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Tönisvorst
Der Bischof zu Gast beim Godehardfest

Tönisvorst: Der Bischof zu Gast beim Godehardfest
Der Bischof begleitete die Gläubigen der Gemeinde St. Godehard bei ihrer Prozession durch die Felder. FOTO: wofgang kaiser
Tönisvorst. Helmut Dieser reihte sich gestern als Pilger in eine alte Tradition ein. Pfarrer Ludwig Kamm hatte dem Bischof vorher ein einzigartiges Erlebnis versprochen. Nach der Messe zog die Prozession durch die Felder rund um Vorst. Von Eva Scheuss

Sein erster Besuch in der Region Kempen-Viersen führte den neuen Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser, zum Godehardfest nach Vorst. Dort reihte er sich als Pilger in eine Jahrhunderte alte Tradition ein. Er komme, um auch persönliche Dinge vor Gott zu tragen, sagte der Bischof in seiner Begrüßung. "Dinge, die mich bewegen, wenn man auf eine solche Stelle gerufen wird," so der 54-Jährige, der seit November letzten Jahres die Geschicke des Bistums Aachen lenkt und zuvor Weihbischof in Trier war. Zu den feierlichen Klängen von "Tocher Zion" war er in die vollbesetzte Kirche eingezogen, begleitet von Abordnungen der Schützen, die ihr Schützenfest regelmäßig mit dem Patronatsfest verbinden.

Pfarrer Ludwig Kamm erinnerte daran, dass er selbst auf den Tag genau vor 50 Jahren erstmals an der Godehardhardprozession teilgenommen habe, damals noch als junger Chemiestudent der TH Aachen. "Herr Bischof, ich verspreche Ihnen ein einzigartiges Erlebnis", so Kamm, "ich erinnere mich daran, dass damals während der Prozession geschaut wurde, wie die Rüben standen." Der Bischof sprach über die Person des Heiligen Godehard, der vor 1000 Jahren zunächst als Mönch und Reformator der Klosterlandschaft, später als Bischof von Hildesheim gewirkt habe. "Einfachheit und Tiefe" habe das Wesen dieses Mannes ausgemacht, der selbst Kranke gepflegt habe.

Vor der Prozession zelebrierte Helmut Dieser eine Messe in der Pfarrkirche St. Godehard. FOTO: Kaiser Wolfgang

In seiner Predigt thematisierte Dieser das Verhältnis von Kontinuität und Wandel. Zuvor hatte ihm Kamm eine 100 Jahre alte Zeitungsannonce über die "St. Gotthardfeier in Vorst" übermittelt. Daraus geht hervor, dass damals ab 4 Uhr morgens im Stundentakt Messen angeboten wurden. Am Nachmittag zuvor wurde gebeichtet. Der Ansturm war wohl so groß, dass damals Ordensleute bei der Abnahme der Beichte aushelfen mussten. Dies allein mache schon den Wandel, der in 100 Jahren eingetreten sei, sehr deutlich, so der Bischof.

"Wenn Pfarrer Kamm heute zur Beichte einladen würde, bräuchte er sicher keine Unterstützung von Ordensleuten mehr", ergänzte er schmunzelnd. Eine deutliche Absage erteilt der Bischof angesichts dieser Veränderungen jedoch "der zweifelnden und mutlosen Klage", etwa über abnehmende kirchliche Bindungen und Überalterung. "Wir klagen, weil wir die Kontinuität nicht mehr erkennen", so Dieser. Er erinnerte daran, dass jedes Lebewesen nur durch dauerhaften Stoffwechsel existieren könne. Fotos aus unterschiedlichen Lebensphasen machten deutlich: "Dies ist eine Person, nur ganz und gar verändert." Dieses Bild zog er zum Vergleich mit dem Wandel in der Kirche heran, dem eine Kontinuität zugrunde liege, die "außerhalb von uns", in Gott liege. Kirche wandle sich und sei doch wiedererkennbar.

Nach der Festpredigt zog die Gemeinde zum Haus Neersdonk, um dort unter freiem Himmel die Eucharistiefeier fortzusetzen. Dabei wurde die Reliquie des Heiligen Gotthard unter dem Festbaldachin mitgeführt, die traditionell der amtierende Schützenkönig, in diesem Jahr Philipp Janßen, einen Teil des Wegs trägt. Danach führte die Prozession durch die Felder zurück zur Kirche, wo der Bischof den Schlusssegen erteilte.

Die Godehardverehrung in Vorst ist Jahrhunderte alt. Bereits seit dem Jahr 1131 sind die Reliquien an diesem Ort verbürgt. Auch die Wallfahrt gibt es schon sehr lange. Belegt ist, dass eine Fußpilgergruppe aus Hemmerden bei Grevenbroich bereits seit 1449 am Tag vor Christi Himmelfahrt nach Vorst pilgert. Kamm ist es im Laufe der Jahre immer wieder gelungen, bekannte Persönlichkeiten als Festredner für das Godehardfest zu gewinnen, etwa den früheren Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff. Dieser habe er sofort nach dessen Amtseinführung angeschrieben. Dass der Bischof angenommen hat, könnte auch damit zusammenhängen, dass Ludwig Kamm, nun 68 Jahre alt und seit 26 Jahren Pfarrer in Vorst, Anfang Juli in den Ruhestand gehen wird. Er werde dann nach Kempen ziehen, hat er bereits verraten.

Quelle: RP
 
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