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Tönisvorst
Hat Vauth Geld teilweise zurückgezahlt?

Tönisvorst: Hat Vauth Geld teilweise zurückgezahlt?
Im Rollstuhl vom Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg an der Ruhr in Saal 167 des Landgerichts Krefeld gebracht: der Angeklagte Lothar Vauth. Seine mitangeklagte Ehefrau Jessica wohnt weiterhin in St. Tönis. FOTO: THOMAS LAMMERTZ
Tönisvorst. Am fünften Verhandlungstag in der Strafsache gegen Lothar und Jessica Vauth kam Verteidiger Wölky mit seiner Besetzungsrüge fast ans Ende. Bei der Fortsetzung am 16. Mai dürfte es wieder spannend werden. Von Heribert Brinkmann

Mit seiner Begründung der Besetzungsrüge ist Verteidiger Daniel Wölky gestern fast fertig geworden - am nächsten Verhandlungstag, am 16. Mai, darf man erwarten, dass alle Beteiligten dann mehr wissen. Schon die Römer kannten die Ermüdungsrede. Und auch im US-amerikanischen Senat gibt es ab und zu eine Dauerrede. Meistens versucht eine Minderheit mit dieser "Filibusterei", den Beschluss der Mehrheit zu verhindern oder zu verzögern. Was Verteidiger Daniel Wölky seit dem zweiten Prozesstag abzieht, erinnert sehr an diese Verhinderungs- oder Zermürbungstaktik. Die anfangs der 2. Großen Strafkammer des Krefelder Landgerichts angekündigte Besetzungsrüge wird mündlich begründet, indem aus den Akten der Staatsanwaltschaft minuziös vorgelesen wird. Zum Schluss meinte der Verteidiger, nicht er habe die Anklage gemacht.

Mit den Barabhebungen und unbaren Überweisungen, die nach den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Lothar Vauth und seiner Frau Jessica vorgeworfen werden, ergibt sich eine Schadenssumme von über 1,9 Millionen Euro. Die Krefelder Sozietät Dr. Stöber, Oehring und Partner ging daran zu Grunde und musste Insolvenz anmelden. Der angeklagte Lothar Vauth war als Rechtsanwalt Partner dieser Anwaltskanzlei, seine ebenfalls angeklagte Frau Jessica war dort Büroleiterin und steuerte damit die Finanzen der Sozietät.

Aus den gestern vorgelesenen Unterlagen der Staatsanwaltschaft geht aber auch hervor, dass es nicht bei der Schadenssumme von 1,9 Millionen Euro geblieben sei. Vielmehr soll Lothar Vauth den Schaden teilweise ausgeglichen haben, und zwar mit beträchtlichen Summen. Nach den bisher genannten Vorgängen handelt es sich bei den Bareinzahlungen oder Überweisungen um Tausenderbeträge, von 3500 bis 17.010 Euro, oft mehrere Beträge innerhalb eines Monats. Später bei der Vernehmung der Angeklagten und der Zeugen dürfte es spannend werden, wie die Vorgänge genau vonstatten gingen, ob es einem Schuldeingeständnis des Angeklagten - der bisher noch kein Geständnis abgelegt hat - gleichkommt. Mal sehen, wie diese Vorgänge bewertet werden.

So richtig Spaß scheint Verteidiger Daniel Wölky - ebenso wie Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln - das stundenlange Vorlesen aus den Akten auch nicht zu machen. Der junge Fachanwalt für Strafrecht ist Partner der Kanzlei Gercke Wollschläger in Köln. Auf der Internetseite dieser Kanzlei heißt es über Wölky: "Er verteidigt regelmäßig in allen Bereichen des Wirtschaftsstrafrechts, insbesondere mit Bezug zur Bau- und Immobilienbranche ("Kölner Gerüstbaumafia" etc.), aber auch in Kapitalstrafsachen und sonstigen Umfangsverfahren. Zuletzt verteidigte er den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden im Teldafax-Verfahren vor dem LG Bonn, im Kölner AWB-Korruptionskomplex sowie dem Essener Kanal-Kartell." In all den genannten Fällen ging es um beträchtliche Schäden (siehe Kasten oben) oder wie im Kölner Abfallwirtschaftsbetriebs-Prozess um erhebliche Bestechungen von Zulieferfirmen.

In einem Punkt ist die Zermürbungstaktik der Verteidiger bereits aufgegangen. Das Interesse der Öffentlichkeit am Prozess ist stark zurückgegangen. Gestern saß nur ein Zuhörer vorübergehend im Saal.

Quelle: RP
 
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