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Tönisvorst
Gloria hat zwei Wochen Verspätung

Tönisvorst: Gloria hat zwei Wochen Verspätung
Hans-Leo Sieben und sein Sohn Andre zeigen eine Maschine, mit der die Kartoffeln noch auf dem Feld in Säcke gefüllt werden. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Auf dem Clörather Kartoffelhof Sieben ist die Ernte der Erdäpfel gestartet - zwei Wochen später, als geplant. Mit Gloria kommen die neuen Kartoffeln auf den Teller. Von Bianca Treffer

Vor Pfingsten klingelten bei Hans-Leo Sieben und seinem Sohn Andre schon kräftig die Telefone. "Die Marktbeschicker und Hofläden, die unsere Kartoffeln vertreiben, riefen an und fragten nach den neuen Kartoffeln, die sie passend zum Pfingstfest verkaufen wollten", sagt Hans-Leo Sieben. Doch daraus wurde nichts. Die neuen Kartoffeln waren noch nicht so weit. In diesem Jahr liegt der Clörather Kartoffelhof zwei Wochen hinter dem optimalen Termin.

Die Verspätung begann schon im Februar. Normalerweise werden die Kartoffeln Anfang Februar gepflanzt. Doch in diesem Jahr war der Boden so nass, dass die Siebens erst Ende Februar mit den Pflanzungen begannen, als der Boden dank einiger schöner Tage etwas abgetrocknet war. "Natürlich können wir mit den heutigen Traktoren und Maschinen immer aufs Feld. Aber wenn es so nass ist, wie es war, macht man sich den Boden kaputt, und das wollen wir nicht", erklärt Hans-Leo Sieben. Direkt mit den Pflanzungen brachten die Landwirte ein Vlies und eine Folie aus. Eine optimale Kombination zur Wärmeverstärkung und damit wachstumsfördernd.

Doch wenn der März von Anfang bis Ende, wie es in diesem Jahr war, kalt bleibt und die Sonne nicht scheint, kann sich auch nichts erwärmen. Tagsüber lagen die Temperaturen bei null Grad und in der Nacht teils bei minus fünf Grad. "Wir haben Ende März in der Erde gebuddelt und mussten feststellen, dass sich bei den Pflanzen nichts getan hatte. Vorgekeimte Kartoffeln brauchen eine Bodentemperatur von fünf Grad, wenn sie sich entwickeln sollen", informiert Hans-Leo Sieben. Der April präsentierte sich im Anschluss durchwachsen. Mal war es schön, mal kühl. Für die Kartoffeln bedeutete dies, dass sie sich normal entwickeln konnten, aber den Rückstand holten sie nicht mehr auf.

Der April hielt zudem für das Vater-Sohn-Gespann einige nervenauftreibende Nächte bereit, weil Frost angesagt war. "Wir liegen bei solchen Ankündigungen von Mitternacht bis in den Morgenstunden ständig auf der Lauer. Jede Stunde geht der Wecker, und wir überprüfen die Temperaturentwicklung", berichtet Hans-Leo Sieben. Die Blicke gehen in solchen Nächten nicht nur zum Thermometer, sondern auch in den Himmel. Ziehen Wolken auf, wird es nicht kälter. Bleibt es klar, könnten die Temperaturen weiter fallen. Der Rasen ist daneben ein weiterer guter Anhaltspunkt: "Der Rasen ist feucht vom Tau, und wenn es anfängt zu frieren, glitzert er sofort. Einmal mit der Taschenlampe leuchten gibt Klarheit", verrät der Senior.

Ein bis anderthalb Grad Minus machen den abgedeckten Kartoffeln nichts aus. Geht es weiter runter, muss die Frostberegnung eingeschaltet werden. Auf elektrische Frostwächter vertrauen Vater und Sohn nicht. "Wenn etwas schief geht, war die ganze Arbeit umsonst. Kriegen die Kartoffeln einmal Frost ab, werden sie bis zu zehn Tage in der Entwicklung zurückgeworfen. Das war es dann mit den Frühkartoffeln", sagt Hans-Leo Sieben. Vor drei Wochen kamen Folie und Vlies runter. Immer wieder gingen die Siebens mit der Gabel ins Feld, um zu schauen, wie weit die Kartoffeln sind. Sie machten einzelne Sträucher aus und probierten.

In der vergangenen Woche war klar: Es ist so weit. Pfingstmontag fuhr der Roder das erste Mal über das Feld. Das Ergebnis: Erdäpfel feinster Qualität, die nicht geschält werden müssen, sondern einfach kurz abgewaschen in den Topf kommen. Die ganz frühe Sorte ist aktuell Gloria. Ihr folgt in rund einer Woche die Sorte Annabelle. Geschmacklich sind beide ähnlich. Bei Sieben gab es die ersten neuen Kartoffeln indes ganz klassisch mit Spargel und Schinken. "Abends haben wir die restlichen Kartoffeln kurz in der Pfanne geschwenkt und ohne etwas dazu gegessen. Die schmecken einfach auch ohne alles", sagt Hans-Leo Sieben.

Beim Hofverkauf, Clörath 82 in Vorst, kann der Kunde aktuell auf Lagerware und neue Kartoffeln zurückgreifen. Auf dem Hof gehören 40 Hektar Fläche den Kartoffeln. Auf vier Hektar bauen die Siebens dabei Frühkartoffeln an.

Quelle: RP
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