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Tönisvorst
Eine römische Villa Rustica in Vorst?

Tönisvorst: Eine römische Villa Rustica in Vorst?
Im nördlichen Bereich des Grabungsfeldes am Heckenweg in Vorst machten die Archäologen jetzt überraschend Funde aus der römischen Zeit (1. Jahrhundert). Bisher waren vor allem eisenzeitliche Funde entdeckt worden. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Im Grabungsfeld am Heckenweg in Vorst machten die Archäologen verschiedene Funde einschließlich Keramik, die auf eine römische Villa oder ein Dorf schließen lassen. Bei den Grabungen ging es vorher immer um die frühere Eisenzeit. Von Heribert Brinkmann

Bisher waren die Archäologen auf der Suche nach einer eisenzeitlichen Besiedlung. Jetzt stießen die Archäologen der Kölner Archbau auf einen Befund, den sie als römisch deuten. Datiert werden sie in das erste Jahrhundert nach Christi Geburt, also rund 500 bis 600 Jahre später als die Funde aus der Eisenzeit. Wie Dirk Herdemerten, Niederlassungsleiter von Archbau Rheinland Süd, und Michael Schneider, urlaubsbedingt zur Zeit Grabungsleiter vor Ort, gestern bestätigten, könnte man den Randbereich einer Villa Rustica gefunden haben. Möglich wäre auch ein kleines römisches Dorf. Das wäre aber noch im Erdreich verborgen

Auf der Kempener Platte gibt es ein ganzes Netzwerk dieser römischen Häuser. Im Falle von Vorst handelt es sich dabei nicht um einen Ziegelbau, sondern um einen Pfostenbau. Die tief in die Erde getriebenen Holzpfosten tragen ein Holzgerüst für die Räume der Bewohner. Die Besiedlung wurde durch einen 40 Zentimeter breiten Graben abgetrennt. Gefunden wurden neben dem Hausgrundriss Siedlungsgruben, die mit Abfall verfüllt waren. Dabei wurden auch Keramikscherben gefunden, die wohl eindeutig als römisch datiert werden konnten. Sie sollen jetzt gewaschen und noch genauer untersucht werden. Mit Villa Rustica ist ein großes Landgut mit landwirtschaftlichem Betrieb gemeint. Es besteht aus einem Haupthaus und mehreren Wirtschafts-Nebengebäuden. Die fruchtbare Ackerlandschaft des Rheinlands war wabenartig im Abstand weniger Kilometer mit einer Vielzahl solcher Landgüter überzogen, die meistens auch umwehrt waren. Auch in Vorst wurde ein solcher Graben, der mit Wasser gefüllt war oder auch der Entwässerung diente, im Boden gefunden. Insgesamt sprechen die Archäologen von einem schönen Gesamtbild.

Die Archäologen haben im römischen Bereich auch einen Brunnen gefunden. An dieser Stelle soll etwas tiefer als an den anderen Fundstellen gegraben werden. Damit könnte sich die Hoffnung der Archäologen, in Vorst eine Siedlung als Pendant des römisch-germanischen Gräberfeldes am Hinkes Weißhof (gegenüber Action Medeor) zu entdecken, erfüllen.

Insgesamt ist die Fundlage mit römischen Relikten gegen Norden in Nachbarschaft zum Försterhof interessanter als am südlichen Rand. Grabungsleiterin Melanie Eigen findet es extrem spannend, dass bei den aktuellen Grabungen bisher sowohl Siedlungs- als auch Bestattungsspuren gefunden wurden. Damit ist man weiter gekommen, als die Sondagen der Vorgängergrabungen 2009 und 2010.

Die aktuelle Grabung sollte im Oktober abgeschlossen sein. Die Archäologen von Archbau Köln wollen auch weiter im gesetzten Zeitrahmen bleiben, durch die neue Fundlage könnten sich die Grabungen etwas verlängern, maximal bis in den November hinein. Das hängt auch mit dem Wetter zusammen. Bei Regen können die Funde nicht gezeichnet werden, bei Bodenfrost sind Grabungen ausgeschlossen. Wie Catharina Perchthaler, Pressesprecherin der Stadt Tönisvorst, gestern mitteilte, haben die erneuten Funde wahrscheinlich keine Auswirkungen auf den Zeitrahmen fürs neue Baugebiet Vorst-Nord. Die Stadt rechnet, dass die Grabungen spätestens Anfang November beendet sein werden, und die Ergebnisse als Grundlage für das Bebauungsplan-Verfahren miteinfließen.

Quelle: RP
 
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