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Tönisvorst
Ein leerer Bauch lernt nicht gern

Tönisvorst: Ein leerer Bauch lernt nicht gern
Birgit Koenen, Vorsitzende des Vereins "Apfelblüte", und Pfarrer Ludwig Kamm von St. Cornelius stehen hinter dem Projekt. Flüchtline wie Sana und Mohab, Ahmed und Chibaeze bringen sich ehrenamtlich ein und packen an. FOTO: ACHIM HÜSKES
Tönisvorst. Seit März gibt es täglich ein Frühstück für die Kinder und Jugendlichen im Foyer des Schulzentrums Tönisvorst. Zwischen 25 und 40 Schüler nutzen das kostenlose Angebot, das von Flüchtlingen ausgegeben wird. Von Stephanie Wickerath

Yannik, Oscar und Niklas kommen gerne früh morgens ins Foyer des Schulzentrums Corneliusfeld. "Ich frühstücke zu Hause nicht, hier, zusammen mit den anderen, ist es viel lustiger", sagt der 13-jährige Yannik. Auch Niklas sitzt zu Hause selten am Frühstückstisch, beim Schulfrühstück aber holt der 15-Jährige sich seine tägliche Portion Cornflakes ab. "Außerdem schmiere ich mir manchmal ein Brot für die Pause", erzählt der Sekundarschüler.

Seit März gibt es täglich ab 7.10 Uhr ein kostenloses Frühstück für alle Kinder der weiterführenden Tönisvorster Schulen. 25 bis 40 Schüler nutzen das Angebot. "Wir haben im Hauswirtschaftsunterricht über Ernährung gesprochen", erzählt Annette Stephan, kommissarische Schulleiterin und Hauswirtschaftslehrerin an der Sekundarschule, "etwa die Hälfte der Kinder sagte, dass sie nicht gefrühstückt haben und einige davon hatten auch kein Pausenbrot dabei."

Die Schulpflegschaft beschloss, Abhilfe zu schaffen. Pflegschaftsvorsitzende Angela Krumpen holte den katholischen Pfarrer Ludwig Kamm mit ins Boot, der Spenden sammelt, mit denen das Frühstück finanziert wird. Auch der Verein "Apfelblüte" unterstützt das Schulfrühstück mit Obstspenden. "Eines unserer Ziele ist es, die Gesundheit der Tönisvorster Kinder zu fördern", sagt Birgit Koenen, Vorsitzende des Vereins, "was passt da besser, als Obst zu spenden?"

Allerdings war es schwierig, Eltern zu finden, die das Frühstücksbüfett aufbauen. "Entweder frühstücken sie zu Hause mit ihren Kindern oder sind arbeiten", weiß Angela Krumpen. Die Vorsterin kam auf die Idee, Flüchtlinge zu engagieren, die das Frühstücksangebot ehrenamtlich betreuen. "Jetzt haben wir sechs Flüchtlinge aus Syrien und Afrika, die früh morgens aufschließen, das Büfett aufbauen und sich kümmern", erzählt die Pflegschaftsvorsitzende, die darin auch einen Schritt zur Integration sieht.

Die Geschwister Sana und Mohab sind zwei der sechs Ehrenamtler. Die beiden Studenten aus Syrien (Pharmazie und Medizin) sind seit acht Monaten in der St. Töniser Flüchtlingsunterkunft untergebracht und dringend auf der Suche nach einer Wohnung in St. Tönis. Mit dem Bus sind sie, gemeinsam mit einer jüngeren Schwester, im vorigen Jahr über den Landweg nach Deutschland gekommen. "Unsere Mutter und eine Schwester sind noch in Aleppo und kommen nicht raus", erzählt Sana. Der Vater, ein Professor, ist im Krieg gestorben.

Ahmed kommt aus Guinea. Der 22-Jährige ist froh, mit dem Schulfrühstück eine sinnvolle Aufgabe zu haben. "Ich möchte gerne arbeiten", sagt er. Busfahrer, Elektriker, Küchenhilfe - dem jungen Mann, der seit 14 Monaten in St. Tönis lebt, ist fast egal, was er macht, aber er will sich einbringen. So geht es auch Chibaeze aus Nigeria, der ebenfalls an diesem Morgen Dienst im Schulzentrum am Corneliusfeld hat. Der 34-Jährige ist gelernter Koch, würde aber auch jede andere Arbeit annehmen.

"Wir sind froh, dass wir die Flüchtlinge haben, die die Aufgabe zuverlässig und selbstständig meistern", sagt Annette Stephan. Trotzdem würden sich alle Beteiligten freuen, wenn die Ehrenamtler nicht mehr kommen könnten, weil sie richtige Arbeit gefunden haben.

Quelle: RP
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