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Tönisvorst
Ein großes Herz für Kinder

Tönisvorst: Ein großes Herz für Kinder
Am Sandkasten (v.l.:) Bernd Lohbeck, Leiter der LVR-Jugendhilfe in Tönisvorst, Beraterin Jasmin Gerhardts-Lüfkens und Pflegemutter Claudia. FOTO: HORST SIEMES
Tönisvorst. Kindern ein Zuhause geben, die nicht im eigentlichen heimischen Umfeld leben können, dafür setzt sich die LVR Jugendhilfe Fichtenhain ein. Sie arbeitet kreisweit mit Pflegefamilien zusammen. Von Bianca Treffer

Das laute Lachen von Paul ist schon von weitem zu hören. Die Begeisterung, auf die Rutsche zu klettern und mit Schwung abwärts zu düsen sind dem Zweijährigen anzusehen. Ein Stückchen weiter tobt sich die neunjährige Emily auf dem Trampolin aus. Ruhe ist hingegen am Sandkasten angesagt. Mit Schaufel und Eimer beschäftigt sich der einjährige Sven. "Wir gehen jetzt zur Bücherei", schallt es von der Terrasse herüber. Die elfjährige Lisa und ihre Freundin winken noch kurz, dann geht die Terrassentür wieder zu. "Das ist der ganz normale Alltag", meint Claudia Schmitz lächelnd, die zeitgleich Trampolin, Rutsche und Sandkasten im Auge hat.

Die 51-Jährige ist keine Tagesmutter. Alle Kinder gehören zwar zu ihr, aber ihre eigenen sind es allesamt nicht. Seit 23 Jahren ist die Nettetalerin als Pflegefamilie im Einsatz und das mit Leib und Seele. "Meine Mutter hat im Bethanien Kinderdorf gearbeitet, und ich bin dort mit groß geworden. Ich habe mir schon immer gesagt, wenn ich einmal eigenen Nachwuchs haben würde, dann wollte ich auch fremde Kinder mit aufnehmen und ihnen ein Daheim geben", erinnert sich Schmitz. Etwas, dass sie zwei Jahre nach der Geburt ihrer ersten Tochter umsetzte. Zu ihren eigenen drei Mädchen, von denen die Jüngste, nämlich Lisa, noch zuhause wohnt, kommen aktuell drei weitere Kinder. Wobei Paul und Emily Dauerpflegekinder sind. Sven befindet sich derzeit noch in der Bereitschaftspflege. Schmitz bringt sich nämlich in beiden Bereichen ein. Das heißt, sie steht auf der einen Seite auf Abruf bereit, wenn die Jugendämter aufgrund von Vorkommnissen im heimatlichen Umfeld von jetzt auf gleich die Unterbringung eines Kindes benötigen. Auf der anderen Seite sind es Kinder, die ihr Leben bis zum Erwachsenenalter in einer Fachpflegestelle verbringen.

Schmitz geht dabei für die LVR Jugendhilfe Fichtenhain in den Einsatz und das auch nicht alleine. Ihr zu Seite stehen die Erziehungsstellenberater der Jugendhilfe, die in Tönisvorst angesiedelt ist. Schmitz kann sich jederzeit mit Fragen oder auftauchenden Problemen an die Berater wenden. Jasmin Gerhardts-Lüfkens ist ihre Beraterin, die damit ein stückweit zur Familie gehört. Dazu kommt ein regelmäßiger Austausch, das Angebot von Fortbildungen und Supervisionen.

"Das Jugendamt entscheidet immer, wann eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und eine Unterbringung notwendig wird. Wir versuchen Kinder unter sechs Jahren nicht in Heimplätze, sondern in uns angehörige Fachpflegefamilien zu vermitteln", sagt Bernd Lohbeck, Leiter der LVR-Jugendhilfe in Tönisvorst. Es handelt sich dabei um Familien, aber auch Paare und Einzelpersonen, die diesen Kindern ein Zuhause geben. Eigene Kinder zu haben ist kein Muss. Wichtig ist nur, dass es sich um Menschen handelt, die über ein pädagogisches Vorwissen verfügen oder bereit sind, sich dieses über Weiterbildungen anzueignen. "Die Kinder kommen aus belastenden Lebenssituationen, die Spuren hinterlassen haben, und der Alltag stellt schon besondere Anforderungen an die Menschen, die mit ihnen zusammen leben", sagt Lohbeck. Wenn Schmitz indes an ihren Alltag denkt, dann stellt sie immer wieder fest, dass bei allem eins ganz wichtig ist - und das ist ein großes Herz. "Es ist kein Job, den man acht Stunden macht und dann nach Hause geht. Man lebt es vielmehr. Die Kinder sind ins eigene Leben integriert. Wir sind eine große Familie, Unterschiede gibt es da nicht. Ich kann immer wieder feststellen, dass wir alle davon profitieren. Meine eigenen Kinder haben so ein ganz anderes Sozialverhalten mitbekommen", sagt Schmitz (Name von der Redaktion geändert).

Quelle: RP
 
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