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Tönisvorst
Die Faszination der Wunderwaffen

Tönisvorst: Die Faszination der Wunderwaffen
Autor Sebastian Thiel lebt in Vorst. Der 32-Jährige schließt mit "Geheimprojekt Flugscheibe" seine Weltkriegs-Trilogie ab. FOTO: ACHIM HÜSKES
Tönisvorst. Wenige Tage alt ist der neue Kriminalroman "Geheimprojekt Flugscheibe" des Vorster Autors Sebastian Thiel. Er handelt im Frühjahr 1945 - und ist damit der Schlusspunkt seiner Weltkriegs-Trilogie mit Ex-Kommissar Nikolaus Brandenburg. Von Heribert Brinkmann

Die sogenannten Wunderwaffen des Dritten Reiches haben es Sebastian Thiel angetan. Und der Erfolg seiner Weltkriegs-Trilogie bei den Lesern gibt ihm recht. Jetzt liegt der dritte Krimi mit Nikolaus Brandenburg, dem Ex-Kommissar aus Düsseldorf, der sich dem französischen Widerstand angeschlossen hat, vor: Der Titel "Geheimprojekt Flugscheibe" sagt klar und offen, worum es gehen soll - auch wenn das Titelbild einer Abschiedsszene mit Soldat und Mädchen am Bahnhof eine andere Handlungsebene anspricht: Wie immer bei Thiel geht es in der Geschichte auch um die Liebe. Am Ende des zweiten Bandes "Uran-Projekt" steht der Held zwischen zwei Frauen, der Französin Claire und der Deutschen Elsa. Dass der damals schwer verwundete Brandenburg überlebt hat, zeigt allein das Erscheinen des neuen Bandes. Und im Laufe des "Geheimprojektes" entscheidet sich auch die Frage, mit welcher Frau Brandenburg das Kriegsende gemeinsam erleben wird. Welche Frau das ist - das wird fairerweise hier nicht verraten.

Sebastian Thiel hat seine Trilogie 2012 mit "Wunderwaffe" begonnen. Die Story beginnt im Frühjahr 1944 und führt zu den chemischen Werken von IG Farben am Rhein. Brandenburgs Freund Erik Stuckmann, der als Chemiker bei IG Farben arbeitet, soll Selbstmord begangen haben. Brandenburg nimmt die Ermittlungen auf und deckt Unglaubliches auf. Dabei kommt er in Kontakt zum französischen Widerstand und flieht nach Paris.

Im zweiten Band "Uranprojekt" kehrt Brandenburg im Sommer 1944 aus Paris wieder nach Düsseldorf zurück. Er versteckt sich in seinem Elternhaus und gerät wieder in Verwicklungen rund um streng geheime Projekte, in diesem Falle der Bau einer Atombombe. Der dritte Band knöpft sich die Flugscheibe vor, eine Art Ufo mit Balken- und Hakenkreuz, wie sie in der einschlägigen Literatur samt "Neuschwabenland" immer noch herumgeistert. Es geht nicht um die V 1 und V 2-Raketen aus den Peenemünder Versuchswerken, sondern um eine Mixtur von "Nurflüglern" wie die Horten-Reihe und anderen Experimentalflugzeugen. Real sind im Roman die Flugzeugwerke Heinkel im brandenburgischen Oranienburg. Einen realen Hintergrund haben auch die irrealen Fantasien einer angeblichen Vril-Gesellschaft mit kosmischen Kräften. Die Figur von Karl Maria Wiligut gab es allerdings wirklich. Der Wiener trat 1933 in die SS ein, wurde mit Himmler bekannt gemacht und übernahm die Leitung des Rasse- und Siedlungshauptamtes. Wiligut war maßgeblich an der Umgestaltung der Wewelsburg bei Paderborn zu einer Ordensburg der SS beteiligt. Sebastian Thiel beschreibt in seinem neuen Roman eine fiktive Begegnung seines Helden mit einem verrückt gewordenen Wiligut. Doch Flugscheibe und esoterische Weltentwürfe bilden im Roman nur einen kleinen Kaffeesatz aus Andeutungen. Im Grunde genommen führt Thiel auch in diesem Band den Kampf seines einzelgängerischen Helden ausgiebig weiter fort. Brandenburg findet Marie, die Tochter seines Freundes Eric, er muss mit einem amerikanischen Geheimdienstler zusammenarbeiten. Beide jagen den gemeinsamen Feind Luger.

Die zentrale Szene im Buch ist aber nicht ein Showdown am Ende, sondern die merkwürdige Gesellschaft in einem Sonderzug nach Berlin. Hohe Militärs und Industrielle sind bei diesem Tanz auf dem Vulkan im Zug vereint, hilflos den Angriffen von Tieffliegern ausgeliefert. Diese Seiten sind Spannung pur, vieles andere in der Handlung ist dagegen absehbar.

Quelle: RP
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