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Tönisvorst
Das Älterwerden ist sein Lebensthema

Tönisvorst: Das Älterwerden ist sein Lebensthema
Seit ein paar Wochen ist Erich Schützendorf Rentner. Ein Umstand, der ihn nicht beunruhigt. Seit vielen Jahren schon beschäftigt er sich mit den Fragen des Älterwerdens an der Volkshochschule Kreis Viersen. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Nach fast 40 Jahren als Dozent und zwei Jahren als Leiter der Volkshochschule Viersen ist Erich Schützendorf von Landrat Peter Ottmann in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Tönisvorster hat allerdings noch viel vor. Von Stephanie Wickerath

Erich Schützendorf ist 65 Jahre alt und seit ein paar Wochen Rentner. Ein Umstand, der manchen Menschen Angst macht. "Jetzt bin ich alt", sagen sie. Oder: "Jetzt fühle ich mich alt." Und: "Jetzt werde ich nicht mehr gebraucht." All das trifft auf Erich Schützendorf nicht zu. Es wäre auch seltsam, wenn einer wie er sich vor dem Alter fürchten würde. 1976, da war Schützendorf gerade 26 Jahre alt, hat der studierte Soziologe und Pädagoge einen neuen Fachbereich bei der Volkshochschule Viersen (VHS) ins Leben gerufen: "Fragen des Älterwerdens" hieß der Fachbereich, und er war bahnbrechend für seine Zeit.

"Niemand beschäftigte sich in den 70er Jahren mit Demenz, mit demografischer Entwicklung, mit den Veränderungen, die das Alter mit sich bringt, mit Dingen wie Patientenverfügung und Pflegevollmacht", erinnert sich der langjährige VHS-Dozent, der selber eher zufällig auf das Thema gestoßen ist, das zu seinem Lebensthema geworden ist. "Ich besuchte an der Universität Köln ein Seminar von Professorin Ursula Lehr", erzählt Schützendorf, "Entwicklung und Alter" habe im Vorlesungsverzeichnis gestanden. "Ich dachte, es geht um die kindliche Entwicklung", erinnert sich der Pädagoge und Soziologe.

Tatsächlich aber ging es um die Entwicklung und die Veränderung, die nach dem 60. Lebensjahr eintritt. Schützendorf war begeistert von dem Thema, studierte eifrig weiter, las Fachliteratur und hatte seinen Schwerpunkt gefunden, als er 1976 seine erste Stelle bei der VHS in der Kempener Burg als Dozent antrat.

Neben dem Engagement in seinem Fachbereich mit zahlreichen Seminaren, Veranstaltungen und Vorträgen hat der St. Töniser, der gebürtig aus Merzenich im Kreis Düren stammt, auch mehrere Bücher geschrieben, die Titel wie "In Ruhe verrückt werden dürfen" oder "Das Recht der Alten auf Eigensinn" heißen. Schon immer hat Schützendorf eine Lanze für alte Menschen und ihre "Schrullen" gebrochen. "Vielleicht liegt das daran, dass ich mit mehreren alten Menschen aufgewachsen bin", sagt der 65-Jährige. Gleich vier Großtanten lebten seinerzeit mit im Merzenicher Haushalt.

Auch im Ruhestand, ein Begriff, der zu den Zukunftsplänen von Erich Schützendorf nicht wirklich passt, lässt das Thema Alter den St. Töniser nicht los. Einige Buchanfragen lägen vor, erzählt der dreifache Vater, darunter eine Art Reiseführer ins Land der Demenz. Außerdem ist der 65-Jährige für mehrere Vorträge zu seinem Fachgebiet gebucht und will in naher Zukunft ein paar Träume verwirklichen: "Im Sommer werde ich sechs Wochen lang mit einem Freund unterwegs sein." Mit dem Fahrrad wollen die beiden von Köln nach Berlin fahren. "Und das Geld für das abendliche Bier wollen wir mit Puppenspiel verdienen."

Bei dem Puppenspiel geht es dann aber wieder, wie sollte es anders sein, um Schützendorfs Lieblingsthema: "Es handelt von einem dementen Wolf, der vergisst, Rotkäppchen zu fressen." Es sei ihm eben ein Anliegen, die Krankheit in die Mitte der Gesellschaft zu holen und ihr mit Humor zu begegnen. Auch in der VHS bleibt das Thema übrigens präsent: Erich Schützendorf hat seine Nachfolgerin in dem Fachbereich noch selber eingearbeitet.

Quelle: RP
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