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Tönisvorst
Gewerbeflächen: Stau oder Fehlanzeige

Tönisvorst: Gewerbeflächen: Stau oder Fehlanzeige
Auch beim Gewerbegebiet Mühlenstraße - ehemals Cray Valley - geht es nur schleppend voran. Interessenten für die neue Vermarktung sind da, aber die Stadt ist abhängig von den Aktivitäten des Grundstücksbesitzers. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Die Fraktionen von SPD und Grünen wollen bei der Wirtschaftsförderung nachhaken. Für den Fachausschuss listet die Verwaltung die Situation der Gewerbegebiete in Tönisvorst auf. Fazit: Es geht nicht voran, es hakt an vielen Enden. Von Heribert Brinkmann

In ihrer Anfrage an den Bürgermeister zum Stand der Wirtschaftsförderung wollen die Fraktionen der SPD und Grünen wissen, ob die Stadt die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken befriedigen kann oder ob Betriebe abwandern müssen? Auch wenn der gemeinsame Vorstoß beider Fraktionen vor allem auf die Tätigkeit von Wirtschaftsförderer Markus Hergett abzielt, zeigt die Antwort der Verwaltung die ganze Malaise, in der die Stadt steckt: Die Stadt verfügt über keine eigenen Grundstücke zur Vermarktung, sondern ist von den Aktivitäten der Grundstückseigentümer abhängig. Das zeigt sich ganz deutlich beim Gewerbegebiet Mühlenstraße, dem ehemaligen Cray Valley-Gelände. Dort könnte man schon längst weiter sein, das Interesse, das seitens der Verwaltung geweckt wurde, soll groß und konkret sein, doch die Aktivitäten des Eigentümers stocken. An der Mühlenstraße ist somit schon länger "Hängen im Schacht". Sollte hier etwas passieren, könnten die Pläne aber zügig umgesetzt werden.

Schlimmer scheint die Situation im Gewerbegebiet Höhenhöfe zu sein. Dort erschwert ein Eigentümerwechsel aktuell die Ansiedlung von Unternehmen. Allein bis zu sieben von der Wirtschaftsförderung mit den jeweiligen Interessenten gemeinsam erarbeitete und an den Vermarkter herangetragene Ansiedlungsvorhaben könnten dort angeblich verwirklicht werden, wenn die Kaufverträge endlich abgeschlossen werden könnten.

Dazu kommt, dass der Ortsteil St. Tönis größtenteils in einer Wasserschutzzone liegt, was einige Ansiedlungsvorhaben erschwert oder ganz unmöglich macht. So musste die Ansiedlung eines Baumarktes an den Höhenhöfen abgelehnt werden. Ein bereits angedachter Ausstieg aus der Förderung von Trinkwasser und eine Planabänderung dauert allerdings noch etliche Jahre, falls diese überhaupt von der Bezirksregierung genehmigt wird.

Allerdings zeichnet sich in dieser Frage ein cleverer Befreiungsschlag ab: ein Sprung des Gewerbegebietes über den Südring nach Süden. Bisher gestaltete sich die Situation so, dass planungsrechtlich die benachbarten Gewerbegebiete Höhenhöfe (Real-Markt, Aldi, Netto, dm, Intersport, u.a.) und Tempelshof (van Haag, Schröter Bürobedarf, Städtereinigung Gerke, Graeven Metalltechnik u.a.) eine Erweiterungsfläche nach Norden auswiesen. Doch die Eigentümer der Grundstücke - dort liegt auch ein Teil des Obstgutes Tackheide - wollten nicht verkaufen, wodurch die Erweiterung des Gewerbegebietes dort nie verwirklicht werden konnte.

Die Verwaltung hat diese Reservefläche aufgegeben und schlägt eine Verlagerung der Fläche vom Norden des Tempelshofes nach Süden jenseits des Südrings vor. Dabei handelt es sich zwischen Südring und Düsseldorfer Straße um Ackerflächen. Im Entwurf des Regional-planes der Bezirksregierung Düsseldorf wurde die Reservefläche nördlich des Gewerbegebietes Tempelshof auf Wunsch der Stadt Tönisvorst nach Süden verlegt. In den Kommunalgesprächen wurde der Stadt garantiert, so führt sie in ihrer Vorlage selber aus, dass alle Reserveflächen im gültigen Regionalplan auch im neuen Plan Bestand hätten. Für die Stadt sei es selbstverständlich, dass diese Garantie auch bei einem Tausch von Flächen eingehalten werde. Wenn man allerdings in den Entwurf des Regionalplanes schaut, so ist die Austauschfläche im Süden wesentlich kleiner eingetragen. In der Vorlage heißt es noch, es sei "mehr als verwunderlich, dass die getauschte Reserve so drastisch verkleinert wurde." Auf Nachfrage erklärte Fachbereichsleiter Marcel Beyer, dass man diesen "Pferdefuß" wohl hinnehmen müsse. Eine solche Änderung brauche allerdings drei bis fünf Jahre Zeit. Ob dann die Flächen dort überhaupt verkauft werden, steht ebenfalls in den Sternen. Die Landwirtschaft gehe mit Flächenverkauf sehr restriktiv um.

Quelle: RP
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