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Tönisvorst
Jugendlichen eine Perspektive bieten

Tönisvorst: Jugendlichen eine Perspektive bieten
Im Verein "Enyemaka Ohaneze", zu Deutsch "Hilfe für alle", trägt Gisela Küster mit dazu bei, dass im nigerianischen Lagos ein Ausbildungszentrum für 150 Jugendliche gebaut, eingerichtet und betrieben werden kann. FOTO: Wolfgang Kaiser
Tönisvorst. Gisela Küster unterrichtet seit 14 Jahren ausländische Kinder in der deutschen Sprache und engagiert sich im Verein "Enyemaka Ohaneze", der ein Ausbildungszentrum für Jugendliche im nigerianischen Lagos baut. Von Stephanie Wickerath

Sie sind Helfer im Stillen. Nicht als Vereinsfunktionäre, nicht als Menschen der Öffentlichkeit sind sie bekannt. Und doch ist ihr Einsatz von großem Wert für ihre Stadt oder für die Menschen um sie herum. In der Adventsserie der Rheinischen Post "Engel im Alltag" sollen diese Helfer einmal vorgestellt werden.

Einer dieser "Engel im Alltag" ist Gisela Küster aus Tönisvorst. Seit 14 Jahren hilft sie Kindern, die aus dem Ausland gekommen sind, die deutsche Sprache zu lernen und sich in der Schule zu integrieren. "Da werde ich ja für bezahlt", sagt die 78-Jährige, als sei die Arbeit dadurch weniger wichtig. Bis vor 15 Jahren war die St. Töniserin selber als Lehrerin an einer Krefelder Schule tätig. 2001 gründete die Hauptschule Kirchenfeld mithilfe des Fördervereins ein Projekt, in dem ausländische Kinder speziellen Deutschunterricht bekommen sollten und auf das schulische Niveau ihrer Mitschüler gebracht werden sollten. Gisela Küster übernahm diese Aufgabe und war voran wieder viermal in der Woche in der Schule.

"Am Anfang hatte ich größere Gruppen aus Afghanistan und verschiedenen afrikanischen Ländern", erzählt die pensionierte Lehrerin. Mit dem Auslaufen der Hauptschule blieben auch die neuen Förderkinder aus. Bis heute kümmert die St. Töniserin sich aber noch um einen Jungen, der den jetzt letzten Jahrgang der Hauptschule Kirchenfeld besucht. "Wenn die Schule im nächsten Sommer schließt, endet auch meine Tätigkeit dort", sagt Gisela Küster.

Den afghanischen Jungen aber, dem sie seit zwei Jahren Einzelunterricht gibt, will sie weiterhin unterstützen, auch wenn sie dafür nicht mehr bezahlt wird. "Ich habe ihm gesagt: Wenn du Hilfe brauchst, kannst Du zu mir kommen." Zur Sekundarschule wechseln, wo die Kinder die deutsche Sprache lernen, die mit dem großen Flüchtlingszustrom im vorigen und in diesem Jahr gekommen sind, will die Seniorin aber nicht mehr. "Ich bin 78 Jahre alt, irgendwann ist es auch mal gut. Das sollen andere machen."

Außerdem hat Gisela Küster noch ein anderes Engagement, für das ihr Herz schlägt. Im Verein "Enyemaka Ohaneze", zu Deutsch "Hilfe für alle", trägt sie mit dazu bei, dass im nigerianischen Lagos ein Ausbildungszentrum gebaut, eingerichtet und betrieben werden kann, in dem einst 150 Jugendliche die Berufe Schlosser, Schreiner und Schneider erlernen sollen. "Gegründet hat den Verein Oliverdom Oguadiuru, der bis Mai 2014 Pfarrer in St. Tönis war", erzählt Gisela Küster.

Schon mit der Gemeinde in Österreich, wo der nigerianische Geistliche vorher tätig war, hatte er das Projekt initiiert. Vom Grundstückskauf bis zum jetzt fertigen Rohbau sind fünf Jahre vergangen. Rund 150.000 Euro Spenden sind bereits investiert worden. "Ich war voriges Jahr selber in Lagos, um mir das alles mal anzusehen", erzählt Küster. Die Armut der Menschen und die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen habe ihr bestätigt, dass sie sich für die richtige Sache einsetzte.

"Nur durch eine gute Ausbildung können die jungen Leute dem Elend und der Kriminalität entfliehen", ist die Seniorin sicher. Deshalb steht Gisela Küster immer wieder bei Stadtfesten mit dem Schild des Vereins am Stand und wirbt für Unterstützung. Wenn das Haus im nächsten Jahr eröffnet wird, weiß die 78-Jährige, dass sich ihr Einsatz für andere mal wieder gelohnt hat.

Quelle: RP
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