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Tönisvorst
Initiativkreis bleibt Bündnis für Toleranz

Tönisvorst: Initiativkreis bleibt Bündnis für Toleranz
Peter Joppen (von links), Hans-Gerd Schuh, Thomas Goßen, Edith Macini, Christel Tomschak, Luise Fruhen und Manfred Tripp vor der neuen Tafel. FOTO: Kaiser
Tönisvorst. Nach Stolpersteinen, Gedenktafel und Hinweisschildern für den jüdischen Friedhof hat der Initiativkreis Stolpersteine für Vorst jetzt direkt am jüdischen Friedhof eine Informationstafel angebracht. Im kleinen Kreis wurde die Tafel enthüllt. Von Bianca Treffer

"Eigentlich ist das unsere Abschlussaktion", sagt Peter Joppen, der sich gemeinsam mit einer kleinen Gruppe vor dem Tor des jüdischen Waldfriedhofes in Vorst eingefunden hat. Gemeinsam mit Edith Mascini rahmt der Sprecher des Initiativkreises Stolpersteine für Vorst einen mit einem schwarzen Tuch verhüllten Gegenstand ein, von dem nur zwei verzinkte Stahlstützen zu sehen sind. Ein kurzer Ruck der beiden an dem Tuch gibt Sekunden später den Blick auf eine weiße Informationstafel frei, die wie frei schwebend in dem Stahlgerüst zu hängen scheint. Auf ihr ist nicht nur die Geschichte des jüdischen Waldfriedhofes zu lesen, der auf Antrag der jüdischen Gemeinde in Vorst vom Juni 1861 angelegt wurde, sondern es ist auch eine Original-Abschrift des besagten Antrags samt einer alten Ortsskizze zu sehen.

Die wechselvolle Geschichte des Friedhofes lässt Geschichte wach werden. Zunächst für die jüdischen Mitbürger genutzt, die bis dato ihre letzte Ruhe in Anrath fanden, erlebte der Friedhof etliche Verwüstungen, bevor er 1944 der letzte Ruheort von alliierten Soldaten wurde, die bei Flugzeugabstürzen ums Leben kamen. Am 21. September 1945 ordnete das Landratsamt eine Gedenksteinsetzung an. 1947 wurden die Soldaten exhumiert und zum Heldenfriedhof nach Kleve überführt.

Auf den Spuren dieser wechselvollen Geschichte bewegte sich Heinz-Gerd Schuh. Er recherchierte unter anderem im Kreisarchiv und stellte aufgrund seiner Ergebnisse den Text für die Informationstafel zusammen. "Es gibt keine Hinweise darauf, wer hier tatsächlich beerdigt wurde. Wo letztendlich die Grabsteine der jüdischen Verstorbenen hingekommen sind, ist ebenso nicht mehr zu ermitteln. Sie sollen unter anderem für den Bau der Leichenhalle und das Eingangsportal des Krankenhauses verwendet worden sein", berichtet Schuh. Fest steht, dass Jakob Katz der letzte Jude war, der nach der Reichsprogromnacht auf dem Friedhof beerdigt wurde. "Ich kann mich noch an die Beerdigung erinnern. Es war ein Sarg aus rohem Holz", erzählt Christel Tomschak.

Mit dem Enthüllen der Infotafel hat nun eine ganze Reihe von Aktivitäten des Initiativkreises ihren Abschluss gefunden. Es wurden über 20 Stolpersteine verlegt, eine Gedenktafel an der Clevenstraße/Ecke Markt installiert und Hinweisschilder aufgestellt, die den Weg zum jüdischen Friedhof weisen. Insgesamt nahm der Initiativkreis, dem neben der zehnköpfigen Kerngruppe rund 30 weitere Bürger angehörten, knapp 8000 Euro in die Hand, um seine Projekte umzusetzen. Die Sparkassenstiftung brachte sich ebenso ein wie viele Einzelspender. Dazu kam der Inhalt der Spendendosen, die in den verschiedenen Einzelhandelsgeschäften aufgestellt waren. "Wir haben aktuell einen Überschuss von 1000 Euro, den wir der Stadt Tönisvorst zur Verfügung stellen. Mit diesem Geld sollen Schulen bei Fahrten zu den Gedenkstätten eine finanzielle Unterstützung erhalten", sagt Joppen. Ein erster Antrag vom Michael-Ende-Gymnasium ist bereits gestellt. "Hier wird eine Fahrt nach Buchenwald geplant", berichtet Bürgermeister Thomas Goßen, dem der Antrag vorliegt.

Die lose Verbindung von Bürgern im Initiativkreis löst sich mit Abschluss der letzten Aktion allerdings nicht auf. Die Akteure stehen weiterhin zusammen, um bei Bedarf als ein Bündnis für Toleranz und gegen Rassismus aufzutreten, wie es schon der Fall war. Luise Fruhen und Peter Joppen stießen damals die Gegenaktion zu den Hakenkreuzschmierereien an, die im Zusammenhang mit den Flüchtlingen in Vorst auftauchten.

Quelle: RP
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