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Tönisvorst
Hilfe aus Vorst wird immer noch gebraucht

Tönisvorst: Hilfe aus Vorst wird immer noch gebraucht
Auch dank der Unterstützung aus Vorst kann die Caritas in Caransebes jeden Tag Essen an Schulkinder ausgeben. FOTO: Rumänienhilfe Vorst
Tönisvorst. Seit vielen Jahren reisen Günter Holdschlag und Ulrich Gerhartz von der Rumänienhilfe Vorst in das Land in Südosteuropa, dessen Einwohner der Verein seit 1992 unterstützt. Von Stephanie Wickerath

Es sind die Kinder, wegen derer Günter Holdschlag weitermacht. Seit 1994 ist der St. Töniser bei der Vorster Rumänienhilfe aktiv. Immer wieder fuhr er mit vollbeladenen Lastwagen nach Caransebes, einer 24.000 Einwohner großen Stadt im Südwesten Rumäniens. Einige Fortschritte hat der 69-Jährige in der Zeit gesehen, aber auch Rückschritte. "Das Krankenhaus der Stadt ist mit Geräten ausgestattet, die es in Deutschland vor 50 Jahren gab", sagt der gelernte Krankenpfleger. Feuchte Wände, fehlende Leuchtröhren in der Deckenbeleuchtung, ein undichtes Dach und mangelnde Hygiene lassen den St. Töniser immer wieder ratlos zurück.

Rund 600 Lastwagenladungen voller Lebensmittel und Kleidung hat die Rumänienhilfe Vorst seit 1992 nach Caransebes gebracht und viele Menschen fragen die Mitglieder, ob es nicht mal langsam gut sei mit der Rumänienhilfe. "Es stimmt, Rumänien ist in der EU und bekommt Geld aus Brüssel", sagt Holdschlag, "aber das Geld landet hauptsächlich in Bukarest. In den kleinen Städten kommt davon nichts an."

Bei seinen regelmäßigen Besuchen vor Ort kann der Senior immer wieder die Not und das Elend sehen. Einfache Holzbuden, schlecht zusammengehämmert, dienen einigen Rumänen als Unterkunft. Häuser, die nicht verputzt sind und vor denen sich Müllhalden sammeln, finden sich im Stadtbild. Mutlose Menschen ohne Zukunftsperspektive sieht Holdschlag überall. "Es gibt Familien mit zehn, zwölf und 14 Kindern, die sich kein Mittagessen leisten können", weiß der St. Töniser. Diese Kinder sind es, die die Hilfstransporte aus Deutschland brauchen, sagt der 69-Jährige.

Kreisweit sammelt die Freiwillige Feuerwehr immer wieder Lebensmittel. 30 bis 35 Tonnen kommen pro Jahr zusammen. Die Rumänienhilfe schickt die Lebensmittel zur Caritasstation nach Caransebes, die mit dieser Hilfe 190 Schulkinder täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgen kann. Auch die Senioren des Ortes werden von der Caritas mit Lebensmitteln versorgt.

Außerdem nimmt die Rumänienhilfe in ihren Räumen an der Süchtelner Straße 55 jeden Montag (außer in den Ferien) von 10 bis 12 Uhr gut erhaltene, saubere Kleidung entgegen. "Die Kleidung verkauft die Caritas in Caransebes, um von den Einnahmen wiederum Lebensmittel im Ort einzukaufen", erklärt Holdschlag das System der Hilfe zur Selbsthilfe.

Kürzlich waren er und sein Vereinskollege Ulrich Gerhartz wieder eine Woche lang vor Ort, um verschiedene Projekte und Familien zu besuchen, die die Rumänienhilfe seit Jahren unterstützt. "Es gibt viel Potenzial, etwa im Tourismusbereich", sagen die beiden Männer, aber niemand nutze es. "Das liegt auch daran, dass die jungen Leute weg sind", sagt Gerhartz. Die meisten seien irgendwo in West-Europa unterwegs, um Geld zu verdienen und ein besseres Leben zu finden. Dadurch fehle die Generation vor Ort, die etwas aufbauen könnte.

Der Kontakt zwischen Vorst und Caransebes kam Ende 1991 zustande. Damals erhielt Hanni Hasenau, Vorstandsmitglied der Kolpingfamilie Vorst, einen Brief von ihrer Schwester Angela, die dem Orden der Franziskanerinnen angehörte und in Rumänien eingesetzt war. Das Elend, das sie schilderte, berührte Hanni Hasenau, die beschloss, mit der Kolpingfamilie zu helfen. Im April 1992 machte sich der erste Hilfstransport mit Kleidern, Lebensmitteln und Medikamenten aus Vorst auf den Weg nach Caransebes. Seitdem konnte manche Not gelindert werden.

Die Rumänienhilfe Vorst wird getragen von der Kolpingfamilie, der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde und der Caritas. Sie sammelt Kleiderspenden und Geld, um die Transporte finanzieren zu können. Die Feuerwehren im Kreis sammeln außerdem Lebensmittel für Rumänien. Die nächste Sammlung steht im November an.

Quelle: RP
 
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