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Tönisvorst
Eisenzeitliche Grabstätte gefunden

Tönisvorst: Eisenzeitliche Grabstätte gefunden
Die Kölner Archäologin Melanie Eigen leitet die Ausgrabungsarbeiten für das Neubaugebiet Vorst-Nord am Heckenweg. Für das Foto zeigt sie eine aktuell gefundene Scherbe eines eisenzeitlichen Gefäßes. FOTO: ACHIM HÜSKES
Tönisvorst. Im Neubaugebiet Vorst-Nord haben die Archäologen mit den Sondierungsgrabungen begonnen. Bisher wurden Pfähle, Gräben und Gruben als Erdverfärbungen entdeckt und ein paar Scherben gefunden. Sie werden auf 800 v. Chr. datiert. Von Heribert Brinkmann

Die Archäologen haben mit ihrer Arbeit in Vorst-Nord begonnen. Bevor die Bagger für das Neubaugebiet anrollen, muss der Boden auf verborgene Funde untersucht werden. Denn Vorst ist ein archäologisch interessantes Gebiet. Von 1984 bis 1986 entdeckte Cleve Bridger auf dem Areal von "Am Hinkes Weißhof" ein Brandgräberfeld aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Das hat natürlich die Fantasie angeregt: Wenn es dort ein Gräberfeld gibt, wo ist dann die dazu gehörende Siedlung? Bisher ist sie noch nicht gefunden. Dagegen sind die Archäologen in Alpen-Ost ganz aktuell auf eine römerzeitliche Germanensiedlung gestoßen.

Die jetzt gefundene eisenzeitliche Brandgrabstätte. FOTO: STADT

Auch in der aktuellen Grabung sind die Archäologen dem Rätsel noch nicht auf die Spur gekommen. Die leitende Archäologin Melanie Eigen aus Köln hat zwar in der kurzen Zeit vor Ort schon 150 Befunden, aber in der Mehrzahl handelt es sich um Bodenverfärbungen, die schnell dokumentiert werden müssen. In der Hitze wird der Boden schnell hart und grau, so dass ein ungeübtes Auge gar keine Unterschiede mehr erkennen kann. 80 Prozent der Bodenverfärbungen rühren von Holzpfosten einer Bebauung her, hinzukommen kleinen Gruben und Gräben. Von einer Siedlung bisher keine Spur. Die Keramikscherben, die das Grabungsteam der Firma Archbau bisher aus dem Ackerboden geholt hat, stammen aus der Eisenzeit und dem Mittelalter - wobei die Eisenzeit um etwa 800 vor Christus beginnt und damit einen Zeitraum lange vor Römern und Germanen meint. Dass nur vereinzelte Scherben gefunden werden, ist normal. Viele schlecht gebrannten Gefäße sind zerbröselt, Pflüge und grabende Tiere haben die Teile im Erdreich weiterverteilt.

Der spannendste Fund ist eine eisenzeitliche Bestattung, eine Stelle, die auch ein Laie nachvollziehen kann, aber für die Archäologen eine Überraschung ist. Die Stelle ist schwarzgefärbt, was von der Holzkohle herrührt, von einem Gefäß hebt sich ein roter Ring ab, daneben weiße Teile, was auf Knochenreste hindeuten könnte.

Spaziergänger am Heckenweg werden auf dem westlichen Feld nur den Erdaushub sehen. Mit dem Bagger haben die Archäologen drei 9 Meter breite und 170-180 Meter lange Schnitte angelegt. Sie sind etwa 80 bis 100 Zentimeter tief und verlaufen von Ost nach West. Ist das Terrain untersucht, wird die Grube wieder verfüllt und im Nachbarstück gegraben. Insgesamt werden die Archäologen 5 Hektar sondieren. Wird etwas gefunden, werden die Teile ins Magazin nach Bonn gebracht, wo das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland sie einlagert. Fundstücke aus dem Depot werden vom LVR aber auch auf Antrag als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt, um sie etwa im Rathaus oder beim Heimatverein auszustellen.

Quelle: RP
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