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Tönisvorst
Attraktiv und lebendig: Einkaufen in St. Tönis

Tönisvorst: Attraktiv und lebendig: Einkaufen in St. Tönis
Das ist St. Tönis am Donnerstagvormittag: Der Wochenmarkt an der Hochstraße und dem Rathausmarkt zieht die Menschen in die Innenstadt. An den anderen Wochentagen geht es in der Fußgängerzone beschaulicher zu. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Rundgang mit dem IHK-Experten Andree Haack sowie Stefan Robben und Andrea Hermes vom Werbering St. Tönis durch den Ortskern. Die Hochstraße profitiert vom Rewe-Markt, die Krefelder Straße hat zu wenig Frequenz. Von Heribert Brinkmann

Den Rewe-Markt mitten in der Stadt mit einem großen Parkplatz anzusiedeln, sei die beste Entscheidung der Stadt gewesen. IHK-Experte Andree Haack ist erstaunt, aber hocherfreut, wie stark an einem Donnerstagvormittag der Parkplatz, der Wochenmarkt und die Hochstraße frequentiert sind. Treffpunkt ist das Modegeschäft von Stefan Robben an der Hochstraße. Der Vorsitzende des Werberings und Vorstandsmitglied Andrea Hermes sind beide mit ihren Läden an der Hochstraße angesiedelt - und können eigentlich nicht über mangelnde Laufkundschaft klagen. Stefan Robben kritisiert allerdings, dass sich das Einkaufen in St. Tönis weitgehend auf die Hochstraße beschränke. Ihm fehlt ein direkter Rundlauf so wie in der Kempener Altstadt. Das neue Café Steeg hat einen neuen Durchgang zum Parkplatz Alter Graben geschaffen. Außerdem gibt es an zwei Stellen (Ravvivi und Osterath) ein Durchgang für Fußgänger.

Der Donnerstagvormittag ist der Höhepunkt der Woche. Dann ist die Innenstadt voller Menschen, der Markt floriert (im Gegenteil zu Vorst am Nachmittag). Aber Stefan Robben schränkt aus seiner langjährigen Erfahrung am Standort ein: "Die Frequenz hat generell abgenommen." Die Gründe seien vielfältig: Der Anteil der Online-Käufe nehme zu, die Jugendlichen seien bis 16 Uhr in der Schule, viele Mütter gingen arbeiten, der Durchschnitt der Bevölkerung werde älter.

Stefan Robben und Andrea Hermes mit Andree Haack, IHK (rechts). FOTO: Kaiser Wolfgang

Auch strukturell herrscht das Problem vor, dass die schönen alten Häuser oft zu wenig Fläche für den modernen Einzelhandel bieten. Dass aber auch große Lösungen möglich sind, zeigt das Kunststück, dass der dm-Markt vollbracht hat. Der Drogeriemarkt hat in einer 1a-Lage nicht nur genügend Platz gefunden, sondern auch zwei Eingänge geschaffen: von der Hochstraße und vom Alten Graben. Dass sich ein so großer Filialist, der zudem noch im Gewerbegebiet auf der grünen Wiese bei Real schon in St. Tönis vertreten war, entschieden hat, wieder in die Innenstadt zu gehen, wird vom Werbering einhellig als ein sehr positives Signal angesehen. Und ein Zehn-Jahres-Mietvertrag sei eine sehr gute Basis. Der Werbering ist auch froh, dass endlich das Modehaus Pohl am Anfang der Hochstraße abgerissen wird. Der jahrelange Leerstand nach dem Umzug von Mode Pohl war kein positives Signal an dieser exponierten Stelle. Schnell entstünden dann Pauschal-Urteile, halb St. Tönis stehe leer. Und wenn ein Laden wie Osterath aus Altersgründen schließt, scheint das noch Wasser auf die Mühlen der Kritiker, ist aber der normale Lauf der Dinge.

Ein attraktiver Zuzug auf der Hochstraße ist der Italiener La dolce Vita, der mit seinem Spezialitäten aus der Antoniusstraße wegzog. Auch der Apfel- und Erdbeerverkauf, den das Obstgut Tackheide im April 2014 eröffnet hat, zieht viele Kunden an. Mal sehen, was mit der Filiale der Deutschen Bank passiert, die im kommenden Jahr aufgegeben wird. Die Auslagen von Blumen Hermes sind immer eine Augenweide, und auch die Renovierung und Neuausrichtung von Haus Wirichs als italienisches Restaurant Ravvivi hat der Situation gut getan. Aber es war auch schon zu hören, dass es Nachbarn gibt, die sich über den Betrieb des Restaurant-Innenhofes beschweren.

Gianni Trentin aus Venedig bietet im italienischen Feinkostladen "La dolce Vita" Olivenöl, Wein, Grappa, Espresso sowie diverse Käse- und Wurstsorten an. FOTO: Kaiser Wolfgang

Man sollte auch nicht unterschätzen, dass die Volksbank Krefeld und noch mehr die Stadtbücherei Publikum anzieht. Ja auch das Standesamt mit den Hochzeitsgesellschaften sorgt für Leben in der Innenstadt. Selbst die Ballettschule im Durchgang bei Haus Wirichs sorgt für Belebung, wenn die Mütter der Ballerinen eine Stunde Wartezeit zum Einkaufen nutzen.

Beim Rundgang erscheint dann aber der Seulenhof doch als zu ruhig. Vorne zur Hochstraße sind mit Akzenta Design und Café Himmlisch attraktive Anlaufpunkte gegeben, das Café hat zwar auch hinten im Seulenhof Tische aufgestellt, die aber nicht so gefragt sind wie vorne die Außentische an der Hochstraße. Weiberkram ist auch ein positives Beispiel für besonderen, individuellen Einzelhandel außerhalb von Ketten, der Räumungsverkauf bei mocca-Schuhe ist in diesem Fall nichts Schlimmes, sondern steht für einen Sortimentswechsel. Der Laden bleibt also an dieser Stelle.

Für den IHK-Experten Haack ist die Bilanz des Rundgangs klar: Die Innenstadt von St. Tönis ist durchaus intakt, die Häuser und Geschäfte sind attraktiv und lebendig. Der Wochenmarkt funktioniert und nicht zu unterschätzen ist auch der große Parkplatz, der kostenfrei Parkplätze bietet. Die Regelung mit Parkscheibe solle weiter beibehalten werden. Die Stadt wäre schlecht beraten, wenn sie den Parkplatz bewirtschaften würde. Fast alle Geschäfte sind barrierefrei zu erreichen, viele Geschäfte sind inhabergeführt. Der Werbering hört's gern. Und es bezieht sich auf die Hochstraße. Die Krefelder Straße dagegen habe für Haack auf Dauer keine Chance. Weitere Verkaufsflächen würden dort in Zukunft verschwinden. Das Modehaus Peeren macht es vor. Es gibt den Standort Krefelder Straße auf und zieht in den Leerstand der Tönisvorster Buchhandlung, direkt neben Mode Robben. Beide Textilhändler fürchten nicht die Konkurrenz, sondern erhoffen sich durch die Konzentration eine Stärkung. Dagegen wird es für B-Lagen bald noch mehr Umnutzungen geben.

Quelle: RP
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