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Tönisvorst
Doch Ratsmehrheit für Gesamtschule

Tönisvorst: Doch Ratsmehrheit für Gesamtschule
"Sprachlos"; "Ohn(e)macht" - mit Spruchbändern standen Eltern schweigend vor dem Rathaus Spalier. Alle Politiker mussten an ihnen vorbei zum Ratssaal. FOTO: Wickerath WS03
Tönisvorst. Im vollbesetzten Ratssaal stimmten gestern Abend 22 Mitglieder des Stadtrats für die Umwandlung der Sekundarschule Tönisvorst in eine Gesamtschule. 16 Politiker sprachen sich bei der geheimen Abstimmung dagegen aus. Von Stephanie Wickerath

Mit Spruchbändern haben sich Eltern gestern Abend vor dem Rathaus in St. Tönis positioniert: "Ohn(e) Macht", "Sprachlos", "Wir haben keine Stimme mehr" steht auf den Plakaten. Die Ratsvertreter, die in ihrer Sitzung über den Antrag der Sekundarschule zur Umwandlung in eine Gesamtschule abstimmen müssen, gehen zwischen den schweigenden Menschen ins Haus.

Mit den Sprüchen nehmen die Eltern Bezug auf den Beschluss des Schulausschusses vor einer Woche. Dort hatte sich die deutliche Mehrheit gegen eine Umwandlung ausgesprochen, obwohl die Elternbefragung ein Votum für eine Gesamtschule ergeben hatte. Der Stadtrat, in dem alle Fraktionen mehr Stimmen haben, folgt dem Beschluss des Fachausschusses nicht: 22 von 38 Stimmberechtigten sprechen sich in geheimer Abstimmung dafür aus, das Verfahren zu starten, damit aus der vier Jahre alten Sekundarschule Tönisvorst zum nächsten Schuljahr, also ab August 2017, die Gesamtschule Tönisvorst werden kann.

Die vielen Zuschauer füllten im Ratssaal nicht nur die Empore, sondern saßen auf den Treppenstufen oder standen an der Eingangstür. FOTO: WICKERATH

Wenn jetzt noch die Bezirksregierung zustimmt und die neue Gesamtschule für das nächste Schuljahr mindestens 100 Anmeldungen bekommt, sind alle Kinder, die die Sekundarschule besuchen, im nächsten Schuljahr automatisch Gesamtschüler. Eltern, die ihre Viertklässler im Februar an einer weiterführenden Tönisvorster Schule anmelden, haben die Wahl zwischen dem Michael-Ende-Gymnasium und der Gesamtschule.

Die Politiker machen keinen Hehl daraus, dass ihnen die Entscheidung schwer gefallen sei und dass es in keiner Fraktion ein eindeutiges Votum gegeben habe. Andreas Hamacher, gemeinsam mit Christian Rütten neuer Fraktionsvorsitzender der CDU, sagt, der Rat habe seinerzeit gehofft, die Kombination Gymnasium plus Sekundarschule sei perfekt für Tönisvorst, aber die Eltern hätten "mit den Füßen abgestimmt" und die Sekundarschule nicht angenommen.

Dr. Michael Horst (SPD) sagt, die Bezirksregierung habe es nicht geschafft, das Lehrerkollegium an der Sekundarschule so stark zu machen, dass sie die Chance, die die neue Schule geboten habe, nutzen konnten. Letztendlich gebe es bei der "denkwürdigen Debatte" nur Verlierer. Die Sekundarschule habe bei der Elternbefragung katastrophale Werte erhalten, das Gymnasium müsse durch die Konkurrenz der Gesamtschule vor Ort mit deutlich geringeren Anmeldezahlen rechnen und die Eltern fühlten sich getäuscht, weil bei der Bewertung der Umfrage mal mit absoluten, mal mit fiktiven Zahlen argumentiert worden sei.

Auch Jürgen Cox (Grüne) merkt an, er habe selten ein so emotional diskutiertes Thema in der Stadt erlebt. Fest stehe, dass die Politiker bestrebt seien, zum Wohl der Stadt und der Bürger zu handeln, allerdings seien es die Eltern, die wissen, was das Beste für ihre Kinder sei. Cox appelliert deshalb an seine Ratskollegen, sich dem Elternvotum zu beugen (330 von 582 Stimmen für die Gesamtschule) und für die Umwandlung zu stimmen: "Tragt nicht zur Politikverdrossenheit bei."

Das unterstreicht auch Michael Lambertz (UWT): Die Zahlen aus der Elternumfrage und die Stimmen aus der Bürgerschaft sprächen eindeutig für eine Gesamtschule. "Eine Entscheidung für die Umwandlung trägt zur Sicherung des Schulstandorts Tönisvorst mit einem Gymnasium und einer Gesamtschule bei", ist Lambertz sicher.

Quelle: RP
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