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Tönisvorst
Das Kind, das Liebe und Frieden bringt

Tönisvorst: Das Kind, das Liebe und Frieden bringt
Schon im Vorfeld haben einige Vorster die Turnhalle mit Christbaumkugeln, Lametta, Engeln, Lichterketten und einem kleinen Tannenbaum dekoriert. FOTO: Kaiser
Tönisvorst. Viele Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sind, feiern heute zum ersten Mal Heiligabend. Von Stephanie Wickerath

Einige Mitglieder der Tönisvorster Flüchtlingshilfe werden den Heiligen Abend in diesem Jahr nicht Zuhause verbringen. Sie besuchen auch nicht ihre Familienmitglieder und verzichten auf traditionelle Rituale, die jede Familie hat. Stattdessen feiern sie in einer Turnhalle und sind damit der Weihnachtsgeschichte vielleicht näher als manch anderer. Schließlich haben auch Maria und Josef den Heiligen Abend in einer Notunterkunft verbracht.

Seit fünf Monaten wird die Vorster Turnhalle am Wiemespfad als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Und genauso lange engagieren sich die Vorsterinnen Göksu Kocak, genannt Kiki, und Edith Mascini in der Tönisvorster Flüchtlingshilfe. Nach und nach sind immer mehr Menschen hinzugekommen, die die Männer aus der Turnhalle unterstützen und ihnen dabei helfen, in Deutschland anzukommen und sich zu integrieren. Es gibt Deutschkurse und Sportangebote, eine Tour mit dem Schluff und ein Grillfest wurden organisiert. "Da war es irgendwie klar, dass wir auch Weihnachten zusammen feiern", sagt Edith Mascini.

Was genau das ist, Weihnachten, das musste die Frau, die auch Deutsch unterrichtet, einigen Flüchtlingen allerdings erst erklären. Mamadu Diallo aus Guinea etwa kannte das christliche Fest nicht. "Ich bin Moslem. Wir feiern Weihnachten nicht", sagt der 20-Jährige. Aber die Geschichte von Maria und Josef, die ein Kind in einem Stall zur Welt gebracht haben und danach flüchten musste, gefällt dem jungen Mann. "Es ist ein gutes Fest, es bringt Liebe in die Welt", sagt Mamadu, der voller Erwartungen seinem ersten Weihnachten in Deutschland entgegenblickt. "Ich hoffe, dass es die Menschen glücklich macht", sagt der Guineer.

Albert Thuimasi aus Ghana hingegen kennt Weihnachten. "Ghana ist christlich geprägt. Bei uns gibt es auch einen Tannenbaum und Geschenke", erzählt der Flüchtling. Die ganze Familie komme am Heiligen Abend zusammen und feiere die Geburt Christi. Natürlich werde er seine Familie an Weihnachten besonders vermissen, sagt der 25-Jährige, aber er freue sich auch auf sein erstes internationales Weihnachtsfest in Deutschland. Außerdem sei die Gemeinschaft in der Turnhalle ein kleiner Ersatz für die Familie Zuhause. Einen Weihnachtswunsch hat der junge Mann: "Ich wünsche mir Frieden auf der Welt und dass niemand mehr aus seiner Heimat fliehen muss."

Schon im Vorfeld haben einige Vorster die Turnhalle in der Mamadu, Albert und 13 weitere Männer leben, mit Christbaumkugeln, Lametta, Engeln, Lichterketten und einem kleinen Tannenbaum dekoriert. Heute wollen sie zusammen kommen, gemeinsam das Büffet genießen, das gespendet worden ist, Weihnachtsmusik hören und kleine Geschenke verteilen.

"Wir haben 20 kleine Kisten gepackt", erzählt Kiki Kocak. Handschuhe, Mützen, Duschgel und Süßigkeiten sind in den Päckchen - lauter Spenden aus der Bevölkerung. Zwar seien einige der Männer aus der Turnhalle bei deutschen Familien eingeladen, dafür hätten sich aber ehemalige Bewohner angekündigt, die jetzt in Häusern oder einer anderen Flüchtlingsunterkunft leben. "Zum Fest kommen sie noch mal in die Turnhalle, um mit den ehemaligen Mitbewohnern zu feiern", sagt Edith Mascini.

Auf den festlichen Abend freut sich auch Abdul Halim. Der Mann aus Myanmar kennt Weihnachten, denn in dem buddhistisch geprägten Land lebt eine christliche Minderheit. Gefeiert hat der Asiat das Fest noch nicht. Was ihm daran gefällt, ist der Gedanke, dass ein Gott seinen Sohn auf die Welt schickt, damit das Kind den Menschen Liebe und Frieden bringt.

Quelle: RP
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