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Tönisvorst
HPZ vermittelt Jungen neue Perspektiven

Tönisvorst: HPZ vermittelt Jungen neue Perspektiven
Im Heilpädagogischen Zentrum sind bereits heute zahlreiche Männer in sozialen Berufen tätig. Auch werden Männer für ein Freiwilliges Soziales Jahr gesucht. FOTO: Christoph Buckstegen
Tönisvorst. Am 23. April ist Boy's Day. An diesem Tag können Jungen neue Berufsfelder kennenlernen. Auch das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) in Tönisvorst bietet Schülern einen Schnuppertag in den Werkstätten an. Die Anmeldung läuft. Von Heribert Brinkmann

Mädchen können besser lesen und Jungen sind besser in Mathe - das ist das landläufige Klischee über die deutsche Schulwirklichkeit. Eine Studie der OECD zu Rollenklischees scheint solche Ansichten noch zu untermauern. Doch die Studie weist auch darauf hin, dass erhebliche Potenziale brachliegen, denn auch sehr gute Schülerinnen schätzen ihre Leistungen in Mathe schlechter ein, als sie eigentlich sind. Umgekehrt scheint es für Jungs eher uncool zu sein, in der Schule mit guten Leistungen zu glänzen oder gar ein guter Vorleser zu sein. Sind solche Rollenklischee an der Schule bereits fest verankert, so setzen sich Vorurteile und Halbwissen auch bei der Berufswahl fort. Hier setzt der Boys' Day an. Er bietet Schülern an einem bestimmten Datum an, mal andere Berufsfelder auszuprobieren und dort zu schnuppern, wie es wäre, dort zu arbeiten. In diesem Jahr ist der Jungenstag am 23. April. In Tönisvorst wirbt besonders das HPZ um das Interesse bei Jungen.

Am Boys' Day geht es in erster Linie um Berufe, in denen maximal 40 Prozent Männer (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2013) eine Ausbildung machen oder arbeiten. Zu den Top 30 der ausbildungsstärksten Berufe mit maximal 40 Prozent männlicher Azubis oder Studierenden gehören medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte (jeweils 1 Prozent), pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (4 Prozent) oder Kindererzieher (11 Prozent). Auch bei den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk gibt es nur 9 Prozent Männer, bei den Friseuren 11 Prozent. Bei Sozialhelfern sind es 20 Prozent und bei sozialpädagogischen Assistenten 13 Prozent. Bei den Alternativen zu Mechatronikern und IT-Technikern gibt es also noch viele Chancen.

Am Boys' Day selber können Schüler an schulischen oder außerschulischen Angeboten teilnehmen. Angeboten werden Workshops, Trainings, Praxistage in Einrichtungen und Unternehmen. Drei Aspekte sind am Boys' Day besonders wichtig: Kennenlernen neuer beruflicher Perspektiven in Berufsfeldern, in denen bislang noch wenige Männer arbeiten, z. B. im Bereich Erziehung, Soziales, Pflege. Auseinandersetzung mit männlichen Rollenbildern, indem unterschiedliche Lebensentwürfe thematisiert, die Familienorientierung gestärkt und das Bild des Alleinernährers in Frage gestellt werden. Aber auch die sozialen Kompetenzen sollen ausgebaut und trainiert werden, etwa die Team- und Konfliktfähigkeit. Über das Boys'Day-Radar können Schüler selbstständig Boys'Day-Angebote in ihrer Region finden und sich anmelden.

Man kann sich aber auch direkt an das HPZ wenden: Wie wär's mit Heilerziehungspfleger oder einem anderen der sozialen Berufe in der HPZ-Werkstatt für Menschen mit Behinderungen am Hochbend in Tönisvorst?

Beim Boys' Day kann jeder auch viele Vorurteile über die Werkstätten und deren Mitarbeiter ablegen, "Besenbinden war gestern - moderne Ausstattung ist heute", sagt man beim HPZ. Es bietet Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen 2000 Arbeits- und Betreuungsplätze an neun Standorten in Krefeld, Viersen und im Kreisgebiet an. Sie werden von rund 520 Fachkräften aus pädagogischen, pflegerischen und handwerklichen Berufen unterstützt. Das HPZ ist einer der größten sozialen Dienstleister am Niederrhein. Menschen mit Behinderung bekommen dort intensive Förderung. Die Werkstätten sind modern ausgestattet, etwa mit Laserschneidmaschinen, einer 4-Farbdruckstraße, CAD-gesteuerten Maschinen für die Elektro- oder Holzmontage sowie vieles mehr.

Quelle: RP
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