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Tönisvorst
Auch 25 Jahre danach gute Entscheidung

Tönisvorst: Auch 25 Jahre danach gute Entscheidung
In der Kassenhalle der St. Töniser Sparkassen-Filiale (von links): Lothar Birnbrich, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes, Horst Klausmann, Leiter Finanzcenter St. Tönis, und Michael Rotthoff vom Vorstandssekretariat. FOTO: W. KAISER
Tönisvorst. Vor 25 Jahren gab die Sparkasse Tönisvorst ihre Eigenständigkeit auf und verschmolz mit der Sparkasse Krefeld. Die heute Verantwortlichen ziehen eine gute Bilanz. Die Tönisvorster Sparkassenstiftung hat 3,8 Millionen ausgeschüttet, Von Heribert Brinkmann

Bei der Sparkassen-Fusion 1992 erklärte der damalige Tönisvorster Bürgermeister Dietrich Büttner zur Aufgabe der eigenständigen Sparkasse Tönisvorst: "Für Tönisvorst ist dies kein Verlust an Eigenständigkeit, sondern eher eine Stärkung." Heute ist die Übernahme der Tönisvorster Sparkasse durch den Zweckverband Krefeld Kreis Viersen 25 Jahre her. Zwar ist das vielleicht kein Grund zu feiern, aber eine Rückschau lohnt auf jeden Fall. Auch heute sagt Lothar Birnbrich, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Krefeld, die Tönisvorster Politik habe damals "weise und richtig gehandelt".

Heute ist die Filiale der Sparkasse an der Krefelder Straße die modernste im gesamten Filialnetz. Sie wurde 2015/2016 gründlich modernisiert. Die Krefelder zentrale sieht das als deutliches Bekenntnis zum Standort Tönisvorst. Im ersten Stock ist das Regionalcenter für den Gewerbekundenmarkt des gesamten Ostkreises (also Kempen, Tönisvorst und Willich) angesiedelt. Heute arbeiten am Standort Tönisvorst ungefähr genau so viele Mitarbeiter wie vor der Fusion 1992. Dabei wurden in Tönisvorst die Filialen Berliner und Hochstraße geschlossen. Die Sparkassen sind überall stolz auf ihr dichtes Netz an Filialen, aber weitere Schließungen sind nicht ausgeschlossen. Birnbrich sieht hier einen Prozess, "der weitergehen wird." Wurden in den 1990er Jahren die Schaffung eines Europäischen Binnenmarktes als Druckmittel für eine Konzentrationswelle gesehen, so ist es heute die Verlagerung der Geschäftsvorgänge vom Schalter ins Digitale, die das Filialnetz betrifft. Abgesehen vom Benutzen der Geldautomaten kommt der Sparkassenkunde im Durchschnitt zwei mal im Jahr in eine Filiale. Die meisten Bankgeschäfte werden bereits online erledigt, und dieser Trend nehme zu.

Die Entwicklung des Geldmarktes und der Bankenkontrolle hat aber auch Strukturen gefördert, die kleinen Sparkassen die Chance auf Eigenständigkeit immer weiter nimmt. Eine Fusion wäre heute alternativlos, weil kein kleines Haus mit seinen Mitarbeiterstab nicht die Spezialisierung aufbieten könne, die heute nötig sei.

Viel stärker als solche eher internen Beweggründe interessiert den Tönisvorster, ob sich die Aufgabe der eigenen Sparkasse unterm Strich gelohnt hat, schließlich war die Sparkasse Tönisvorst sicher ein guter Gewerbesteuerzahler. Und die Arbeitsplätze waren auch nicht zu unterschätzen. Dafür ist etwas Neues entstanden: Die Tönisvorster Sparkassenstiftung. 1992 wurde sie mit einem Kapital von 8,5 Millionen DM ausgestattet. Heute ist es auf 5,265 Millionen Euro angewachsen. Die Stiftung fördert Projekte der Altenhilfe, Behindertenhilfe, des Breitensports, der Brauchtumspflege, der Heimatkunde, der Kultur, der öffentlichen Gesundheitspflege und des Umweltschutzes in der Stadt Tönisvorst. Bisher hat die Stiftung 548 Anträge bewilligt und insgesamt 3,845 Millionen Euro ausgezahlt. In den vergangenen zehn Jahren waren das durchschnittlich 104.500 Euro jährlich. Über die Projekte entscheiden auch Tönisvorster. Den Vorsitz im Kuratorium führt immer der jeweilige Bürgermeister, heute Thomas Goßen. Den Vorstand teilen sich Sparkassenvorstand Lothar Birnbrich und Beigeordnete Nicole Waßen.

Ein weiteres Kind der Fusion von 1992 ist der Regionalbeirat Tönisvorst. Das Konsultativgremium zum regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Sparkasse, Kommune und lokaler Wirtschaft hat 21 Mitglieder, die zweimal im Jahr zusammenkommen. Zehn Ratsmitglieder gehören ihm ebenso an wie Bürgermeister Thomas Goßen, Landrat Andreas Coenen und weitere Mitglieder des Verwaltungsrates der Sparkasse (also weitere Politiker), aber auch drei "wirtschaftlich interessierte Bürger", aktuell Klau van Haag, Jutta Schröer-Ulbricht und Susanne Pegels.

Horst Klausmann ist gebürtiger Tönisvorster. Als Leiter des Finanzcenters St. Tönis muss er es wissen: "Keiner trauert der alten Zeit nach." Am Standort erziele die Sparkasse kontinuierlich Zuwächse. Als die Deutsche Bank ihre St. Töniser Filiale schloss, wurde die Sparkasse so "überflutet", dass sie zusätzliches Personal anfordern musste. Sie konnte dabei 150 neue Kunden gewinnen. Die Bezugsgröße für Sparkassen seien heute nicht mehr eine einzelne Stadt, sondern eine Region mit 600.000 Menschen.

Allein in Tönisvorst wird ein Kundengeschäft von 445 Millionen Euro betreut. Vor Ort sind 14.500 Girokonten angesiedelt. "Ein Kreis, eine Sparkasse" ist heute Allgemeingut. Von den Diskussionen in Willich und Nettetal redet heute keiner mehr. Auch wenn alle Beteiligten mit der Fusion von 1992 zufrieden sind, wird das Ereignis nicht gefeiert. Die Geschichte der Sparkasse Krefeld ist 175 Jahre alt und voller Fusionen. Wenn man das alles feiere, käme man aus dem Feiern nicht heraus. Also: Sparen wir uns das.

Quelle: RP
 
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