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Tönisvorst
Die Hofdamen feiern mit den Junggesellen

Tönisvorst: Die Hofdamen feiern mit den Junggesellen
Sie repräsentieren die Kehner Junggesellen Vorst in den nächsten drei Jahren als Königspaar: Jan I. (Nössemes) und seine Schwester Anja I. FOTO: KJ
Tönisvorst. Die Kehner Junggesellen Schützenbruderschaft richtet in diesem Jahr in Vorst das Schützenfest aus. Für den Hofstaat gibt es große weibliche Unterstützung. Wie die Galakleider der Hofdamen aussehen, bleibt aber bis zum Fest geheim. Von Willi Schöfer

Zur besten Bundesliga-Zeit haben die 25 aktiven Kehner Junggesellen etwas Besseres zu tun. Während in ihrem Standquartier und Vereinslokal "Zur Kleinen Kneipe" gerade die Bundesliga-Konferenz geschaltet ist, laufen die Jungs mit König Jan Nössemes, den Ministern Dominik Kluschewski und Mathias Funck, mit Hauptmann Bernhard Nauen und General Simon Thomaßen durch den Ort und üben das Marschieren. Denn die Kehner sind diesmal mit dem Schützenfest in Vorst dran. Vom 30. April bis zum 12. Mai ist es soweit.

Wie schon immer üblich, dürfen bei den Kehner Junggesellen, die es bereits seit 1652 gibt, nur "unbescholtene Jünglinge" mitmachen. Heiraten sie, muss sofort der Schützenrock ausgezogen werden. Sie haben dann die Möglichkeit, zur Sebastianus-Bruderschaft im Ort zu wechseln. Dennoch brauchen die Junggesellen unbedingt zum Fest die Hofdamen, die sie begleiten und mit ihnen tanzen. Schon lange vor dem Schützenfest beginnt bei denjenigen das Werben, die keine Partnerin haben.

Während die 16 unbescholtenen Männer den einheitlichen Marschier- und Paradeschritt probieren, haben sich parallel neun Hofdamen in der "Kleinen Kneipe" zum Rosendrehen getroffen. Es ist der zweite "Drehtag", auf dem Tisch liegt rotes Krepppapier. "Wir schaffen für den Schmuck am Vereinslokal heute etwa tausend Rosen", sagt die 24-jährige Jacqueline Belk. Sie hatte direkt zugesagt, als sie nach dem Vogelschuss Fabian Poschadel fragte, ob sie während der Schützenfesttage mit ihm gehen möchte. Jacqueline kommentiert: "Das Schützenfest hat mir schon im letzten Jahr Spaß gemacht und die Jungs geben sich Mühe." Fabian habe sie auch deshalb keinen Korb gegeben, weil er sich finanziell an den Festkleidern und Blumen beteilige, so etwa fifty-fifty im Verhältnis.

Kerstin Wistel wird Matthias Funck begleiten. Die 32-Jährige kennt Mathias schon seit dem Sandkasten, hatte ebenfalls relativ schnell zugesagt. Beim König und 1. Vorsitzenden Jan Nössemes, einem noch eingefleischten Junggesellen, war es eh klar: Er hatte seine jüngere Schwester Anja gefragt. "Ich war zuerst sprachlos, aber dann kamen bei mir die vor Freude die ersten Tränen und ich habe ihm sofort mein Okay gegeben", plaudert die 21-Jährige.

Und Andrea Spindler (32), die seit etwa vier Jahren Simon Thomaßen als Partner hat, spricht auch davon, dass auch einige Mädchen schon lange untereinander befreundet seien und schon daher gerne mit ihnen das Schützenfest feiern würden. So sei es ursprünglich auch bei ihr gewesen. Die Damen, darunter auch Michelle, Marie, Viktoria, Anja, Jenni und Kim, sind eine verschworene Gemeinschaft, die feiern kann. Gerade bestellte Kerstin eine Runde mit grünem Waldmeister-Schnaps. Und der Trinkspruch kommt wie aus der Pistole geschossen: "Hofdamen, hoi, hoi, hoi - hau weg..." Sportlich aktiv sind sie auch; viele waren beim Apfelblüten-Lauf dabei. Enttäuscht sind die Damen und gelernten Krankenschwestern, Flugbegleiterinnen, Notarfachangestellte, Bankkauffrauen oder Schülerinnen keineswegs, dass sie quasi beim Fest der Junggesellen nur geduldet seien. "Wir bekommen schon unseren Spaß, und die Jungs sind sehr spendabel", äußert Kerstin. Die vorletzte Runde hatte im Vereinslokal König Jan (24) gegeben. Und die Hofdamen, die sich bald auch zum Silberputzen treffen, haben ihre kleinen Geheimnisse. So werden die Farben ihrer Galakleider ebenso wenig verraten, wie ihr Bühnen-Auftritt beim Dorfabend am 8. Mai. Es soll dem Vernehmen nach ein besonderer Tanz sein. Und vor dem Wiener Walzer beim Königsball haben sie auch keine Angst.

Quelle: RP
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