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Tönisvorst
Der besondere Grabplatz von Vorst

Tönisvorst: Der besondere Grabplatz von Vorst
Am Pressetermin nahm gestern auch Bürgermeister Thomas Goßen teil. Damit die Bodenverfärbung des Kreisgrabens besser sichtbar wird, haben wir die Stelle mit einem Pfeil markiert. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Die Archäologen haben im Neubaugebiet Vorst-Nord den geheimnisvollen Kreisgraben jetzt in Gänze freigelegt. Exakt in der Mitte wurden Grabreste gefunden. Ebenso wissenschaftlich spannend sind Funde der Eisenverhüttung vor Ort. Von Heribert Brinkmann

Die Kölner Archäologin Melanie Eigen strahlt, RP-Fotograf Wolfgang Kaiser schaut skeptisch, Die besonderen Funde, die das Team von Archbau im Neubaugebiet Vorst-Nord in den vergangenen zwölf Tagen gemacht hat, sind wissenschaftlich spektakulär, nur vorzeigbar ist wenig. Die materielle Fundlage an Scherben und Gerät ist eher mau. Trotzdem wird Vorst sich in der Literatur einen Namen machen, denn dieser Ringgraben, der jetzt im Durchmesser von knapp 20 Metern in Gänze offengelegt ist, ist nicht nur geheimnisvoll, sondern auch einmalig. Vor allem, nachdem die Archäologen unter Leitung von Melanie Eigen eine Bestattung exakt in der Mitte der Kreisanlage fanden, können Mutmaßungen wie ein Pferch für Tiere ausgeschlossen werden.

Von der Bestattung in der Mitte des Kreises ist der Leichenbrand mit kalzinierten Knochenteilen aufgetaucht, Grabbeigaben sind keine gefunden worden. Trotzdem: Aufgrund des solitären Grabes und besonderen Ringes muss es sich um ein Grab eines höhergestellten Toten handeln. Ähnliche Ringe mit Gräbern finden sich kaum in Norddeutschland, es mit dem hessischen Fundort des Keltenfürsten von Glauberg zu vergleichen, wäre verfrüht. Archäologin Melanie Eigen kann auch ein Hügelgrab an dieser Stelle nicht bestätigen. Der Hügel, der bei einem solchen Durchmesser, an der höchsten Stelle rund drei, vier Meter hoch gewesen wäre, müsste längst verschwunden, vom Wind abgetragen oder von Bauern späterere Jahrhunderte untergepflügt sein. Weitere Querschnitte und Vergleiche mit den Geoschnitten werden aufzeigen, ob es an dieser Stelle Erdbewegungen gegeben hat. Aber auch eine Flachbestattung ist möglich, wobei der Ringgraben immer noch rätselhaft bleibt. Im Moment erscheint es so, als ob der Ring an zwei Stellen unterbrochen wurde, eventuell für einen Durchgang? Wer dort bestattet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Bei diesem "Fürsten von Vorst", wie scherzhaft spekuliert wurde, handelt es sich um eine eisenzeitliche Grabstätte, ein Zeitraum von 800 vor Christus bis zur Zeitenwende. Der Keltenfürst, der als Sandsteinfigur in Glauberg gefunden wurde, wird ins 5. Jahrhundert datiert.

Archäologin Melanie Eigen vor dem Schnitt mit den schwarzen Bodenverfärbungen der Abfallgrube mit Schlacke und Luppen (in der Hand). FOTO: STADT

Wissenschaftlich ebenso spektakulär sind die Funde einer praktizierten Eisenverhüttung in Vorst. Gefunden wurde bisher eine Abfallgrube mit Schlacke sowie Luppen (Zwischenprodukt), die auch Renneisen oder Eisenschwamm genannt werden. Eine Vielzahl von Luppen konnte gerettet werden, wobei die Archäologen sich nicht erklärt können, wieso diese wertvollen Teile nicht weiterverarbeitet wurden, sondern zusammen mit der Schlacke in der Abfallgrube landeten. Durch schwarze Bodenverfärbung unterscheidet sich die Grube auffallend von der Umgebung. Wenige Meter weiter kann man eine rote Bodenverfärbung entdecken. Sie deutet möglicherweise auf den Rest eines Rennofens aus verziegeltem Lehm hin. Damit ist der Nachweis gelungen, dass in Vorst während der Eisenzeit Eisen verhüttet wurde. Das Erz dazu kam als Raseneisenerz vor, wie es in Geldern oder entlang der Niers gefunden wurde. Die Rennöfen wurden zweimal benutzt und dann wieder eingerissen. Weitere Funde sind wahrscheinlich.

Quelle: RP
 
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