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Tönisvorst
Anwohner des Daihatsu-Baus in großer Sorge

Tönisvorst. Gut besucht war der Wirtschaftsausschuss. Die "Asylunterkünfte" interessierten die rund 30 Zuhörer, denn die Unterkunft für 130 Flüchtlinge steht vor ihrer Haustüre. Informiert wurden sie vorher nicht. Von Stephanie Wickerath

Nein, es sei keine Angst und es sei auch kein Fremdenhass, der sie umtreibe, stellt eine Frau klar. "Wir haben Erfahrungswerte. Wir wissen, was da auf uns und vor allem auf die Flüchtlinge zukommt." Die Frau wohnt an der Industriestraße in St. Tönis. Gemeinsam mit rund 30 Nachbarn, Anwohnern und Gewerbetreibenden war sie am Mittwochabend in den Ausschuss für Wirtschaft und Liegenschaften gekommen. Zuvor hatte Marcus Beyer, Fachbereichsleiter Immobilien, den Politikern mitgeteilt, dass der Eigentümer der seit 2013 leerstehenden Daihatsu-Zentrale an der Industriestraße das Bürogebäude als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen würde.

"Der Eigentümer baut den Komplex um, Sanitäranlagen werden installiert, Zwischenwände gezogen, Aufenthaltsräume geschaffen", erläuterte Beyer. 130 bis maximal 180 Menschen könnten in dem 17 000 Quadratmeter großen Komplex untergebracht werden. "Wir brauchen dringend Unterkünfte für weitere Flüchtlinge. Der Daihatsu-Bau ist die schnellst verfügbare und wirtschaftlich günstigste Lösung", sagte Beyer. Wie viel Geld die Stadt für die Anmietung der Unterkunft bezahlt, wurde nicht öffentlich thematisiert. Laut Verwaltung sei die Miete aber auf lange Sicht günstiger, als eine Containerlösung oder gar der Bau einer Unterkunft in dieser Größenordnung, der mit Gesamtkosten von vier Millionen Euro und zwei Jahren Bauzeit beziffert wurde.

Die Anwohner der Industriestraße sehen eine Wiederholung der Vorkommnisse aus den 1990er-Jahren auf sich zukommen. "Ganz in der Nähe, auf dem heutigen DRK-Gelände, standen neun Jahre lang Wohncontainer, in denen Asylbewerber untergebracht waren", erzählt die Anwohnerin. Die Menschen hätten dort unter unsäglichen Bedingungen gehaust, es habe keine Betreuung vonseiten der Stadt gegeben, der Lärm und die sexuelle Belästigung von Mädchen und Frauen sei enorm gewesen. Auch habe es Prostitution auf offener Straße und mafiaähnliche Strukturen gegeben. Darüber hinaus halte sie es für menschenunwürdig, so viele Flüchtlinge auf einem Fleck unterzubringen. "Alle Erfahrungen zeigen, dass es für die Integration wesentlich besser ist, Flüchtlinge dezentral unterzubringen", sagt die Bürgerin. Eine solche Ansammlung von Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, Kulturen und mit verschiedenen Religionen bürge ein enormes Konfliktpotenzial. "Uns tun die Flüchtlinge leid", sagen die Anwohner. Die Stadt habe zu wenig Personal für die Betreuung der Menschen.

Außerdem sei das Gebäude mit seinen Stahlwänden völlig ungeeignet als Wohnhaus. "Das ist im Sommer ein Backofen und im Winter ein Kühlschrank", sagt ein Handwerker, der das Haus von Arbeiten aus der Vergangenheit kennt. Die Fenster ließen sich teilweise nicht öffnen, der Keller sei mehrfach überschwemmt gewesen. Ob die Stadt die Daihatsu-Zentrale anmietet, muss der Rat in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 18. Juni, entscheiden. Für heute, 19 Uhr, ist eine Bürgerinformation zum Thema in der Aula der Schule Kirchenfeld, Corneliusstraße 152, vorgesehen.

Quelle: RP
 
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