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Analyse
Hochrechnung spricht für Gesamtschule

Analyse: Hochrechnung spricht für Gesamtschule
Meike Püttbach, Silke Scheuer, Andrea Werner, Simone Krakowski-Schmitz und Sandra Seupel von der Schulpflegschaft der Sekundarschule übergaben gestern die gesammelten Unterschriften an Bürgermeister Thomas Goßen. FOTO: KURT LÜBKE
Tönisvorst. Heute diskutiert der Schul- und Kulturausschuss den Antrag der Sekundarschule auf Umwandlung in eine Gesamtschule. Die Elternumfrage wird dabei im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Von Heribert Brinkmann

TÖNISVORST Kaum sind die Zahlen der Elternumfrage an den Tönisvorster Grundschulen bekannt, wird auch schon interpretiert. 330 von 558 Eltern kreuzten bei der Frage nach zukünftigen Schulwahlmöglichkeiten die Gesamtschule Tönisvorst an. Das ist erst einmal eine überzeugende Präferenz (das Gymnasium erhielt nur 125 Elternstimmen). Wenn aber direkt nach Bekanntgabe die Stadt das Ergebnis kommentiert ("Pro Jahrgang ergeben sich somit 83 voraussichtliche Anmeldungen für die Gesamtschule") und damit den Eindruck erweckt, dass die nötige Zahl von 100 Anmeldungen nicht erreicht wurde, so ist das manipulativ. Denn die 330 Stimmen stehen nur für knapp Zweidrittel der Eltern. Ausgegeben wurden 933 Fragebögen, 678 kamen ausgefüllt zurück (das entspricht 72,67 Prozent), gewertet wurden aber nur 582 Fragebögen, die eindeutige Antworten enthielten und keine Mehrfachnennungen (wie bei 96 Fragebögen). So kommt die fiktive Hochrechnung, die die Verwaltung heute dem Schulausschuss vorlegen wird, zu eindeutigen Zahlen: Nach Jahrgangsstufen entschieden sich 132 Eltern in der 1. Klasse, 142 in der 2., 123 in der 3. und 153 in der 4. Klasse für eine mögliche Gesamtschule Tönisvorst. Das sind je Jahrgang zwischen 54 und 64 Prozent.

Die Vielzügigkeit des Gymnasiums wäre in der Umfrage der Grundschuleltern in Frage gestellt: Sie liegen bei 52, 50, 44 und 62 je Jahrgang. Zwischen 8 und 46 der Eltern wissen noch nicht, in welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken würden. Zwischen 5 und 15 Eltern überlegen, ihr Kind an ein Gymnasium außerhalb von Tönisvorst zu schicken. So weit die fiktive Hochrechnung der Verwaltung.

Bei der Elternumfrage haben 544 Eltern die bisherige Schulwahlmöglichkeit beantwortet. Wenn es keine Gesamtschule in Tönisvorst geben wird, wollen 195 Eltern ihr Kind aufs Gymnasium schicken und 42 auf ein auswärtiges Gymnasium. 147 würden ihre Kinder an eine auswärtige Gesamtschule schicken. Das ist natürlich nur der Elternwunsch. Die Gesamtschulen in der Nachbarschaft sind aber bereits so gut frequentiert, dass die meisten Anmeldungen aus Tönisvorst abgewiesen werden müssen. Nach einer Zweitwahl wurde in dieser Umfrage aber nicht gefragt.

Etwas anderes wird dabei auch klar beantwortet: Wenn die Gesamtschule nicht kommt, ist die Sekundarschule "tot". Nur noch 36 Eltern haben die Sekundarschule als erste Schulwahl angekreuzt. Bliebe es bei den Zahlen (abgelehnte Schüler bei auswärtigen Gesamtschulen und noch unschlüssige Eltern könnten am Ende noch dazu kommen), so wäre eine Sekundarschule in Tönisvorst nicht mehr überlebensfähig. Die Kampagne für eine Gesamtschule hat den Niedergang der Sekundarschule beschleunigt. Der neue Schulleiter wird es schwer haben, den Vertrauensverlust zurückzugewinnen. Auch die anderen Schulformen - Haupt- und Realschule außerhalb von Tönisvorst - spielen keine Rolle mehr. Es kommen nur noch einzelne (2,3, 5) Anmeldewünsche vor.

Was das für die Schullandschaft des Landes bedeutet, steht hier nicht zur Debatte. Aber in Tönisvorst gibt es nur zwei Optionen: Die Umwandlung in eine Gesamtschule wird abgelehnt. Das stärkt zahlenmäßig das Gymnasium, schwächt es aber gleichzeitig, weil auch Schüler ohne besondere Eignung fürs Gymnasium aufgenommen werden. Und die Stadt wird in Kauf nehmen müssen, dass sich viele Eltern nach außerhalb orientieren und wahrscheinlich lange im Unklaren bleiben werden, auf welche Schule denn ihr Kind gehen kann.

Die andere Entscheidung ist für die Gesamtschule. Das entspräche dem Elternwillen der Grundschüler (nur in Tönisvorst - ohne Forstwald) am meisten, bedeutet aber eine Verschlechterung für das Michael-Ende-Gymnasium, das dann auf eine Vierzügigkeit beschränkt wäre.

Die Tönisvorster Entscheidung für die Einführung einer Sekundarschule hat in die Sackgasse geführt. Die Entwicklung an Personen oder Landestrends festzumachen, hilft dabei auch nicht weiter. Im Ausschuss heute wird es spannend.

Quelle: RP
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