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Tönisvorst/Forstwald
Eine Eichenallee von Kehn nach Forstwald

Tönisvorst/Forstwald: Eine Eichenallee von Kehn nach Forstwald
Die Fabrikantenfamilie Gerhard Schumacher erbaute das Herrenhaus Groß-Lind. Von hier führte einst eine Eichenallee schnurgerade zum Forsthaus. FOTO: KAISER
Tönisvorst/Forstwald. In der Volksbank-Filiale in St. Tönis zeigt die Bürgerinitiative Forstwald für die Aufforstung des Kasernengeländes eine Fotoausstellung. Alte Pläne machen auch die geschichtliche Verbindung zwischen Tönisvorst und Krefeld deutlich. Von Carola Puvogel und Heribert Brinkmann

Wer in diesen Tagen in die Filiale der Volksbank in St. Tönis kommt, glaubt, er steht im Wald. Die Bürgerinitiative Forstwald für Aufforstung Kasernengelände zeigt in einer Fotoausstellung (zu sehen bis zum 8. Mai), wie sehr die Natur das alte, längst aufgegebene Kasernengelände in Forstwald zurückerobert hat. Heute geht die Stadtgrenze zwischen Tönisvorst und Krefeld durch das Kasernengelände, der kleinere nördliche Teil mit einem Sportplatz gehört zu Tönisvorst, der größere zu Krefeld. Das gesamte Terrain gehört dem Bund. Die Bürgerinitiative Forstwald hat sich formiert, als die Stadt Krefeld plante, einen Großteil des Kasernengeländes zu nutzen und Wohnbebauung dort zu errichten. In Tönisvorst ist die Interessenslage eine andere. Schon vor zehn Jahren regte die "Interessengemeinschaft Laschenhütte" an, die im Flächennutzungsplan ausgewiesene Sonderbaufläche im Bereich des Kasernengeländes als Waldfläche darzustellen. Die Politik wies eine kleine Wohnbaufläche zur Finanzierung der Aufforstung aus. Diese Ausweisung kann Grundlage für Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (ehem. Bundesvermögensamt) sein. Neben dieser Wohnbaufläche verbleibt noch ein ausreichender breiter Raum zur Waldvernetzung mit dem Forstwald. Auch 2009 wurde in den politischen Gremien von sieben bis acht Häusern gesprochen, um die Aufforstung des insgesamt rund 58 000 Quadratmeter großen Gebietes zu finanzieren. Verwirklicht wurden diese Neubaupläne allerdings bis heute nicht, wahrscheinlich schrecken Investoren vor möglichen Altlasten im Boden des Kasernengeländes ab.

In Krefeld waren die Pläne weit aus konkreter - bis ein neuer Rat gewählt wurde. Auf der Hauptversammlung der rund 350 Mitglieder zählenden Forstwalder Bürgerinitiative wurde der Wille bekräftigt, weiter gegen eine Bebauung des rund zehn Hektar großen Geländes im Forstwald an Stock- und Hochbendweg zu kämpfen. Vorstandsmitglied Jürgen Reck, der übrigens in Tönisvorst wohnt, sagte: "50 Prozent der Ratsmitglieder sind neu und haben zu dem Thema Kasernengelände vielleicht noch nicht den aktuellen Wissensstand. Das heißt, dass wir um jede Stimme auch neu kämpfen." Im vergangenen Jahr konnte die Bürgerinitiative nicht verhindern, dass ein mögliches Baugebiet in den Flächennutzungsplan aufgenommen wurde. Der Krefelder Oberbürgermeister Gregor Kathstede versicherte der Initiative in einem Schreiben, dass der neue FNP eine Bebauung wie eine Wiederaufforstung ermögliche. Um Argumente für die Aufforstung zu erhalten, ist die Bürgerinitiative auch in der Geschichte fündig geworden. Sie präsentiert in der Volksbank-Ausstellung auch alte Pläne, die auf die Fabrikantenfamilie um Gerhard Schumacher, der der Krefelder Mennonitengemeinde angehörte, zurückgehen. Seine Familie kaufte Gut Lind und baute es zu Groß-Lind aus. 1822 ließ er dort einen Park anlegen. Drei Mammutbäume vor dem Herrenhaus zeugen noch heute davon. Er kaufte die St. Töniser Heide von der Gemeinde Vorst und forstete sie mit Kiefern auf. In Forstwald errichtete er das Forsthaus als Sommerresidenz. Forsthaus und Groß-Lind verband eine schnurgerade Eichenallee. Sie ist heute nicht mehr vorhanden.

Quelle: RP
 
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