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Tönisvorst
Ein Leben lang dem Spielverein treu

Tönisvorst: Ein Leben lang dem Spielverein treu
Willi van den Berg ist seit 80 Jahren Mitglied im SV St. Tönis. Vorstand Heinz-Gerd Stroecks (links) überreichte ihm jetzt eine entsprechende Ehrenurkunde. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Der St. Töniser Willi van den Berg wurde bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Spielvereins St. Tönis ausgezeichnet. Seit 80 Jahren ist der Senior dem Verein treu. Von Stephanie Wickerath

Rechts außen war sein Platz. "Immer im Sturm", sagt Willi van den Berg. Lange ist es her, dass der 95-Jährige diese Position in der A-Mannschaft des Spielvereins, kurz SV, St. Tönis innehatte. 70 Jahre, um genau zu sein. Mitglied im Verein ist der Senior noch länger: Bei der jüngsten Versammlung wurde der pensionierte Gärtnermeister für seine 80-jährige Mitgliedschaft geehrt. Ein Leben lang hat Willi van den Berg dem SV die Treue gehalten.

Als van den Berg 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte ("Ich habe mich selbst entlassen", umschreibt der St. Töniser seine Flucht aus Ungarn), waren von den ehemaligen Mannschafskameraden, mit denen er in den 1930er Jahren gespielt hatte, nicht mehr viele da. "Etliche sind im Krieg geblieben, andere waren noch in Gefangenschaft", erinnert sich der Senior. Trotzdem gelang es dem SV, wieder eine Mannschaft aufzustellen. Schon 1947 trat der Verein in der Bezirksklasse an. 1949 schafft das Team gar den Aufstieg in die Landesliga, seinerzeit die höchste Amateurliga am Niederrhein.

Willi van den Berg erinnert sich an die glorreiche Zeit. "Besonders die Gemeinschaft im Verein habe ich in guter Erinnerung", sagt der Senior. Als van den Berg dann aber die Meisterschule besuchte und nur noch am Wochenende nach St. Tönis kam, bliebt keine Zeit mehr für das Fußballspiel. "Wir haben uns nur am Wochenende gesehen, da war ich dagegen, dass er dann auch noch mit dem SV weg ist", erzählt seine Frau Helga, mit der van den Berg seit 66 Jahren verheiratet ist.

Nach der Meisterschule übernahm Willi van den Berg die Gärtnerei der Eltern am Westring und war beruflich so eingespannt, dass er die Fußballschuhe an den Nagel hängte. Der SV aber blieb für den St. Töniser immer eine Herzensangelegenheit. In den 1980er Jahren engagierte er sich als Jugendtrainer, regelmäßig besuchte er die Mitgliederversammlungen und ist bis heute - dank der Zeitungsberichterstattung - auf dem Laufenden, wie es um die sportlichen Erfolge der SV-Kicker steht. Auch mit der ehemaligen Mannschaft hielt van den Berg noch lange Kontakt. "Als wir alle kein Fußball mehr spielten, haben wir einen Kegelclub gegründet und uns dadurch noch viele Jahre lang gesehen", erzählt der 95-Jährige, der sich heute mit Schwimmen fit hält.

Für den SV-Vorstand war es schwer, eine würdige Auszeichnung für Willi van den Berg zu finden. "Alle Ehrennadeln und Urkunden hat er schon", sagt Heinz-Gerd Stroecks vom Vorstand. "80 Jahre Mitgliedschaft sind in der Ehrenordnung gar nicht vorgesehen." Eine Urkunde, ein Präsent und viel Beifall gab es aber dann doch für Willi van den Berg. Gemeinsam mit dem Senior wurden bei der Versammlung im Vereinsheim an der Jahnsportanlage noch weitere Mitglieder geehrt, die ebenfalls auf viele Jahre SV-Treue zurückblicken können.

So sind Hans Gentges, Dr. Peter Kaser, Karl-Heinz Rütten und Fritz Sabrowski bereits seit 70 Jahren Mitglieder des Spielvereins. Eckhard Petsch ist seit 60 Jahren dabei, Wolfgang Frerix seit 50 Jahren, Manfred Troost und Hans Severens sind seit 40 Jahren beim SV. Der Vorstand ist stolz auf seine treuen Mitglieder. "Von den 700 Mitgliedern ist zwar mehr als die Hälfte im jugendlichen Alter", sagt Heinz-Gerd Stroecks, "aber wir sind sehr stolz auf unsere Senioren, die den Verein schon so lange unterstützen."

Quelle: RP
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