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Flüchtlinge in Tönisvorst
"Alles ist besser als die Lage in der Turnhalle"

Flüchtlinge in Tönisvorst: "Alles ist besser als die Lage in der Turnhalle"
Bürgermeister Thomas Goßen (am Podium, stehend), die Fachbereichsleiter Marcus Beyer und Wolfgang Schouten stellten sich in der Aula am Kirchenfeld den Fragen von Tönisvorster Bürgern zur Unterbringung von Flüchtlingen. FOTO: HÜSKES
Tönisvorst. Etwa 140 Menschen kamen zur Bürgerinformation "Flüchtlinge in Tönisvorst", darunter 30 Anwohner der Industriestraße. Von Stephanie Wickerath

Dominik Stilz und Ziad El Ali wissen, wovon sie reden. Die beiden Ehrenamtler gehören zum Runden Tisch Flüchtlingshilfe, der die 28 Menschen betreut, die seit fünf Wochen in einer Turnhalle an der Geldener Straße in St. Tönis hausen. Sechs von ihnen haben sie zur Bürgerinformation mitgebracht. "In der Turnhalle gibt es keine Privatsphäre, die Leute leben auf engstem Raum zusammen, mit all ihren Ängsten und Traumata. Sie freuen sich sehr auf die neue Unterkunft", sagt der 20-jährige Abiturient Ziad El Ali, dessen Eltern einst selber als Flüchtlinge nach Tönisvorst kamen. "Alles ist besser als die Turnhalle", findet auch Dominik Stilz. Zuvor hatten etwa 30 Anwohner der Industriestraße, wo in der ehemaligen Daihatsu-Zentrale eine Unterkunft für 130 bis maximal 180 Flüchtlinge entstehen soll, viele Argumente ins Feld geführt, die gegen diese Unterkunft sprechen. Der Stahlbau aus den 70ern sei als Wohnraum ungeeignet, der Boden kontaminiert, keine Kälte- oder Wärmedämmung vorhanden. Auch wiesen Organisationen wie DRK und Pro Asyl immer wieder darauf hin, dass solche Massenunterkünfte Konfliktpotenzial bergen und die Integration erschweren.

Bürgermeister Thomas Goßen und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Schouten geben zu, sie seien auch nicht glücklich mit einer Unterkunft in dieser Größenordnung, aber: "Wir haben wirklich lange danach gesucht, wir haben keine andere Möglichkeit gefunden." Alle Wohnungen und Häuser, die der Stadt gehören oder die die Stadt mieten konnte, seien bereits mit Flüchtlingen belegt. Der Daihatsu-Bau, in dessen ehemaligen Büroräumen Ein- bis Zweiraumzimmer entstehen sollen, könne in sechs bis acht Wochen genutzt werden und sei bezahlbar. Neubauten hingegen, die jetzt in Auftrag gegeben würden, stünden erst in zwei Jahren zur Verfügung und seien nicht finanzierbar. Der Bau an der Industriestraße habe darüber hinaus den Vorteil, dass dort neben den Zimmern auch Küchen, Aufenthaltsräume, Gebetsräume und Schulungsräume eingerichtet werden könnten.

Wenn der Rat in seiner Sitzung am nächsten Donnerstag dem Verwaltungsvorschlag, die Daihatsu-Zentrale zu mieten, folgt, sollen zunächst die 28 Flüchtlinge, die in der St. Töniser Turnhalle untergebracht sind, und die 23 Flüchtlinge, die in Vorst in alten Containern leben, einziehen. Auch die Flüchtlinge, die noch kommen - die Stadt rechnet mit mehr als 100 weiteren in diesem Jahr - sollen dort einquartiert werden. Darüber hinaus ist die Verwaltung weiterhin auf der Suche nach Wohnraum. Koordiniert wird die Anmietung von Jessica Doehrn (Telefon: 02156-999-422).

Eine Frage allerdings treibt alle Zuhörer der Bürgerinformation gleichermaßen um: Wer kümmert sich um die Menschen, die in der Sammelunterkunft leben werden? Obwohl Ordnungsamtsleiter Schouten betont, "ohne Betreuungskonzept geht es nicht", bleibt der Bürgermeister auch auf mehrfache Nachfrage die Antwort, wie viele Mitarbeiter die Stadt zur Betreuung der Flüchtlinge einstellen wird, schuldig. "Wir werden dafür sorgen, dass regelmäßig Ansprechpartner da sind", ist alles, was Goßen dazu sagt. Die Ehrenamtler des Runden Tischs Flüchtlingshilfe Tönisvorst, die die Menschen in der Turnhalle betreuen, rufen dazu auf, sich zu engagieren. "Stärken Sie unser Ehrenamt, so vermeiden Sie am ehesten Konflikte und tragen dazu bei, dass es den Flüchtlingen in Tönisvorst gut geht", appelliert Koordinator Peter Hohlweger an die Bürger.

Quelle: RP
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