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Tönisvorst
Flüchtlinge legen das Sportabzeichen ab

Tönisvorst: Flüchtlinge legen das Sportabzeichen ab
Auf dem Vorster Sportplatz haben Flüchtlinge mit Unterstützung von Mitgliedern des TV Vorst erstmals das Sportabzeichen abgelegt. Die Asylsuchenden leben zum Teil in den Wohncontainern neben dem Sportplatz. FOTO: Hüskes
Tönisvorst. In Vorst funktioniert die Integration von Flüchtlingen vorbildlich. Ehrenamtler geben Sprachunterricht und trainieren mit den Männern für das Sportabzeichen. In den Vereinen sind die Ausländer willkommen. Von Stephanie Wickerath

Mohamed aus Marokko ist eine echte Sportskanone. "Er hat mich in fast allen Disziplinen geschlagen", sagt Michael Schütte und grinst dabei. Der Vorster trainiert seit ein paar Wochen mit einigen der Flüchtlinge, die in der Turnhalle am Wiemespfad untergebracht sind, für das Sportabzeichen. Unterstützt wird er dabei vom Turnverein Vorst. "Ist doch schön, wenn die Männer daran Spaß haben", sagt Hans Schriefers, der gemeinsam mit Klaus Rietzler die Abteilung Sportabzeichen leitet.

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Berührungsängste oder Vorurteile haben die sportlichen Vorster nicht. "Warum auch? Die sind doch alle sehr freundlich", sagt Hans Schriefers. Die Flüchtlinge selber freuen sich jedes Mal auf den sportlichen Spätnachmittag mit Michael Schütte. "Das ist eine tolle Aktion", sagt Mohamed. Die Sportkleidung, die die Männer tragen, ist gespendet. "Auch das läuft super in Vorst", sagt Edith Mascini, die die Flüchtlinge zusammen mit Göksu Kocak ehrenamtlich betreut und viele Sachen angestoßen hat.

Dazu gehörte ein Grillfest für Flüchtlinge und die Nachbarschaft am Wiemespfad, dazu gehört der Deutschunterricht, den Edith Mascini, Göksu Kocak, Gudrun Brendler oder Corinna Schlebusch dreimal in der Woche geben. Unterstützt werden sie dabei von der evangelischen Kirche. "Pfarrer Pätzholt hat uns den Schlüssel für das Gemeindezentrum überlassen", freut sich Edith Mascini. So können die ehrenamtlichen Lehrerinnen jederzeit die Räume nutzen. "Wir geben jetzt zwei Kurse parallel", erklärt Gudrun Brendler, "das ist ja keine homogene Gruppe. Die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich." Deshalb erteilen die vier Frauen den Unterricht einmal für Fortgeschrittene und einmal für Anfänger.

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Und Anfänger kommen immer wieder hinzu. Lebten vor einem Monat noch 18 Männer in der Turnhalle, sind es jetzt schon 33. Die Neuankömmlinge begrüßt hat auch Dr. Holger Schmitz. Der Vorster Allgemeinmediziner kam kürzlich spontan mit seinem Praxisteam in die Turnhalle, um den Flüchtlingen die Hand zu schütteln und sich vorzustellen.

"Auch die Vorster Vereine sind toll", erzählen die ehrenamtlichen Betreuerinnen. Nicht nur der TV, bei dem die Flüchtlinge das Sportabzeichen abgelegt haben, auch der SV Vorst unterstützt die jungen Männer. Jederzeit dürfen sie am Fußballtraining des SV teilnehmen. Auch Beachvolleyball haben die Flüchtlinge schon mit den Sportlern gespielt und am Trimm-Dich-Pfad in der Rottheide waren sie ebenfalls unterwegs. Mohamed aus Marokko findet so viel Freundlichkeit und Offenheit nicht selbstverständlich. "In jedem Land gibt es Rassisten und in jedem Land gibt es gute Menschen", sagt der junge Mann. Er habe aber den Eindruck, in Vorst gebe es besonders viele gute Menschen. "Und dafür bin ich sehr dankbar", sagt Mohamed, "es ist toll, wie sich hier alle um uns kümmern und uns helfen wollen."

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Edith Mascini freut sich auch über die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung. "Kleidung, Reiskocher, Lebensmittel, Sportschuhe, Bettbezüge - über die Tönisvorster Flüchtlingshilfe oder auch von Vorstern, die direkt zur Turnhalle kommen, haben wir ganz viele tolle Sachen geschenkt bekommen, die die Männer wirklich gut gebrauchen können." Was weiterhin benötigt werde, seien Fahrräder. "Die müssen nicht mehr top in Ordnung sein", sagt die Ehrenamtlerin. Die Flüchtlinge seien in der Lage, die Räder zu reparieren und wieder fahrtüchtig zu machen.

Quelle: RP
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