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Tönisvorst
Adam und Eva probieren das Leben aus

Tönisvorst: Adam und Eva probieren das Leben aus
"Apfel - nein danke! Oder wie Adam und Eva die Drogen fanden": Lara Christine Schmidt (Eva) und Carlo Sohn (Adam) in der Aufführung der Burghofbühne Dinslaken des Jugendstückes von Stefan Ey. FOTO: BURGHOFBÜHNE DINSLAKEN
Tönisvorst. "Apfel - nein danke!" heißt das Stück, mit dem die Burghofbühne Dinslaken auf Einladung des Stadtkulturbundes im Corneliusforum gastierte. Etwa 220 Schüler der Tönisvorster Realschule Leonardo da Vinci sahen die Aufführung. Von Stephanie Wickerath

Wahre Gefühle, das echte Leben, ein Leben mit Schmerz und Angst, aber auch mit Liebe und Glück - das ist es, was Adam und Eva wollen. Im Paradies werden sie nicht fündig. Aber das bequeme Leben wollen sie auch nicht aufgeben. Zuerst ist ihr Alltag auch noch ganz rosig und romantisch, aber schnell wird die Idylle langweilig, zumal es nichts zu tun gibt. "Apfel - nein danke!" heißt das Stück aus der Feder von Stefan Ey, das gestern die neunten und zehnten Klassen der Tönisvorster Realschule Leonardo da Vinci im Corneliusforum sahen.

Das Stück beginnt fast kitschig. Eine überdimensionale Bibel wird aufgeschlagen, das Bild eines Paradieses mit wilder Vegetation, exotischen Blumen und einem Wasserfall ist zu sehen. Adam, gespielt von Carlo Sohn, und Eva, dargestellt von Lara Christine Schmidt, liegen entspannt in Wohlfühlkleidung auf einem Plüschsofa. Sie sind sehr verliebt und sehr glücklich. Wenn sie etwas brauchen, sagen sie es der göttlichen Bestellbox, die das Gewünschte umgehend liefert. Von dem Apfel, durch dessen Verzehr sich das wahre Leben offenbaren würde, in dem sie für die Waren aus der göttlichen Bestellbox arbeiten müssten, wollen sie nichts wissen. Also schickt Gott die Schlange, sehr gut gespielt von Christoph Bahr. Sie soll den beiden den "Biss in den sauren Apfel" schmackhaft machen. "Das wahre Leben, neue Möglichkeiten, das klingt spannend", findet Eva. Aber Adam meint: "Wir haben doch alles, was wir brauchen." Als die göttliche Bestellbox Prosecco und Bier liefert, wird es lustig im Paradies - bis zum verkaterten Erwachen am nächsten Morgen.

Auch ein Fernsehgerät, Glückspillen, Joints und schließlich sogar Kokain bringen nur sehr kurzfristig so etwas wie Befriedigung. Statt der gewünschten großen Gefühle werden Adam und Eva aggressiv und gewalttätig. Ihre Wohlfühlkleidung haben sie längst abgelegt, auch das Bild in der überdimensionalen Bibel ist nicht mehr paradiesisch. Ob die beiden schließlich das Angebot der Schlange annehmen und in den Apfel beißen, bleibt offen. "Ich habe Angst davor", sind Evas letzte Worte.

Die Schüler spenden zunächst verhaltenen Applaus. Das mag daran liegen, dass der Autor zwei Sachen vermischt hat. Einerseits geht es um die Frage, ob der Mensch glücklich sein kann, wenn er zwar im Paradies lebt, aber keine Aufgabe hat, keine Anerkennung bekommt, sich nichts erkämpfen muss. Auf der anderen Seite geht es um Gefühle wie Liebe und Leid, Freude und Angst, und die Aussage, dass Drogen diese wahren, tiefen Gefühle nicht vermitteln können.

In der anschließenden Diskussion mit der Regisseurin Anna Scherer wird aber deutlich, dass das jugendliche Publikum die beiden Botschaften verstanden hat und dass das Stück bei dem ein oder anderen das Interesse an Theateraufführungen geweckt hat. Das zeigt auch der große Applaus, der schließlich doch noch kommt. Der Stadtkulturbund, der die Aufführung ermöglicht hat, hat damit ein wichtiges Ziel erreicht: Junge Menschen ans Theater heranzuführen und für die Schauspielkunst zu begeistern.

Quelle: RP
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