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Tönisvorst
Jugendliche entwickeln neue Ideen

Tönisvorst. Zehn Schüler des Michael-Ende-Gymnasiums simulierten die politische Arbeit im Europa-Parlament. Von Teresa Döring

Einmal nicht nur danebenstehen und zuschauen. Einmal teilnehmen und mitdiskutieren, abstimmen, mitbestimmen. All dies ist möglich bei Regierungssimulationen wie dem MEP - Model European Parliament, Modell des Europäischen Parlaments. An einer solchen Simulation in Kerkrade in den Niederlanden mit Teilnehmern aus sieben Ländern nahmen zehn Schüler des Michael-Ende-Gymnasiums teil. Was bewegt 13- bis 19-jährige Jugendliche, ein Parlament nachzustellen? Es gibt einen dress code, strikte Regeln, wann und wie gesprochen werden darf, stundenlange Sitzungen über Themen, die gerade aktuell sind und sich jedes Jahr ändern: die Flüchtlingskrise, der Islamische Staat im Nahen Osten. Außerdem aber stehen unter dem Thema Wirtschaft Griechenland, Steuererhöhungen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas auf dem Programm. Nicht unbedingt Dinge, für die sich viele Schüler begeistern, noch dazu komplett in einer fremden Sprache - alles auf Englisch.

Obwohl das MEP das Europäische Parlament vereinfacht darstellt, soll es möglichst wahrheitsgetreu wirken. In Kommitees - Außen- und Innenpolitik der EU sowie Wirtschaft - werden die neuesten politischen Probleme von vier Parteien diskutiert, die auch im Europäischen Parlament vertreten sind. Obwohl man mit eigenen Ideen und Überzeugungen an die Sache herangehen muss, ist das Ganze im Grunde ein Rollenspiel - und wenn man sich (ein extremes Beispiel) in einer Partei wiederfindet, die Flüchtlinge daran hindern will, die EU zu betreten, Griechenland aus der EU werfen möchte und Atomkraftwerke erneuerbarer Energie vorzieht, nun, dann muss man versuchen, die anderen delegates (Abgeordnete) von Idealen zu überzeugen, die man selbst nicht vertritt.

Politische Bündnisse sind an der Tagesordnung. Reden können vor hunderten von Zuhörern gehalten werden, um gegen Ende gemeinsame Lösungen zu finden. Doch der Inhalt steht nur vordergründig im Fokus. Natürlich dienen die Themen dazu, die Schüler für neue Probleme zu sensibilisieren. Aber die Struktur des Ganzen, die Möglichkeiten des Austauschs und das Gefühl, wenn man nach vorne geht, um vor dem gesamten general assembly eine Rede zu halten, ändern sich nicht, egal, wie viel in der Welt passiert. Dies ist eine ganz neue Form, sich selbst zu präsentieren. Man trifft auf Menschen, die man später nie wiedersehen wird (und manche, die man nicht wiedersehen möchte). Das Model European Parliament ist die Möglichkeit, etwas zu erleben, wozu es sonst nie die Möglichkeit gibt und unterstützt viele Fähigkeiten, die später, nach der Schule, gesucht werden.

Übrigens beschlossen die Delegates, Griechenlands Schulden einzufrieren, um die Rückzahlung zu einem nicht näher eingegrenzten späteren Zeitpunkt erneut zu diskutieren. Dies mag ein wenig unkonventionell klingen, zeigt jedoch vor allem, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt als die, zu denen das reale Europäische Parlament tendiert.

Quelle: RP
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