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Tönisvorst
Anwohner wehren sich gegen Pläne

Tönisvorst: Anwohner wehren sich gegen Pläne
Dort, wo sich jetzt Gärten und Garagen befinden, sollen Möglichkeiten geschaffen werden, Häuser zu bauen. Einer der Grundstücksbesitzer ist Bauunternehmer. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. In der St. Töniser Innenstadt, zwischen Kirchstraße und Pastorswall, sollen neue bebaubare Flächen ausgewiesen werden. Anwohner und Grundstücksbesitzer haben dagegen einen Bürgerantrag gestellt. Von Willi Schöfer

"Ich habe den Eindruck, hier gehen Interessen von möglichen Investoren über Anwohner-Interessen", sagt Bernhard Kohnen. Der 47-jährige Maschinenbauingenieur wohnt mit seiner Familie an der Kirchstraße 2 in St. Tönis, kann es wie andere Anwohner nicht fassen: Ihre hinteren Gartengrundstücke sollen mit mehrgeschossigen Häusern überplant werden. Gerade haben 23 direkte Anwohner, darunter Eigentümer, Pächter und Mieter, ihren "Hilferuf" abgeschickt: einen Bürgerantrag, der das Ziel hat, die Grundstücke so zu belassen, wie sie sind.

Was die Anwohner der Kirchstraße, eines Teils des Kirchplatzes und des Pastorswalls vor allem stutzig macht: Erst kurz vor Weihnachten hatte die Verwaltung im Planungsausschuss ihre Absicht vorgestellt, den Innenstadtbereich dort zwischen Kirchstraße und Pastorswall durch die Schaffung zusätzlicher Bebauungsmöglichkeiten aufzuwerten. Es geht um sechs größere Grundstücke, die im Besitz von fünf Grundeigentümern sind. Trotz Bedenken von SPD und UWT gab es im Planungsausschuss eine erste Mehrheit für diese zusätzlichen Baufenster. Es blieben aber viele Fragen inklusive des Verkehrskonzeptes offen. Und darüber soll bereits der Bauausschuss am 27. Januar weiter beraten. Warum jetzt diese Eile? Dies fragen sich viele Anwohner.

Gerade noch rechtzeitig haben die Anwohner den Bürgerantrag abgegeben, damit dieser in der Bauausschusssitzung am 27. Januar (Beginn 18 Uhr, Ratssaal St. Tönis) mit zur Sprache kommen kann. Die meisten Anwohner lehnen die zusätzliche Bebauungsmöglichkeit ab, weil dann für sie Wohnqualität verloren gehe, ferner mit mehr Autoverkehr und Lärmbelästigung zu rechnen sei und sie außerdem befürchten, dass dafür der hintere Erschließungsweg am Pastorswall, der jetzt von vielen Kindern als ein sicherer Weg zur Schule und zur Freizeitanlage benutzt werde, ausgebaut werden muss.

Natürlich werden beim Wegeausbau eine Kostenbeteiligung und womöglich unvorhersehbare Ereignisse befürchtet, dazu Bernhard Kohnen: "Wir wohnen hier direkt angrenzend an eine frühere Wallbefestigung auf einem sogenannten Bodendenkmal. Stellen Sie sich nur mal vor, bei den Bauarbeiten werden historische Funde freigelegt und daraufhin umfangreiche archäologische Untersuchungen notwendig - die Beeinträchtigungen und die Kosten würden enorm ansteigen."

"Das geht gar nicht, dass ich dann aus dem Wohnzimmerfenster direkt auf ein Haus gucke", sagt Inge Jennen. Die 66-Jährige wohnt seit ihrer Kindheit an der Kirchstraße 12, liebt ihren Garten. Genau wie fast nebenan die Kohnens mit den beiden Kindern. Auf ihrem urwüchsigen hinteren Gartengrundstück stehen unter anderem viele alte Obst- und Nussbäume.

Was die Anwohner außerdem verärgert: dass sie nicht vorher von der Verwaltung gefragt wurden. Wohl im Gegensatz zu einem anderen Eigentümer, der dort zwei größere Parzellen hat und an der Kölner Straße in Krefeld eine Bauunternehmung beziehungsweise eine Projektentwicklungs-GmbH leitet. Gemeint ist Heinz Hambloch, der gestern auf Nachfrage der RP zugab: "Ich habe der Verwaltung gesagt, dass ich nicht grundsätzlich gegen eine zusätzliche Bebauung bin." Hambloch könne sich sehr wohl vorstellen, die freien Ressourcen zu nutzen, damit künftig mehr Menschen direkt in der Innenstadt und nicht auf der grünen Wiese wohnen. Konkrete Pläne gebe es von ihm aber noch nicht.

Jedenfalls machen die Anwohner auch bei der Bauausschusssitzung am 27. Januar mobil. "Wir müssen dies auf jeden Fall verhindern", sagt abschließend der St. Töniser Bernhard Kohnen.

Quelle: RP
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