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Tönisvorst
Im Rollstuhl gemeinsam durch den Ort

Tönisvorst: Im Rollstuhl gemeinsam durch den Ort
26 aktive Schieber, zwei Helfer für die Kaffeetafel und elf passive Mitglieder hat die Rollstuhlschiebergruppe des Alexianer-Seniorenhauses St. Tönis derzeit. Weitere Mitglieder werden dringend gesucht. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Mit dem Preis "Helfer Herzen" einer Drogeriemarktkette sind die Rollstuhlschieber des Alexianer-Seniorenhauses St. Tönis ausgezeichnet worden. Die Ehrenamtler sind auf der Suche nach weiteren Helfern. Von Stephanie Wickerath

Jeden zweiten Donnerstag sind sie in der St. Töniser Innenstadt unterwegs: die Rollstuhlschieber. Pünktlich um 14 Uhr treffen sie sich im Alexianer-Seniorenhaus an der Gelderner Straße, um rund 20 Bewohner abzuholen, die allein nicht mehr so einfach vor die Türe kommen. "Das ist eine schöne Abwechslung", sagt die 92-jährige Maria Clemens über die Ausflüge alle zwei Wochen in die Innenstadt.

Wie Maria Clemens ist auch Nelli Opgenoorth auf den Rollstuhl angewiesen. "Ich kann zwar noch ein bisschen laufen, bin aber sehr ängstlich", sagt die 94-Jährige, die es deshalb genießt, mit Hilfe der Ehrenamtler an die frische Luft zu kommen. "Besonders bei dem schönen Wetter ist es nett, im Café am Pastorswall zu sitzen", findet Nelli Opgenoorth.

Seit 33 Jahren gibt es sie bereits, die Rollstuhlschiebergruppe. "Wir haben derzeit 26 aktive Schieber, zwei Helfer für die Kaffeetafel und elf passive Mitglieder", sagt Ute Runge, seit Jahresanfang die Vorsitzende der Gruppe. Weitere Helfer sind jederzeit willkommen. "Wir sind fast alle selber älter als 70 Jahre und brauchen dringend Nachwuchs", sagt Uschi Kleckers, die wie auch Margret Klein seit 30 Jahren zur Rollstuhlschiebergruppe gehört.

Entstanden ist die Gruppe aus der IG Altensport der Turnerschaft St. Tönis. Tini Stockhausen war es, die 1983 die Idee hatte, regelmäßig mit gehbehinderten Senioren aus dem Pflegeheim im Ort eine Runde durch St. Tönis zu drehen. "Wenn das Wetter mitspielt, gehen wir durch die Stadt zum Café am Pavillon Pastorswall", schildert Ute Runge den Ablauf des Nachmittags. Manche Bewohner wünschen sich auch schon mal einen Besuch auf dem Friedhof oder eine Spazierfahrt durch ein Wohnviertel. Auch das sei kein Problem, sagt Ute Runge. Kommen die Ausflügler nach zwei Stunden zurück, haben zwei Mitglieder der Gruppe die Tafel im Gesellschaftsraum des Seniorenhauses eingedeckt, wo es zum Abschluss noch einen Kaffee gibt. "Wenn es regnet, bleiben wir gleich im Haus und plaudern ein wenig", sagt Ute Runge.

Die Motivation der Menschen, die sich unentgeltlich für andere einsetzen, ist unterschiedlich. Ingrid Boosen etwa ist vor 18 Jahren aus Krefeld nach St. Tönis gezogen und wollte über ein Ehrenamt neue Menschen im Ort kennenlernen. Gerhard Both hat das Seniorenhaus und die Gruppe über seine Schwiegermutter kennengelernt und ist jetzt seit elf Jahren dabei. Brigitte Piel hat sich der Gruppe angeschlossen, weil sie das Altenheim und seine Bewohner kennenlernen wollte: "Man muss sich ja ansehen, wo man vielleicht selber mal leben wird." Vincent und Irmgard Freis verbinden die Runde mit den Senioren mit einem Spaziergang für ihren kleinen Hund "Duda", den die alten Menschen lieben.

Einige Auszeichnungen haben die Ehrenamtler im Laufe der Jahre bereits bekommen. So erhielten sie die Ehrenurkunde der Stadt Tönisvorst, den Bürger-Oskar der FDP und den Anett-Preis der CDU Frauen-Union. Ganz aktuell haben die Rollstuhlschieber einen mit 1000 Euro dotierten Preis von der "Helfer Herzen"-Aktion der Drogeriemarktkette dm bekommen. Was sie mit dem Geld machen, wissen sie noch nicht. "Da müssen wir uns mal alle zusammensetzen und überlegen", sagt Ute Runge, die betont, dass das Engagement nicht möglich wäre, wenn die Zusammenarbeit mit der Stationsleitung und den Mitarbeitern, die die Bewohner für die Ausfahrt fertigmachen, nicht so gut wäre.

Quelle: RP
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