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Tönisvorst
Hebammenschule für Sierra Leone geplant

Tönisvorst: Hebammenschule für Sierra Leone geplant
Christoph Bonsmann, Vorstand von Action Medeor, führte Bischof Charles A.M. Campbell (Mitte) und David S. Yambasu, Caritas-Direktor der Diözese Bo in Sierra Leone, durch das Medikamentenlager in Vorst. FOTO: WOLFGANG KAISER
Tönisvorst. Nach der Ebola-Epidemie will Action Medeor in Westafrika mithelfen, die Gesundheitsversorgung neu aufzubauen. Partner vor Ort ist die katholische Diözese von Bo. Zu Gesprächen kam Bischof Charles Campbell nach Tönisvorst. Von Heribert Brinkmann

Einen "silent war", einen stillen Krieg, nannte Bischof Charles Campbell den Verlauf der Ebola-Epidemie in seinem westafrikanischen Land. In Sierra Leone starben seit 2014 3956 Menschen an Ebola, im Nachbarland Liberia sogar 4809. Die gesamte Infrastruktur dieser Länder brach zusammen. Die Kinder gingen in keine Schule mehr, niemand konnte zur Arbeit gehen, um die Ansteckungsgefahr zu bannen, sollten die Menschen zu Hause bleiben. Soldaten und Polizisten patrouillierten durch die Städte. Die Ebola-Epidemie ist seit dem 17. Januar 2016 offiziell vorbei. Es gibt keine neuen Fälle mehr.

Viel Helfer haben das Land wieder verlassen. Action Medeor will weiter helfen, das zusammengebrochene oder vorher schon lückenhafte Gesundheitssystem in Sierra Leone wieder mit aufzubauen. Christoph Bonsmann, Vorstand von Action Medeor, erklärte gestern beim Besuch des Bischofs und des Caritas-Direktors aus der Stadt Bo, mit 150.000 Bewohnern die zweitgrößte Stadt des Landes und Hauptstadt der Südprovinz, das Land weiter zu unterstützen, auch wenn Ebola aus den Schlagzeilen verschwunden sei. "Die Karawane der Aufmerksamkeit zieht weiter, und damit auch die Geldströme", so Bonsmann weiter.

Konkret planen die Diözese von Bo und Action Medeor, in Bo eine Hebammenschule zu errichten. Die Stadt Bo hat ein Grundstück mit einem Gebäude bereitgestellt. Jetzt wird Action Medeor beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Förderantrag für das Projekt stellen. Von den beantragten 1,2 Millionen Euro muss Action Medeor einen Eigenanteil von 25 Prozent aufbringen, wie Susanne Schröder, Referentin für Westafrika bei Action Medeor, erläuterte. Von einer UN-Organisation sind Mittel für den Lebensunterhalt der Schülerinnen versprochen. Weil Sierra Leone eins der Länder mit der höchsten Säulings- und Müttersterblichkeit weltweit ist (es sterben 1360 Frauen während oder kurz nach der Geburt bei 100.000 Geburten, 41 Prozent der Entbindenden sind unter 18 Jahre alt), geben alle Beteiligten dem Projekt eine hohe Priorität. Durch die Ebola-Epidemie wurde diese Situation noch verschlimmert, da viele Ärzte und Pflegekräfte selbst erkrankt oder gestorben sind.

An der Hebammenschule sollen bereits im August 2017 die ersten 50 Hebammenschülerinnen mit ihrer Ausbildung beginnen. Im ganzen Land gibt es zurzeit 250 Hebammen, nach der Weltgesundheitsorganisation werden für eine normale Versorgung 3000 Hebammen gebraucht.

Action Medeor hat während der Ebola-Epidemie in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, zwei Isolierstationen mit jeweils 22 Betten betrieben. Auch ein Krankenwagen wurde beschafft. Inzwischen wurden die Isolierzelte abgebaut und umgerüstet. Sie werden jetzt als Entbindungsstation in Sasstown, einer kleinen Stadt an der Küste, weiter verwendet. Während der Epidemie wurde auch das Gila's Krankenhaus in Bo mit einer Screeningstation, Schutzanzügen, Handschuhen und Desinfektionsmitteln unterstützt. Jetzt wurden dort zwei Motorräder angeschafft, um Impfkampagnen in den abgelegenen Landstrichen durchführen zu können.

Quelle: RP
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