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Tönisvorst
Dorf der Backstuben und Fleischereien

Tönisvorst: Dorf der Backstuben und Fleischereien
Eine Filiale von "Kaiser's Kaffee" befand sich in St. Tönis an der Hochstraße 14/Ecke Kirchstraße. Das Foto entstand Mitte der 1970er Jahre. FOTO: HEIMATBUND
Tönisvorst. Der Heimatbund St. Tönis hat wieder seinen Heimatbrief verteilt. Er erinnert an ehemalige Geschäfte in St. Tönis, stellt Menschen aus dem Ort vor und berichtet über aktuelle Themen. Von Stephanie Wickerath

Besucher von außerhalb wundern sich oft, wenn sie feststellen, dass es in St. Tönis drei Bäckereien gibt, in denen jeden Morgen um halb 4 Uhr Teig geknetet und der Ofen angefeuert wird, damit die Kunden ab 6 Uhr frisch gebackenes Brot und frische Brötchen kaufen können. Wer aber den Artikel von Walter Schöler im St. Töniser Heimatbrief liest, der wundert sich eher, dass es nur noch drei Backstuben im Ort gibt. Anfang der 60er Jahre nämlich waren in St. Tönis 18 Familienbäckereien ansässig, und das, obwohl damals lediglich 12.000 Menschen im Ort lebten - nur halb so viele wie heute.

Noch auffälliger ist die Entwicklung bei den Metzgereien: Von den einst 21 in St. Tönis ansässigen ist nur noch die von Jürgen Wenders übrig. Ebenfalls fast ganz verschwunden sind die 35 kleinen Geschäfte der Lebensmittelbranche, die einst über das ganze Dorf verteilt waren, so dass jeder Bürger fußläufig ein Geschäft für den täglichen Bedarf hatte. Aber: "Sie konnten dem Konkurrenzdruck der damals aufkommenden Discounter nicht standhalten", schreibt Schöler in seinem Aufsatz.

Eines der ersten Geschäfte dieser Art ziert auch das Titelbild des neuen Heimatbriefs. Zu sehen ist eine Filiale der Lebensmittelkette "Kaiser's Kaffee" an der Ecke Hochstraße/Kirchstraße. "1937 finden wir sie schon im Adressbuch", schreibt Heimatbund-Archivar Werner Lessenich. Vor 60 Jahren sei Kaisers's Kaffee dann der erste Selbstbedienungsladen im Ort gewesen.

Aber der 40 Seiten starke Heimatbrief hat noch viele andere Themen aufgegriffen. So schwelgt Guido Beckers in Erinnerungen und ruft alle alten St. Töniser auf, Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen. Eine dieser Geschichten hat Acelya Bakir aufgeschrieben. Es ist die Lebensgeschichte von Armin Denz, der 1940 als kleine Junge nach St. Tönis kam.

Auch die Serien wie "Damals - auf den Straßen von St. Tönis", "Menschen in St. Tönis" oder "Namen und Nachrichten" fehlen nicht. Werner Lessenich wirft außerdem einen Blick zurück und erinnert an den Zusammenschluss der Sparkassen Krefeld und Tönisvorst vor 25 Jahren, an die erste ganztägige Wanderfahrt des Heimatbundes vor 50 Jahren und an die Nacht vom 5. auf den 6. Juni vor 75 Jahren.

Damals warfen die Bomber der Alliierten eine 20-Zentner-Bombe über dem Kirchplatz ab. "Etwa zehn Meter vor dem Kirchenportal war die Einschlagstelle", schreibt Lessenich. Ein Todesopfer, 13 verletzte Menschen, 27 Totalschäden und etliche Gebäudeschäden kamen hinzu. Auch die Kirche wurde beschädigt. Besonders die Seitenkapellen und das Innere waren betroffen. Unter den Spätfolgen leidet das Gebäude noch heute.

Über seine Schulausflüge vor 80 Jahren schreibt Professor Klaus Beusch, Jahrgang 1924. Statt nach Rom oder Paris, ging es im ersten Schuljahr zu Fuß in den Forstwald, im zweiten Jahr zu Fuß zum Hülser Berg (zurück mit dem Schluff) und im dritten Schuljahr, ebenfalls zu Fuß, zu den Süchtelner Höhen. Erst im vierten Schuljahr wurde ein Autobus bemüht, der die Kinder nach Venlo und ins Kloster Steyl brachte.

Hajo Thelen hat einen Artikel über das Ende der Tönisvorster Hauptschule geschrieben. Werner Lessenich lässt Fenster Geschichten erzählen und Guido Beckers berichtet von der Seulenmedaille, die Jürgen Kuhlenschmidt vom Martins-Komitee im Juni verliehen bekommen hat.

Quelle: RP
 
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