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Tönisvorst
Handwerker suchen dringend Nachwuchs

Tönisvorst. Es wird immer schwerer, Jugendliche für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf zu begeistern. Der Verein "Handwerker in Tönisvorst" wirbt deshalb offensiv für die Branche. Von Stephanie Wickerath

Sie arbeiten in Brauhäusern und Leichenhallen, bauen Schaltschränke und montieren Kühlanlagen. "Kaum einer weiß, wie vielseitig der Beruf ist und welche Aufgabenfelder wir abdecken", sagt Norbert Parlings. Fast 20 Jahre ist es her, dass der St. Töniser die Firma Benrader Klima Technik gegründet hat. Heute hat der Unternehmer zwölf Mitarbeiter und würde gerne zum August wieder ein paar Lehrlinge einstellen. "Bisher haben wir allerdings keine Bewerbung vorliegen", sagt der Firmengründer, "dabei wäre es jetzt an der Zeit, sich zu bewerben."

Bei den anderen Tönisvorster Unternehmern am Tisch sieht es nicht anders aus. Ein Kfz-Meister ist dabei, zwei Schreinermeister, ein Malermeister und eine Fotografin. Sie alle wollen ausbilden, aber ihnen fehlen die Bewerber. "Mehr als 60 Prozent eines Jahrgangs machen heutzutage Abitur", sagt Malermeister Thorsten Engler, Vorsitzender des Vereins Handwerker in Tönisvorst. "Ich weiß nicht, ob die auch alle studieren, aber zu uns kommen sie jedenfalls nicht." Dabei sei das Handwerk keinesfalls nur etwas für "Dummies". "Mittlerweile arbeiten wir mit so viel Computertechnik und beschäftigen uns mit so komplexen Zusammenhängen, dass ein gewisses Know-how nicht schadet", sagt Kfz-Meister Christoph Kohnen, der in zweiter Generation eine Autowerkstatt für alle Modelle in St. Tönis leitet.

Auch bei den Schreinern seien räumliches Sehen und fundierte mathematische Kenntnisse gefragt, sagen die Schreinermeister Helge Schwarz und Christian Kohnen. Und die versammelte Handwerkerschaft räumt noch mit weiteren Vorurteilen auf. "Durch den Einsatz der Technik sind viele Handwerksberufe körperlich längst nicht mehr so anstrengend wie früher", sagt Malermeister Engler. Auch der Verdienst sei in einigen Branchen beachtlich. "Natürlich verdient ein Elektriker in einem kleinen Betrieb nicht so viel, wie in der Industrie", weiß Christoph Kohnen, dafür entlasse der kleine Betrieb aber auch nicht so schnell zwanzig Prozent seiner Mitarbeiter. "Und dadurch, dass ein Handwerker sich selber gut zu helfen weiß, spart er eine Menge Geld bei Handwerkerrechnungen", wirft Kältetechniker Norbert Parlings ein weiteres schlagkräftiges Argument, heutzutage den Handwerkerberuf zu ergreifen, in die Waagschale.

Und selbst wenn die Jugendlichen sich für ein Studium entscheiden, sei ein Handwerk eine gute Grundlage, sind sich die Vertreter der Branche einig. Ein Maschinenbauingenieur, der eine Schlosserlehre absolviert hat, profitiere davon ebenso wie ein Architekt, der beim Schreiner gelernt hat. Die Handwerker wünschen sich, dass auch die Lehrer in den Schulen häufiger darauf hinweisen, dass nicht jeder Abitur machen muss. "Früher wurden die guten Realschüler zu uns geschickt", sagt Norbert Parlings, "heute sagen die Lehrer: Mach doch Abitur." Wenn sich dieser Trend fortsetze, fehle dem Handwerk langfristig der Nachwuchs, warnt Fotografin Ira Ingenpaß. Das werde dazu führen, dass wenige Handwerker viele Aufträge bewältigen müssen. "Und dann kann es schon mal drei Monate dauern, bis das neue Bad gefliest ist", prophezeit Thorsten Engler.

Wer sich für eine Ausbildung im Handwerk interessiert, kann sich die Seite des Vereins unter "http://www.handwerker-in-toenisvorst.de" ansehen. Fast 40 Unternehmen aus der Stadt haben sich dort zusammengeschlossen und sie alle freuen sich über Praktikanten in den Ferien und Bewerber zum 1. August oder zum 1. September.

Quelle: RP
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