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Tönisvorst
Insolvenzverfahren: Wo ist das Geld geblieben?

Tönisvorst: Insolvenzverfahren: Wo ist das Geld geblieben?
Erika Bürschkes auf dem Balkon ihrer Wohnung in St. Tönis. Sie und andere Betroffene werden hin- und hergeschickt. FOTO: HERIBERT BRINKMANN
Tönisvorst. Über solche Briefe freut man sich. Nach vielen Jahren wird die Auszahlung einer Summe Geld angekündigt - nicht als unseriöser Lotteriegewinn, sondern als Geld einer Insolvenzmasse aus dem Insolvenzverfahren Zangs AG.

Auch Erika Bürschkes erhielt im April einen solchen Brief. Absender war die IG Metall in Krefeld. "Lieber Kollge Bürschkes, wir freuen uns, dir mitteilen zu können, dass wir jetzt die Freigabe haben, die Auszahlung aus der Schlussüberweisung des Insolvenzverwalters Pipenburg tätigen zu können. Wir bedauern, dass es etwas gedauert hat, mussten aber eine rechtssichere Abwicklung sicherstellen." Bis zum 28. April sollten der IG Metall die Bankdaten des berechtigten mitgeteilt werden.

Erika Bürschkes, seit drei Jahren Witwe, hat dies getan - ebenso, wie weitere Ehemalige, mit der sie in Kontakt steht. Doch es passierte nichts. Bei telefonischen Nachfragen hieß es bei der IG Metall, das Geld liege beim Amtsgericht Krefeld, dort hieß es, das Geld liege in der Kanzlei von der Fecht, die will aber das Geld Anfang des Jahres an die IG Metall ausgezahlt haben.

Die Maschinenfabrik Carl Zangs AG, 1875 von Hermann Schroers als Werkstatt für den Bau von Webstühlen gegründet, war ein renommiertes Unternehmen. Der Textilingenieur Carl Zangs trat 1892 in das Unternehmen ein und heiratete 1899 Schroers' Tochter. 1911 wurde die 50.000. Jacquardmaschine ausgeliefert, 1920 die Carl Zangs AG gegründet. Vor 30 Jahren meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die IG Metall vertrat in einem Massenverfahren ihre organisierten Beschäftigten. Einen Teil des Geldes erhielten die Beschäftigten vor 30 Jahren, eine weitere Summe jetzt nach über 30 Jahren. Auf Grundlage des Sozialplanes vom 4. August 1986 wurde eine Ausschüttung von 57.106,44 Euro errechnet. Da sich diese Summe auf alle ehemaligen Mitarbeiter bezieht, kämen für Erika Bürschkes einige Hundert Euro in Frage.

Auf Nachfrage bei der IG Metall war vom Ersten Bevollmächtigten Ralf Claessen zu erfahren, dass die Gewerkschaft einen Teil des Geldes erhalten habe und die Betroffenen erneut anschreiben werde. Der Brief ist inzwischen eingegangen - und endlich ist auch Geld geflossen. Ein Drittel der versprochenen Summe ist auf dem Konto eingegangen. Im Brief heißt es auch, für den Rest des Geldes müssten sich die Berechtigten jeweils beim Amtsgericht Krefeld melden. Dort ist die Hinterlegungsstelle zuständig - die zuständige Mitarbeiterin in Urlaub.

Quelle: RP
 
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