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Tönisvorst
Archäologen graben am Pastorswall

Tönisvorst: Archäologen graben am Pastorswall
Das Haus an der Hochstraße 2 ist fast 200 Jahre alt und steht seit langem leer. Bereits Ende Mai sollte mit dem Abriss begonnen werden. Das Haus soll vorerst nur bis auf Straßenniveau abgebaut werden, der Keller bleibt erhalten. FOTO: WICKERATH
Tönisvorst. Das Neubauvorhaben an der Hochstraße 2 in St. Tönis verzögert sich. Die Denkmalbehörde vermutet historische Zeugnisse unter dem fast 200 Jahre alten Haus, das an den Pastorswall, der ehemaligen Stadtbefestigung, angrenzt. Von Stephanie Wickerath

Das war eine unangenehme Überraschung für die Politiker im Planungsausschuss. Seit vier Jahren steht es leer, das Haus an der Hochstraße 2, in dem früher das Geschäft "Pohl-Moden" beheimatet war und nun, da Abriss und Neubau starten sollten, schaltet sich die Denkmalbehörde ein. "Wer hat da geklingelt?", fragt Hans-Joachim Kremser, Ausschussvorsitzender. "Warum kommen die jetzt auf die Idee, archäologische Untersuchungen zu starten?" Es sei an der Zeit, das Bauvorhaben endlich umzusetzen, sind sich die Politiker aller Couleur einig.

Tatsächlich handelt es sich bei dem schönen, fast 200 Jahre alten Stadthaus um das Eingangstor in den Ort. Der lange Leerstand aber hat dem Haus nicht gutgetan. Ende Mai sollte es eigentlich losgehen mit dem Abriss und dem Neubau eines Hauses, das im Erdgeschoss wieder ein Ladenlokal bekommen soll und in den drei Etagen darüber Mietwohnungen. Abriss und Neubau hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert, weil ein Nachbar Klage gegen den Bau, wie er ursprünglich geplant war, eingereicht hatte. Abstandsflächen waren nicht eingehalten, die Verschattung einer Dachterrasse bemängelt worden.

Seit Dezember aber liegt die Baugenehmigung für den neuen Entwurf vor. "Vermutlich wird das Gebäude jetzt aber zunächst nur bis auf Straßenniveau entfernt", sagt Marcus Beyer von der Stadtverwaltung im Planungsausschuss. Dann könnten die archäologischen Untersuchungen beginnen. "So soll verhindert werden, dass Zeugnisse der Vergangenheit beim Abriss zerstört werden", sagt der Fachmann. Tatsächlich steht das Haus an historisch bedeutsamer Stelle. Auf der Ecke befand sich ein Stadttor und am Pastorswall, an den das Grundstück in der Längsseite angrenzt, befanden sich der äußere Graben und eine Wallanlage, die den Ortskern vor Eindringlingen schützen sollte.

Betroffen von der Aufmerksamkeit, die die Denkmalbehörde dem Pastorswall derzeit schenkt, ist auch ein zweites Bauvorhaben an der Ecke Pastorswall/ Dechant-Giesenfeld-Gasse. Dort will der Eigentümer ebenfalls neu bauen. Aber auch hier werde der Boden vermutlich zunächst archäologisch untersucht werden müssen, sagt Marcus Beyer auf Nachfrage.

Architekt Joerg Thorissen, vom Bauherrn mit der Planung des Hauses Hochstraße 2 betraut, bleibt gelassen: "Wir haben die Auflage, beim Aushub darauf zu achten, ob ein Bodendenkmal vorhanden ist." Die Denkmalschutzbehörde wolle sich außerdem den Keller des Hauses ansehen und werde dann vermutlich im hinteren Teil des Grundstücks, das nicht unterkellert ist, einen Probeschacht ausheben. "Das wird dann dokumentiert und das war es", sagt der Architekt, der außerdem darüber informiert, dass erste Vorbereitungen für den Abriss bereits getroffen seien und nun die Innenraumarbeiten beginnen.

"Wir gehen davon aus, dass das neue Haus im Frühjahr 2017 bezugsfertig ist", sagt der Krefelder. Die größte Herausforderung aber sei nicht der Neubau, sondern der Abriss des Altbaus. "Das wird sehr knifflig, weil wir an der Stelle wenig Platz zur Verfügung haben." Rund 1,5 Millionen Euro will der Eigentümer investieren. Das neue Haus soll einen Meter schmaler sein, als der Altbau, so dass der Eingangsbereich in den Pastorswall breiter wird. "In der Höhe passen wir uns den Nachbarhäusern an", sagt Architekt Thorissen. So werde das dreigeschossige Haus mit einem Staffeldach versehen, das dem Neubau die Wuchtigkeit nehme. Das Grundstück, auf dem sich heute noch ein Innenhof und eine Garage befinden, werde komplett überbaut.

Quelle: RP
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