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Tönisvorst
Flüchtlinge in Forstwald: Mehr Polizei?

Tönisvorst: Flüchtlinge in Forstwald: Mehr Polizei?
500 Gäste kamen ins Pädagogische Zentrum des Gymnasiums Horkesgath - mehr passten nicht, vereinzelt mussten Interessenten draußen bleiben. FOTO: Thomas Lammertz
Tönisvorst. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat am Montag in einer Bürgerversammlung mit 500 Besuchern die Planungen für die Unterkunft für 1000 Flüchtlinge in der Forstwalder Kaserne erläutert. Bürgermeister Goßen meldete sich zu Wort. Von Carola Puvogel

/ FORSTWALD Für Regierungspräsidentin Anne Lütkes war es die erste Bürgerversammlung zum Thema Flüchtlingsunterbringung nach den Geschehnissen der Silvesternacht in Köln: Vor rund 500 Zuhörern erläuterte Lütkes am Montagabend die Pläne des Landes Nordrhein-Westfalen, auf dem ehemaligen Kasernengelände in Forstwald, unmittelbar an der Ortsgrenze zu Tönisvorst, eine Flüchtlings-Notunterkunft für bis zu 1000 Menschen zu bauen. Die Unterkunft soll, wie Lütkes formulierte, zum 1. April "ans Netz gehen". Die Planungen für das 40.000 Quadratmeter große Areal mit Leichtbauhallen, das in vieler Hinsicht an eine kleine Stadt erinnert, sind weit fortgeschritten.

Im Publikum saß auch Tönisvorsts Bürgermeister Thomas Goßen. Er war nicht, wie Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer, eingeladen, auf dem Podium Platz zu nehmen. Dennoch erhielt er Rederecht, die Regierungspräsidentin ging ausführlich auf seinen Beitrag ein. Goßen forderte, dass es auch für Tönisvorst eine faire Lösung geben müsse. Es sei selbstverständlich, dass die 1000 Plätze aufgrund gesetzlicher Vorgaben zu hundert Prozent Krefeld angerechnet werden, obwohl zu erwarten sei, dass die Flüchtlinge sich aufgrund der Nähe eher nach Tönisvorst orientieren würden, als in die viel weiter entfernte Krefelder Innenstadt. "Wir als Kommune sind weit über die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit hinaus gegangen", sagte Goßen. Dennoch sei klar, dass man fair auf die Menschen zugehen müsse und "denjenigen, die vor uns stehen, und die guten Willens sind, helfen muss".

Plan der Flüchtlingshallen: Unten die Toreinfahrt, in der rechten Hälfte liegen die vier Unterkunftshallen und die Sanitäreinrichtungen, links u. a. Krankenstation, Kleiderkammer und Aufnahmehalle. FOTO: CHRISTIAN LOOS

Anne Lütkes versprach, sich um eine faire interkommunale Lösung zu bemühen. Sie könne Tönisvorst nicht von der Last befreien, aber eine Lösung finden, die eine gewisse Anrechnung möglich machen und Fragen der Quantität der Zuweisung sauber lösen soll.

Viele Fragen der teils emotional geführten Diskussion im Forum des Gymnasiums Horkesgath drehten sich um das Thema Sicherheit. "Die Zahl von 1000 zu erwartenden Flüchtlingen hat mich geschockt", sagte eine Anwohnerin und traf damit den Nerv vieler Zuhörer im Publikum. "Wir haben hier keine Polizeidienstelle in Forstwald - manchmal sitzt ein Polizist am Hochbendweg, meistens aber nicht. Nach den Vorfällen an Silvester haben wir alle ein bisschen Angst." Und in Richtung der Regierungspräsidentin: "Ich verlange, dass Sie die Sicherheit der Bürger garantieren."

Anne Lütkes versicherte, Sicherheit sei generell und gerade nach der Silvesternacht ein Hauptthema. Bis zum April sei noch genug Zeit, um ein "sehr sauberes Konzept" vorzulegen. Innerhalb der Einrichtung werde ein Sicherheitsdienst zuständig sein. Für die Sicherheit im Umfeld der Flüchtlingsunterkunft sei nicht das Land, sondern die Polizei zuständig, mit der man intensiv zusammenarbeite. Michael Bauermann, Vertreter der Verbindstelle zwischen Landespolizei und den Bezirksregierungen, berichtete, dass es Standard sei, "rund um Einrichtungen dieser Art umfangreiche Präsenz- und Schutzmaßnahmen" vorzusehen. Die Landespolizei sei in Sachen Sicherheit rund um Flüchtlingsunterkünfte weisungsberechtigt gegenüber der Kreispolizei und könne bei Bedarf "nachsteuern". Angaben zu "wie viele Streifenwagen" und "wann wird die Wache besetzt" könne man aktuell nicht machen. Er räumte auch ein, dass die Auslastung der Polizei groß sei. "Ich habe keinen Beamten in der Tasche, den ich Ihnen schenken könnte", sagt Bauermann.

Für die Zeltstadt wird etwa ein Viertel des ehemaligen Forstwalder Kasernengeländes in Anspruch genommen, dieses Areal wird komplett eingezäunt. Die Bewohner können sich auch außerhalb der Unterkunft frei bewegen. Das Gelände teilt sich etwa zur Hälfte auf in Wohn- und Sanitärbereiche, zur anderen Hälfte in Aufenthalts- und Versorgungsflächen. Die Hauptzufahrt bleibt als solche erhalten, zwei weitere, für Feuerwehr und Versorgung, kommen hinzu. Die Bewohner werden im Schnitt etwa zwei Wochen in der Notunterkunft bleiben, bevor sie auf andere Städte verteilt werden.

Quelle: RP
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