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Tönisvorst
Flüchtlinge wollen sich einbringen

Tönisvorst: Flüchtlinge wollen sich einbringen
Rund 40 Flüchtlinge waren zur ersten Jobbörse in den Ratssaal gekommen, um sich über Jobs, Ausbildung und Praktika bei Tönisvorster Unternehmen zu informieren. Leider fanden nur zehn Firmenvertreter den Weg ins Rathaus. FOTO: W. KAISER
Tönisvorst. Eine Jobbörse, die Unternehmer und Flüchtlinge zusammenbringt, haben der Ortsverband der Grünen und die Stadt Tönisvorst organisiert. Im St. Töniser Ratssaal trafen rund 40 Flüchtlinge auf zehn Unternehmer. Von Stephanie Wickerath

Sabine Wittkamp ist umringt. Gleich drei Frauen steuern die Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes Viersen an. "Wir suchen Pflegekräfte für unsere Einrichtungen", hatte die DRK-Frau zuvor bei der Vorstellungsrunde der potenziellen Arbeitgeber gesagt. Auch die Tönisvorster Unternehmer Vera Kohnen und Christian Hülsemann, die für ihre Autowerkstätten Mechaniker und Auszubildende suchen, werden schnell angesprochen. Nach und nach kommen alle miteinander ins Gespräch.

Genauso so haben Dr. Ralph und Meral Thoms vom Ortsverband der Grünen sich die erste Tönisvorster Jobbörse vorgestellt. "Wir haben Handwerker und Unternehmer im Ort, die Arbeitskräfte suchen, und wir haben viele hochmotivierte und teilweise gut qualifizierte Flüchtlinge, die arbeiten wollen", sagt Meral Thoms. Es biete sich an, beide Seiten mal zusammen zu bringen. Unterstützt wird die Jobbörse von der Stadt Tönisvorst, allen voran vom Wirtschaftsförderer Markus Hergett. Der bedauert, dass nur wenige Unternehmer den Weg in den Ratssaal gefunden haben, freut sich aber über das Engagement der Flüchtlinge.

Die sind nämlich nicht einfach nur gekommen, sondern haben sich auf mögliche Vorstellungsgespräche gut vorbereitet. So hängen zahlreiche Lebensläufe auf Stellwänden im Ratssaal. Da stellt sich Mohammad Asaad vor, der in einem Restaurant gearbeitet hat und jetzt gerne Bürokaufmann lernen würde. Die 19-jährige Fatma Ali möchte gerne das Friseurhandwerk lernen. Nawaf Khalid kann sich vorstellen, als Briefträger oder Bäcker tätig zu sein. Mohamad Tarras hat bereits als Teppichleger und Tapezierer gearbeitet und würde gern wieder in diese Branche einsteigen. Die meisten Flüchtlinge zeigen sich flexibel. Als "Schreiner, Gärtner oder Kellner" kann sich Besim Elezay seine berufliche Zukunft in Deutschland vorstellen, und Arian Sleman würde sowohl als Mechaniker, als auch als Elektriker oder Fotograf arbeiten.

"Besonders die jungen und qualifizierten Flüchtlinge sind eine Chance für Tönisvorst", ist Meral Thoms überzeugt, "deshalb ist es uns wichtig, sie im Ort zu halten." Und damit die potenziellen Arbeitgeber - ein Bäcker, ein Schreiner, ein Dachdecker, ein Vertreter aus der Kempener Industrie und zwei Unternehmer aus dem Baugewerbe sind noch darunter - auch wissen, wen sie vor sich haben, hat jeder Flüchtling seinen Lebenslauf noch einmal in tabellarischer Form dabei. Unterstützt wurden die Arbeitssuchenden dabei von Oberstufenschülern und Lehrern des Michael-Ende-Gymnasiums, allen voran Nihal Demirhan, die die Willkommensklasse für jugendliche Flüchtlinge an der Tönisvorster Schule leitet.

Gleich mehrere Lebensläufe nimmt Tom Harmes schließlich mit. Der Gründer von "Tom kommt" bietet Maler- und Verputzarbeiten an, Entrümpelungen, Umbauten und Renovierungen gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. "Wir haben viele junge Leute im Ort, die alle nicht ins Handwerk wollen", sagt der Unternehmer, "ich brauche aber dringend Auszubildende." Schon länger sei er deshalb im Gespräch mit der Flüchtlingshilfe, bisher sei eine Festanstellung an den Sprachproblemen gescheitert. Aber wer weiß, vielleicht hat der Firmengründer den Lebenslauf seines neuen Azubis jetzt bereits in der Tasche.

Quelle: RP
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