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Tönisvorst
Da sein, wenn das Leben zu Ende geht

Tönisvorst: Da sein, wenn das Leben zu Ende geht
Die Entscheidung, sich ehrenamtlich im Krefelder Hospiz am Blumenplatz einzubringen, traf Ute Groß nach dem Tod ihrer Schwester. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Ute Groß aus Tönisvorst ist seit 13 Jahren ehrenamtlich als Sterbebegleiterin im Krefelder Hospiz am Blumenplatz tätig. Für ihren unentgeltlichen Einsatz erhielt sie jetzt eine Auszeichnung. Von Stephanie Wickerath

Ute Groß weiß nicht, was nach dem Tod kommt. In den 13 Jahren, die die St. Töniserin bereits als Sterbebegleiterin tätig ist, hat sie zwar viele Menschen gehen sehen, aber ob es ein Leben nach dem Tod gibt und wie das aussieht, davon hat die Ehrenamtlerin keine Vorstellung. "Ich wünsche mir, dass noch etwas kommt, aber wissen tut es niemand."

Die Entscheidung, sich ehrenamtlich im Krefelder Hospiz am Blumenplatz einzubringen, traf Ute Groß nach dem Tod ihrer Schwester: "2001 ist meine Schwester mit 47 Jahren an Krebs gestorben. Damals bin ich zum ersten Mal mit dem Begriff Hospiz in Kontakt gekommen." Die Familie begleitete die Strebende bis zum Schluss, und Ute Groß sah, wie wichtig es ist, jemanden an seiner Seite zu haben, wenn das Leben zu Ende geht. "Aber es gibt viele Menschen, die in den letzten Tagen und Stunden mutterseelenallein sind", sagt die St. Töniserin, die weiß, dass jede Anwesenheit eine Hilfe ist.

Nach dem Tod ihrer Schwester beschloss Ute Groß, für Sterbende da zu sein. Zunächst hatte sie Zweifel, ob dieses Ehrenamt das richtige für sie ist. "Ich bin ein Weichei, ein Gefühlsdusel", sagt die St. Töniserin über sich. Und tatsächlich habe sie in den vielen Jahren, die sie im Hospiz arbeitet, auch oft geweint. Aber eben nicht nur. "Wir lachen viel und feiern auch schon mal zusammen, zum Beispiel Karneval und beim Sommerfest", erzählt die Ehrenamtlerin, die jetzt mit dem Preis "Helfer-Herzen" der Drogeriekette dm ausgezeichnet wurde. Für Ute Groß eine tolle Anerkennung.

Im Hospiz gebe es immer wieder schöne Momente, sagt die Sterbebegleiterin. "Ich erinnere mich an ein 19-jähriges Mädchen, das so gerne zum Starlight-Express wollte." Das Hospiz konnte der Jugendlichen diesen letzten Wunsch erfüllen. "Und als sie von der Vorstellung zurückkam, strahlten ihre Augen." Auch an die Erneuerung des Ehegelöbnisses, das sich ein Paar zum 40. Hochzeitstag in der Kapelle des Hospizes gab, erinnert sich Ute Groß gerne. "Es gibt so viele emotionale Momente."

Um all diese Erlebnisse, besonders die traurigen, verarbeiten zu können, bekommen die Ehrenamtler im Hospiz am Blumenplatz regelmäßig die Gelegenheit, sich auszutauschen, Rat und seelsorglichen Beistand zu holen. "Außerdem gibt es Informationsabende, Fortbildungen und viele Freundschaften unter den Ehrenamtlern", erzählt die Strebebegleiterin.

Trotzdem ging Ute Groß über ihre Grenzen und musste nach acht Jahren, in denen sie jeden Sonntag, jeden Donnerstagnachmittag und einen Samstag im Monat im Hospiz verbracht hatte, einsehen, dass ihre Kraft nachlässt und sie mehr Zeit für sich braucht. Seitdem besucht sie die Menschen, die sie begleitet, zu Hause oder im Pflegeheim und ist nicht mehr so oft im Hospiz anzutreffen. An ihrer Einstellung hat das nichts geändert: "Mach jeden Tag zu einem schönen Tag, verwirkliche deine Träume, schieb nichts auf später und gib deinen Tagen mehr Leben."

Wenn andere sich aufregen oder ärgern, etwa im Beruf - die St. Töniserin arbeitet im Jobcenter der Agentur für Arbeit - bleibt Ute Groß meist gelassen. "Ich habe so viele Menschen leiden und kämpfen sehen, bis zum letzten Atemzug. Ich weiß, wie gut es mir geht." Eines konnte die Arbeit im Hospiz der St. Töniserin allerdings nicht nehmen: die Angst vor dem Tod.

Quelle: RP
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