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Fastenzeit Nachdenkzeit
Kaum Kunst im öffentlichen Raum

Fastenzeit Nachdenkzeit: Kaum Kunst im öffentlichen Raum
"St. Martin - Teilen und Helfen" von Loni Kreuder, 1994 vom Heimatbund St. Tönis auf dem Alten Markt errichtet, ist die größte Skulpturengruppe im öffentlichen Raum der Stadt. Die Künstlerin aus Nettetal nennt Auguste Rodin und Henry Moore als ihre beiden großen Vorbilder. FOTO: Heribert Brinkmann
St. Tönis. St. Tönis kommt ohne viel Kunst aus. Denkmäler gibt es höchstens als Gebäude - doch Kunstwerke sucht man im öffentlichen Raum fast vergeblich, wären nicht "Ferkes Tünn" und "St. Martin" aufgestellt. Auch an die ehemalige Synagoge erinnert nichts. Von Heribert Brinkmann

In gut einem Jahr, am 24. März 2019, lädt der Stadtkulturbund Tönisvorst zum Frühschoppen ins Forum Corneliusfeld ein. Grund ist das 25-jährige Bestehen des Stadtkulturbundes. Vor gut einem Vierteljahrhundert hat ein Verein, haben ehrenamtlich Tätige die Aufgabe der Kultur von der Stadt übernommen. Die Stadt zog sich zurück, um zu sparen, gleichzeitig wurde die Sparkassenstiftung ins Leben gerufen, die unter anderem auch die Kultur fördern sollte.

Das ist 25 Jahre gut gegangen - dank des Einsatzes vieler kulturinteressierter Ehrenamtler wie des langjährigen Vorsitzenden Peter Siegel. Und so schreibt Bürgermeister Thomas Goßen im Grußwort zum Spielzeitheft 2017/2018: "Vielfach erlebt man, dass die Kultur in weite Bereiche unserer Gesellschaft hineinwirkt und weit entfernt davon ist, ausschließlich der Unterhaltung zu dienen. Dass das hohe Gut der Kultur in der Apfelstadt so gut vertreten ist, verdanken wir dem ehrenamtlichen Team des Stadtkulturbundes."

Gestiftet 1980 von der Sparkasse Tönisvorst, errichtet vom Heimatbund. FOTO: Brinkmann Heribert

Wie schön, ich installiere ein Konstrukt, dass die städtische Kultur abschafft und an Ehrenamtler "outsourct", gleichzeitig kontrolliere ich mit dem Vorsitz im Kuratorium den Geldfluss. Und am Ende lobe ich, wie schön das alles flutscht.

Aber das hohe Gut der Kultur in der Apfelstadt? Der andere Verein "Kultur im Rathaus", der durch den Tod des ehemaligen Stadtdirektors Günter Scheuer einmal wieder in Erinnerung gerufen wurde, hat mit Kleinkunst-Veranstaltungen im Ratssaal Kultur in die Stadt gebracht und bis zu 170 Zuschauer angelockt - bis der Stadtrat den Ratssaal nicht mehr zur Verfügung stellte.

Eine Würdigung des Seelsorgers und Sozialreformers Adolph Kolping. FOTO: Brinkmann Heribert

Dabei eignete sich der Saal gut für ein Nischen-Programm mit Jazz-Konzerten, Lesungen oder kleinen Theateraufführungen. Der Kreis 80, ein Zusammenschluss von Hobbymalern, stellte im Ratsaal aus. Der Mertenshof existiert nicht mehr in der alten Form, allein die Christuskirchengemeinde bietet mittlerweile neue Aufführungsmöglichkeiten.

Seit Jahren wird immer wieder über die Zukunft der Stadtbücherei diskutiert. Inzwischen scheint die Gefahr gebannt und der Erhalt der Bücherei sichergestellt zu sein. Debattieren könnte man über ein neues Konzept - um die Stadtbücherei zu stärken und neue Kreise zu erschließen.

Mahnmal für die Juden in St. Tönis und Vorst, die zwischen 1933 und 1945 ums Leben kamen. Die Tafel enthält keinen Hinweis auf die niedergebrannte Synagoge. FOTO: Brinkmann Heribert

Es gibt anderswo durchaus nachahmenswerte Projekte wie eine Dunkelkammer für Fotofreunde, eine Hobbytec in Verbindung mit den Senioren. Ein Kino oder Museum gibt es überhaupt nicht. Ein Kino hat es mal gegeben, wo jetzt Blumen Hermes zu finden ist. Filmfreunde müssen schon lange nach Kempen oder Krefeld ausweichen. Museums- und Theaterfreunde erst recht. Krefeld, Duisburg, Düsseldorf, Mönchengladbach haben ein üppiges Angebot.

Aber eine Skulpturen-Ausstellung wie vergangenen Sommer in Münster wäre hier vor Ort völlig undenkbar. Denn Kunst im öffentlichen Raum ist in Tönisvorst weitgehend Fehlanzeige. Während Viersen damit sogar wirbt, können die St. Töniser nur zwei Denkmäler vorzeigen: St. Martin ("Teilen und Helfen" von Loni Kreuder, 1994 vom Heimatbund St. Tönis gestiftet) auf dem Alten Markt, und der Namensgeber der Stadt als kleines Denkmal an der Ecke Hochstraße / Antoniusstraße.

Weil er als Schutzpatron der Haustiere gilt, wird er oft mit einem kleinen Schwein gezeigt, was ihm den Spitznamen "Ferkes Tünn" eingebracht hat. Das Werk wurde 1980 vom Heimatbund errichtet.

Auf Initiative von Kunst im Rathaus gab es auch eine Skulpturen-Ausstellung in der Grünanlage am Kirchplatz. Doch, so erinnert sich Peter Siegel, bei den Tönisvorstern habe das keinen Anklang gefunden. Die Werke stießen auf kein großes Interesse. So etwas bremst den Elan für Kunst im öffentlichen Raum. Nicht einmal an der ehemaligen Synagoge an der Hospitalstraße gibt es ein Mahnmal. Vielleicht kann man das nach 80 Jahren korrigieren?

Quelle: RP
 
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