen Garten lobt, lächelt sie leicht. Sie macht nicht viel Aufhebens um ihre Person. Und so sagt eben die Tochter: "Meine Mutter ist top fit." Im Schwimmbad H2Oh, das ganz in der Nachbarschaft liegt, macht sie regelmäßig Wassergymnastik (ihre Trainerin kam auch mit einem Geschenk zum Gratulieren vorbei), und in den Garten geht sie jeden Tag auch für ein Stündchen. Die schwereren Arbeiten nehmen ihr aber Schwiegersohn und Enkel ab. Bis heute werden auf dem großen Gartengrundstück Kartoffeln, Möhren und Erdbeeren angebaut. "Wer rastet, der rostet", ist ihre Lebensphilosophie, und wenn man sie sieht, sieht man, dass sie das ganz beherzigt hat. "Jede Arbeit", fügt sie noch hinzu, "kann viel Spaß und Freude bereiten." Man müsse eben auch die guten Seiten daran sehen. Und so erzählt sie auch ganz unbekümmert, dass der Garten fertig geharkt und gefegt war, als dann der starke Regen mit Hagel kam. Gestern sah man davon nichts mehr.

Quelle: RP
 
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