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Tönisvorst
Ein Wald voller Geschichte und Geschichten

Tönisvorst. Frühlingsspaziergang - Forstwald: Die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Bäume haben Knospen. Jetzt heißt es: "Runter vom Sofa, raus in die Natur!" Wir zeigen Ihnen, wo es schön ist. Von Stephanie Wickerath

Es ist fast egal, wie das Wetter ist, und auch die Jahreszeit spielt keine Rolle: Im Forstwald ist es immer schön. Läufer, Radfahrer, Hundebesitzer und Spaziergänger tummeln sich auf den Wegen, die in der Mitte sternförmig auf das Forsthaus zulaufen, unserem Start- und Zielpunkt (Forstwaldstraße 530). 1838 als Sommersitz erbaut, ist das Forsthaus heute ein beliebtes Ausflugsziel mit Café und Restaurant (außer dienstags immer geöffnet von 10 bis 23 Uhr). Im kleinen Biergarten steht ein 150 Jahre alter Mammutbaum. Diese Bäume, die in Kalifornien beheimatet sind, können bis zu 100 Meter hoch werden und einen Stammumfang von sieben Metern haben. Ganz so groß und dick ist das Forstwalder Exemplar noch nicht, beeindruckend ist es trotzdem. Wer hier seinen Kaffee trinkt, ist übrigens selten alleine. Ein neugieriger Pfau, der zum Haus gehört, kommt gerne auf die Terrasse in der Hoffnung, ein paar Kuchen- oder Brotkrümel abzustauben.

Wir kehren dem Forsthaus den Rücken und machen uns an der Schranke vorbei auf den Weg in den Wald. Vögel zwitschern, Mäuse rascheln, und Kinder klettern auf gefällte Baumstämme. Bevor wir auf die Eisenbahnstrecke Mönchengladbach-Duisburg stoßen, biegen wir links ab. Beim Bahnübergang am Bellenweg geht es wieder links. Vorbei an der Grundschule, die hier bereits seit 1954 steht, gehen wir über die Plückartzstraße weiter parallel zum Bellenweg. Wir folgen dem Waldweg mit seiner Linkskurve, sehen die neuen kleinen Buchen, die die vom Sturm gefällten Bäume ersetzen, und halten uns bei der zweiten Abbiegung rechts, um die Forstwaldstraße zu überqueren. Hinter einem Schotterweg stoßen wir auf das beeindruckende Exemplar einer Rotbuche, ein typischer Baum im deutschen Wald. Die Rotbuche kann bis zu 350 Jahre alt werden, 40 Meter hoch und ihr Stamm bis zu einem Meter dick. Ihre Früchte, die Bucheckern, sind wertvolles Wildfutter.

Wer zurück zum Forsthaus möchte, kann hier links gehen. Alle anderen folgen dem schmalen Waldweg, der teilweise von einem Reitweg begleitet wird. Am Ende des Weges halten wir uns rechts und stoßen zum ersten Mal auf die Landwehr. Sie wurde auf Veranlassung des Kölner Erzbischofes und Kurfürsten Friedrich II. von Saarwerden im 14. Jahrhundert gebaut. Die Landwehr bildete die Grenze zwischen dem kurfürstlichen Amt Kempen und dem Amt Linn. Früher war die Landwehr mit einer dichten Hecke bewachsen. Die Gräben waren mit Wasser gefüllt.

Weiter geht es auf dem breiten Weg. Kurz vor dem Ende gehen wir links. Diesem Weg folgen wir bis zur Straßenkreuzung Gladbacher Straße/Hückelsmaystraße. Dort sehen wir ein Denkmal, das an die Schlacht an der Hückels May erinnert. Wir schreiben den 23. Juni 1758, in Europa herrscht der Siebenjährige Krieg. Preußen kämpft, unterstützt von England, gegen Frankreich, Österreich und Russland. Es geht um Kolonien in Nordamerika, Indien und der Karibik und um die Machtbalance zwischen den Großmächten in Europa.

In den Wirren des Krieges stehen sich im Juni 1758 an der Hückels May ein 47.000 Mann starkes Heer der Franzosen und 30.500 Preußen gegenüber. Mit List gelingt es dem preußischen Feldherrn Ferdinand von Braunschweig, die überlegenen Franzosen zu täuschen und vernichtend zu schlagen. Rund 70 Jahre später, 1830, wurde der Grundstein zum Landgasthof Hückels May (Öffnungszeiten dienstags bis freitags 12 bis 15 Uhr, dienstags bis samstags 18 bis 23 Uhr, sonntags 12 bis 23 Uhr) gelegt. Heute ist er beliebt bei Hochzeits- und Familienfeiern.

Wir gehen zurück in den Wald, biegen zunächst rechts und nach ein paar Metern links in den Wilhelm-Riemann-Weg ein. Riemann war Oberingenieur bei den Deutschen Edelstahlwerken, Kommunalpolitiker, Presbyter und von 1952 bis 1978 Vorsitzender des Bürgervereins Forstwalds. In dieser Funktion hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass der Forstwald als Kulturlandschaft erhalten blieb. Das steinerne Kreuz der Kölner Kevelaer-Brüderschaft auf der rechten Seite erinnert daran, dass der Pilgerweg der Wallfahrt von der Stiftskirche St. Kunibert Köln nach Kevelaer durch den Krefelder Forstwald führt.

Wir folgen der Allee und treffen auf das Wildgehege, das zum Forsthaus gehört. Rechter Hand geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Quelle: RP
 
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